Lotzwil

Eindruck und ein bisschen Angst

LotzwilDer Schreiner Max Steiner widmete sich nach seiner ­Pensionierung der Kunst. Das Museum zeigt nun Texte und erstmals auch Bilder des 1997 verstorbenen Mitbürgers.

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Literatur, fremde Kulturen und Sprachen, Anthroposophie, Schreinerei, Hypnose, Kunst: Max Steiners Interessen kannten keine Grenzen – genauso wenig wie sein Denken. Der Lotzwiler war zeitlebens ein Freigeist. Doch erst nach seiner Pensionierung begann er, selber zu malen und zu schreiben. Spürbar wird das in der Ausstellung, die das Museum Lotzwil ihm widmet.

Freigeist, . . .

Dort hängen nun zahlreiche leuchtend bunte, expressive Bilder, auf denen sich Steiner mit den verschiedensten, mal figürlicheren, mal abstrakteren Sujets beschäftigt. Weiter liegen Texte auf, in die sich ein Blick besonders lohnt: zwei Romane, «Gusti der Eiger-Flieger» und «Iguassu», ein Prosabändchen sowie verschiedene kleinere Werke, die Steiner unter anderem in einer Zeitung veröffentlichte.

Ein Grossteil der Werke kommt aus der Sammlung des Museums Lotzwil. Kurator Andreas Greub sind die Bilder schon auf seinen ersten Rundgängen durch das Lager aufgefallen. Er habe Steiner als Bub gekannt, erklärt er: «Er machte mir damals Eindruck – aber auch ein bisschen Angst.» Diese sei natürlich absolut unbegründet gewesen, aber Steiner sei halt schon irgendwie anders gewesen und habe sich nicht den bornierten Vorstellungen gebeugt, die damals, gerade auf dem Land, vorgeherrscht hätten. «Man hat auch ein bisschen über ihn geschmunzelt», erzählt Greub, «besonders weil er nebst seiner Ehe mit Helena Rutschmann auch noch eine mindestens sehr enge Freundschaft mit der Lehrerin Marie Hirschi pflegte.»

. . . Tüftler . . .

Im März 1914 in eine umbruchreiche Zeit hineingeboren, noch dazu mit einer Wirbelsäulendeformation, hatte Max Steiner keine leichte Kindheit; sein Vater war Alkoholiker und führte sein Küfereigeschäft in den Konkurs, die Mutter zog die sieben Kinder fast im Alleingang auf. Der junge Steiner machte dann eine Schreinerlehre, erwarb schliesslich eine Schreinerei an der Langenthalstrasse in Lotzwil und führte den Betrieb über Jahrzehnte hinweg finanziell erfolgreich.

«Er war ein gewiefter Geschäftsmann und ein guter Lehrmeister», erinnert sich Ursula Steiner, seine Nichte, die in beratender Funktion bei der Ausstellung mitgewirkt hat. Doch der Lotzwiler wollte mehr: Er tüftelte nebenher stets an irgendwelchen Erfindungen, oft mit seinem Bruder Paul zusammen.

Daneben setzte er den Bleiche-Stock, wo er mit seiner Frau lebte, instand – und führte minutiös darüber Buch. Auch diese in erzählerischem Stil verfassten Aufzeichnungen sind in der Ausstellung zu sehen und überaus unterhaltsam zu lesen. «Er führte ein sehr eigenständiges Leben», sagt Ursula Steiner, «das war ihm wichtig.» Daneben engagierte er sich aber auch intensiv im Dorf, sass zum Beispiel in vielen Kommissionen.

. . . und Künstler

Nach der Pensionierung fand er dann endlich die Zeit, sich eingehend der Kunst zu widmen. «Ich kann mich noch erinnern, wie damals Kisten voll mit seinen Büchern im Wohnzimmer zwischen seinen an den Wänden hängenden Bildern standen», so Steiner. An dieser Begeisterung liess er seine Mitmenschen auch gerne teilhaben, konnte stundenlang darüber reden. «Sein Interesse war grenzen- und vorurteilslos. Man konnte mit ihm im Gespräch hinfliegen, wohin man wollte», erzählt sie lächelnd. «Und er hat viel gelacht.» (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 10.10.2018, 16:19 Uhr

Ausstellung:

Samstag, 13. Oktober, 11–16 Uhr, danach bis 25. November Samstag/Sonntag 14–16 Uhr. Vernissage: 12. Oktober, 19 Uhr.

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