Erinnerungen an Alain Polyak

Langenthal

Seit kurzem stehen im Garten des Hotels Auberge in Langenthal vier Plastiken von Alain Polyak (1942–1999). Manche seiner Entwürfe warten noch immer auf ihre Ausführung.

Macht den Nachlass ihres verstorbenen Mannes zugänglich: Barbara Polyak.

Macht den Nachlass ihres verstorbenen Mannes zugänglich: Barbara Polyak.

(Bild: Thomas Peter)

An der Farbgasse 39 in Langenthal zeugen Werke vor und vor allem in dem über hundert Jahre alten Haus vom Wirken des 1999 verstorbenen Alain Pol­yak. Dort harren auch mehrere Modelle aus Gips, Draht oder Kartonage auf eine Ausführung in Metall.Barbara Polyak, die Witwe des Künstlers, hofft, dass sie mit dem Verkauf der einen oder anderen Plastik die Realisierung weiterer Werke finanzieren kann.

Ein Schicksalsschlag

Alain Polyak kam 1942 in Süd-westfrankreich zur Welt und liess sich in Paris zum Kera­mikmodelleur ausbilden. Als solcher fand er in der ehemaligen Porzellanfabrik Langenthal eine Anstellung und gestaltete während mehr als dreissig Jahren unzählige Geschirrserien und

Dekors. Kurz bevor die Fabrik in andere Hände ging, wurde ihm 1994 gekündigt. Es war ein harter Schlag für ihn, der seinen Beruf liebte. Polyak machte daraufhin eine Anlehre bei einem Grabsteinbildhauer und brachte sich das Schweissen bei. Damit legte er das handwerkliche Fundament für seine Tätigkeit als Bildhauer und Plastiker.

Faszination der Geometrie

Der Langenthaler hat unzählige mathematische Berechnungen hinterlassen, auf denen der Aufbau seiner meist geometrischen Plastiken beruht. Davon zeugt etwa die Eisenplastik «Espace octaédrique III», die nun bei der Auberge steht. Sie besteht aus ineinander verschachtelten Würfeln. Die Eisenplastik «Métacube II» – sie stand fast zwanzig Jahre vor dem Eingang des Spitals SRO und heute etwas versetzt in der Nähe des Ärztehauses – ist aus rechtwinkligen, ineinander verzahnten Elementen geformt.

Das Modell für die Bronzeplastik «La musique ou l’amour entre les deux oreilles» – sie steht ebenfalls im Garten der Auberge – fertigte Alain Polyak für ein Jubiläum der Musikschule an, wo es zuerst draussen, dann mehrere Jahre im Gang der Schule stand. Nach seinem Tod liess Barbara Pol­yak die Bronzeplastik in Mailand giessen. Die Plastik «Boccione» (auch sie steht nun bei der Auberge) verdankt ihren Namen der knospenartigen Form.

Bescheidener Meister

Erst nach Alain Polyaks Tod und auf Initiative seiner Witwe fanden seine Werke den Weg in zwei Ausstellungen. Seine Kunst zu vermarkten, habe ihm nicht gelegen, erinnert sich Barbara Polyak. Er sei ein bescheidener Mensch mit viel ­Humor und französischem Charme gewesen. Ein Mensch, der die Mathematik liebte und ein Perfektionist war.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt