Endlich wieder Drama in Schoren

Langenthal

Kein Duell schürt mehr Emotionen als der SCL gegen den EHC Olten – das war auch am Mittwoch nicht anders. Und doch hätte die Halle noch etwas mehr kochen können.

Es ist angerichtet. In der Kurve klaffen beim ersten Heimspiel jedoch noch einige Lücken. Foto: Marcel Bieri

Es ist angerichtet. In der Kurve klaffen beim ersten Heimspiel jedoch noch einige Lücken. Foto: Marcel Bieri

Es ist wie beim Hollywoodfilm «Titanic»: Obschon man genau weiss, das Kreuzschiff wird den Eisberg treffen, hofft man dennoch, es möge anders kommen. So fühlen sich derzeit die Pessimisten unter den Fans des SC Langenthal. Sie wissen: Gegen Olten gibt es nichts zu holen – wieder einmal, nach 2010, 2013 und 2018. Dreimal hatten sie im Playoff gegen den ungeliebten Nachbarn gehofft, gezittert und gehadert, dreimal hatte es nicht gereicht. Die Dramaturgie ist bereits geschrieben, warum sollte es dieses Mal anders sein?

Am Mittwochabend finden sich auf der Streetside-Stehrampe zwei Lager ein. «Wenn wir heute verlieren, dann ist alles vorbei», sagen die oben Genannten. Die anderen Vertreter treibt Zweckoptimismus an: «Diesmal packen wir die Mäuse. Nur weiter, immer weiter.»

Es ist angerichtet in Schoren. Dennoch finden sich im Stadion an diesem ersten Heimderby im Playoff-Halbfinal keine 2800 Zuschauer ein. Ob es am Fasnachtskater liegt? Den Eishockeyprotagonisten ist dies egal, sie liefern ein Drama in vier Akten.

Erster Akt

Keine drei Minuten sind gespielt, und schon liegen sich die Langenthaler in den Armen. 1:0, geht doch, vielleicht ist diese Serie ja doch anders als die anderen. Zuvor haben die Fans hinter dem Tor noch verhalten einige SCL-Fahnen geschwenkt. Sie wurden übertönt vom Oltner Block, der eng zusammengepfercht auf der anderen Seite sein Team anpeitscht.

Kein Vergleich zur Meistersaison von vor zwei Jahren, als die Streetside im Halbfinal gegen Ajoie kochte. Seit sich der Club mit einigen seiner heissblütigsten Fans angelegt hat und diese nun freiwillig oder unfreiwillig das Stadion meiden, ist die Stimmung in der Kurve eingebrochen. Das vermag auch eine Derbyaffiche nur bedingt zu ändern. Was allerdings hilft, sind ein leidenschaftliches Team und eine schnelle Führung. Jetzt kommen die ersten Sprechchöre, angestimmt vom Capo und Fandelegierten Patrick Dennler.

Zweiter Akt

Obwohl der SCL powert, kommen die Teams mit einem Unentschieden aus der ersten Pause. Und die Gäste legen unverhofft nach. Die ersten Fans hadern bereits wieder. Die Schiedsrichter: was für Pflaumen. Die vergebenen Chancen: unverzeihlich. Das Glück der Oltner: unglaublich.

Auf dem Eis gibt es die ersten Scharmützel, von der Tribüne fliegt Bier, von der gegenüberliegenden Seite Karton. Im Netz schlägt es ein, 2:2, 3:2, 3:3 – Achterbahn, Gefühlschaos. Das Spiel? Könnte um 22 Uhr schon längst vorbei sein, aber es ist erst Zeit für den zweiten Pausentee. Derby halt.

Dritter Akt

SCL-Trainer Per Hanberg rutscht übers Eis und schwenkt mit seinem Taktikbrett energisch zur Streetside. Da muss im dritten Drittel noch mehr kommen. Gemessen am grandiosen Einsatz der Spieler ist die gesangliche Unterstützung hinter dem Tor bescheiden. Selten haben die Langenthaler so aufopfernd gespielt, sich in gegnerische Schüsse geworfen, aus allen möglichen und unmöglichen Lagen geschossen.

Am Ende resultiert ein Schussverhältnis von 61 zu 28. Als Goalie Philip Wüthrich mirakulös einen schier unhaltbaren Puck entschärft, erheben sich sogar die Zuschauer von ihren Sitzplätzen und klatschen.

Vierter Akt

Es ist eine Zugabe, die keiner will, aber ohne die es nicht geht. Viertes Drittel, Verlängerung. Hoffen, Bangen, der Puls längst im gefährlich hohen Bereich. Ein Raunen geht durch die Menge, wieder eine Chance vertan, wieder nichts. Dann, man kann es aus der Distanz gar nicht richtig sehen, schiesst Aushilf-Kanadier Pascal Pelletier den SCL in der 77. Minute ins Glück. Tollhaus Schoren, die Fans liegen sich in den Armen, als sei die Serie bereits entschieden. Die Titanic hat den Eisberg knapp verfehlt, und allmählich kommen auch die Langenthaler Fans wieder in Fahrt.

In Olten findet am Freitag um 19.45 Uhr die dritte Partie der bisher ausgeglichenen Serie zwischen dem SCL und dem EHCO statt.

Berner Zeitung

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