Eine Vorreiterin, die es in die Welt zog

Sie wäre heuer 160 Jahre alt geworden: Lina Bögli. Die Reiseschriftstellerin war eine mutige und talentierte Frau. Nun wird ihr in Oschwand eine Ausstellung gewidmet.

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Lina Bögli im Kreuz.

(Bild: PD)

«Frauen vom Land unter Sternen». Der Titel der Ausstellung des Vereins Pro Amiet-Hesse-Weg (siehe Haupttext), den die Ausstellungsmacher bei einem Roman von Maria Waser entlehnt haben, passt auch gut zu Lina Bögli.

Ihre Biografie liest sich wie ein Abenteuerroman: 1858 im Weiler Boden bei Oschwand als jüngstes Kind einer Kleinbauernfamilie geboren und auf den Namen Carolina getauft, wird sie bereits mit zwölf Jahren vom Vater als Kindsmagd in den Jura geschickt.

Ab dem 17. Lebensjahr arbeitet sie dann für drei Jahre als Zimmer- und Kindermädchen bei einer wohlhabenden Schweizer Familie in Neapel, ehe sie schliesslich eine Anstellung als Erzieherin in einer polnischen Adelsfamilie findet. Nach acht Jahren hat sie genug Geld gespart, um in der Schweiz nach zweijährigem Studium das Lehrerinnendiplom zu machen. Bei einem Englandaufenthalt vervollständigt sie ihre Ausbildung.

«Bei ihr hatte alles seine Logik», sagt Beat Hugi vom Amiet-Hesse-Weg. «Sie war nun mehrsprachig und zusammen mit ihren Zertifikaten bestens gerüstet für ihre späteren Weltreisen.» Ihre erste grosse Reise führte sie in zehn Jahren, von 1892 bis 1902, unter anderem nach Australien, Neuseeland, Hawaii und in die USA. Vor Ort verdiente sie sich ihr Geld als Erzieherin oder Lehrerin.

Was für viele andere alleinstehende Frauen undenkbar war, wurde für sie zum Alltag: ganz allein zu reisen. «Sie war eine mutige Person, hatte keine Berührungsängste», sagt Hugi. Ihre Eigenständigkeit sei Lina Bögli wichtig gewesen. Selbst ihren Grabstein habe sie vor ihrem Tod selbst organisiert. «Sie konnte wunderbar schreiben, mit viel Witz, Selbstironie und journalistischem Flair.»

1904 erschien unter dem Titel «Forward – Vorwärts!» ihr erstes Buch zuerst auf Englisch. Es wurde in zehn Sprachen herausgegeben und avancierte zum Bestseller. «Lina Bögli hat den Frauen auf der ganzen Welt gezeigt: Wir brauchen keine Männer, um zu reisen», so Hugi. Sie habe damit eine Vorreiterrolle eingenommen.

1914 kehrte sie mit 56 Jahren und nach fast 40 Jahren in der Fremde in die Heimat zurück und mietete sich ein Zimmer im Kreuz in Herzogenbuchsee. 1941 starb sie im Alter von 83 Jahren.

swl

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