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Eine Arve auf 14 Füssen

Eine Interessengemeinschaft setzt sich in der Gemeinde zuoberst an der Langeten dafür ein, dass die Natur vielfältig bleibt.

Sieben Köpfe mit 14 Füssen: Die Mitglieder der IG Arve in der Gaisgrube.
Sieben Köpfe mit 14 Füssen: Die Mitglieder der IG Arve in der Gaisgrube.
Thomas Peter

Nein, Arven wachsen keine in der Gaisgrube bei Eriswil. Die knorrigen, bis zu 1000 Jahre alten Überlebenskünstler haben sich auf Höhen zwischen 1500 und 2500 Meter über Meer in den Zentralalpen zurückgezogen, seit sie die eingewanderten Fichten aus den tieferen Lagen verdrängten.

Sie wären auf dem aussichtsreichen Höhenzug zwischen Eriswil und Wyssachen, auf rund 830 Meter über Meer, standortfremd und in einem Naturschutzgebiet unerwünscht. Dafür hat es dort eine Pappel und Birken, deren Blätter in diesen Herbsttagen gelb im Sonnenlicht strahlen.

Seltene Bienenfresser

Wenn sich in der Gaisgrube trotzdem hie und da eine Arve tummelt, so ist sie dort weder fest verwurzelt, noch hat sie Stamm, Nadeln oder Zapfen. Sie hat 14 Füsse. Diese gehören einer Interessengemeinschaft mit dem Namen Artenvielfalt Eriswil, abgekürzt eben Arve.

Zwei Füsse gehören Hanspeter Blaser, Lehrer im Dorf und Beauftragter der Gemeinde für die Naturschutzgebiete in der Gaisgrube und im Schwinger. In der IG tritt er als Koordinator auf. Er sieht in der Gaisgrube noch viel mehr als das Farbenspiel von herbstlichem Birkenlaub. Er weist auf einen Nagelfluhsporn am Rand der Grube hin. Dieser löste die Unterschutzstellung aus.

Denn dort nisteten die seltenen Bienenfresser, die unter Ornithologen viel Aufsehen erregten. Inzwischen, schränkt der Naturschutzbeauftragte ein, habe der seltene bunte Vogel allerdings nicht mehr nachgewiesen werden können. Trotzdem blieb das Gebiet unter Schutz, denn der kleine Teich unterhalb des Felssporns ist Heimat seltener Frösche, Kröten, Molche und Libellen. Zwischen den beiden Lebensräumen fühlen sich Eidechsen wohl.

Mit einer Schulklasse hatte Hanspeter Blaser vor rund zehn Jahren die Initiative ergriffen, den Trockenstandort im Schwinger am Ahorn unter Naturschutz zu stellen. Ihm wurde zudem die Betreuung des zweiten Naturschutzgebietes in der Gemeinde übertragen. «Denn», stellt Hanspeter Blaser fest, «die Artenvielfalt der Natur hängt auch von der Pflege der Menschen ab.»

Nicht verlanden

In der Gaisgrube zum Beispiel muss die Vegetation regelmässig zurückgeschnitten werden, damit sie die Grube nicht überwuchert und der natürliche Teich nicht verlandet. Das drohte dort zu geschehen. Das fiel auch Stephan Aeschlimann auf, der etwas unterhalb der Gaisgrube im Eigen mit seiner Partnerin Ursula Yelin die auf die Planung und Gestaltung von Gärten spezialisierte Firma Gartenwerke betreibt und der Baukommission angehörte. Sie sind die Füsse Nummer drei bis sechs der Arve von Eriswil.

Die sechs oder besser acht Füsse – denn auch Hanspeter Blasers Ehefrau Marianne gehört zu den Mitgliedern der Interessengemeinschaft – suchten angesichts des Pflegeaufwandes Mitstreiter. Sie fanden sie – Füsse neun bis vierzehn – in Ursula Lüdi Kleeb, Ruedi Kleeb und Sybille Fuhrimann.

Ihren Einsatz für die Artenvielfalt in Eriswil wollten die drei Paare jedoch nicht auf die bestehenden Naturschutzgebiete beschränken. Unter der Leitung von Stephan Aeschlimann wagten sie sich auch an neue Projekte, zum Beispiel zwei Teiche für Amphibien beim neu erstellten Sport- und Spielplatz in der Wühre. Nach mehreren vergeblichen Anläufen konnte die IG Arve mit einer Schulklasse von Hanspeter Blaser nun kürzlich das Feuchtgebiet anlegen.

Frösche, Molche, Libellen, Insekten und Vögel sollen auch dort einen neuen Lebensraum erhalten, wo sie von Schülern und Bevölkerung im Dorf in ihrer Nähe beobachtet werden können. Den nachwachsenden Generationen in Eriswil die Vielfalt der Natur an Ort und Stelle zeigen zu können, ist für den Lehrer denn auch die Hauptmotivation für sein Engagement.

Je mehr Lebensräume für die vielfältigen Arten der Natur geschützt werden können, desto umfangreicher werden die Arbeiten. Diese sind zudem für Schulklassen nicht immer geeignet. Deshalb hofft die Interessengemeinschaft auf weitere Unterstützung. Ein Tausendfüssler muss ihre Arve ja nicht gleich werden. Hauptsache, sie verwurzelt sich gut in der Gemeinde – der Artenvielfalt zuliebe.

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