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Er tritt nur etwas kürzer

Auch wenn er übergibt: Erwin «Emil» Käser bleibt dem Schalander erhalten.
Auch wenn er übergibt: Erwin «Emil» Käser bleibt dem Schalander erhalten.
Marcel Bieri

Seit etwas mehr als sechs Jahren ist Emil Käser die gute Seele in Emil’s Schalander, der Besenbeiz der Brauerei Napf in Walterswil. Genauer gesagt seit dem 1. April 2012, acht Tage nachdem der gegenüberliegende Löwen, das einzige Restaurant im Dorf, seine Türen für immer schloss. Vor zwei Monaten feierte Emil seinen 65. Geburtstag und hätte sich damit eigentlich einen ruhigen Lebensabend verdient. Aber aufhören kommt für ihn noch nicht infrage, etwas kürzer treten wolle er nun im Pensionsalter aber doch.

Emil, der mit richtigem Namen eigentlich Erwin heisst, erhielt seinen Spitznamen in der 5. Klasse, als er oft den bekannten Komiker Emil Steinberger nachahmte. Heute macht er es immer noch, wenn auch nur noch selten. Die Brauerei Napf benutzte den Raum, der in Brauereikreisen Schalander genannt wird, bereits seit Beginn im Jahr 2011 für Bierdegustationen, die jeweils nach Betriebsführungen angeboten werden. Nun sollte er auch der Dorfbevölkerung als Treffpunkt zur Verfügung stehen.

Einen Wunsch erfüllt

Und so wurde aus dem Degustationsraum Emil’s Schalander. Der neue Wirt erfüllte sich damit einen lang gehegten Wunsch. «Ich wollte schon immer wirten», sagt Emil Käser, der zuvor 30 Jahre lang zusammen mit seinem Bruder einen Bauernhof bewirtschaftet hatte. Um den Schalander führen zu dürfen, setzte er sich damals gegen eine junge Mitbewerberin durch und erhielt die Zusage durch die Interessengemeinschaft «IG eigene Dorfbeiz». Initiator der IG war Martin Bühler, der Inhaber der Brauerei Napf. Er rief zu einer Versammlung, bei der jeder Walterswiler, der an einer Dorfbeiz Interesse hatte, mitreden und mitentscheiden konnte.

Gute Zusammenarbeit

Um auch kürzertreten zu können, suchte Käser seine Nachfolgerin gleich selber und hatte sie mit Elisabeth «Lisi» Baumgartner auch schnell gefunden. Baumgartner, die bereits öfters im Schalander aushalf, wollte den Betrieb jedoch nicht allein führen. Da Emil Käser sowieso nicht vorhatte aufzuhören, wurden sie sich schnell einig. An einer erneut durch Martin Bühler einberufenen Versammlung zeigten sich die Anwesenden denn auch sofort mit dem Team Lisi und Emil einverstanden.

Die Zusammenarbeit mit der Brauerei sei angenehm, sagt Emil Käser. Selbstverständlich wird nur Bier aus der Brauerei verkauft, ansonsten steht es dem Wirt weitgehend frei, wie er den Gastronomiebetrieb gestaltet. Geregelt wird die Zusammenarbeit mit einem Franchisevertrag, der ein partnerschaftliches und verkaufsförderndes Absatzsystem ermöglicht. «Es setzt auch gegenseitiges Vertrauen voraus», ergänzt Lisi Baumgartner, die als gelernte Hauspflegerin beim Roten Kreuz arbeitet. Dass sie zur Bedingung stellte, den Schalander nicht allein führen zu müssen, kann Käser gut verstehen.

Anfangs führte er die Besenbeiz allein und kam bei einer wöchentlichen Präsenzzeit von 53 Stunden, die Reinigung des Raumes und die Einkäufe noch nicht mitgerechnet, bald einmal an seine Grenzen. «Die Gäste fingen an, sich um mich zu sorgen, nachdem ich innerhalb kurzer Zeit einiges an Gewicht verloren hatte», erinnert sich Käser an die Anfänge zurück. Seitdem helfen zwei Frauen jeweils am Mittwoch- und Freitagvormittag aus.

Es bleibt, wie es ist

Das möchte auch die neue Wirtin so beibehalten, ebenso wie den Namen Emil’s Schalander. «Er ist ja immer noch da», begründet sie den Entscheid. Auch sonst wird nichts verändert. Gemeinsam werden sie den Betrieb weiterführen wie bisher. Denn was gut läuft, müsse nicht verändert werden, sind sie sich einig. Die Gäste werden sich also weiterhin auf ihren Emil freuen können – und haben noch Lisi dazugewonnen.

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