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Ein weiterer Sieg für den SC Langenthal

Der Stadtrat bewilligte den Vorstoss, für den Hockey-Nachwuchs mehr Geld an die Eismiete zu sprechen. Kontrovers diskutiert wurden aber vor allem die Höhe und die gerechte Behandlung anderer lokaler Sportvereine.

Der Stadtrat bewilligte einen Vorstoss, wonach der Hockey-Nachwuchs mehr finanzielle Unterstützung erhält.
Der Stadtrat bewilligte einen Vorstoss, wonach der Hockey-Nachwuchs mehr finanzielle Unterstützung erhält.
Christian Pfander

Kinder lassen niemanden kalt. Das hatte sich wohl auch der SC Langenthal gedacht und all seine Nachwuchsspieler inklusive Eltern vor die Alte Mühle beordert. Im Spalier begrüssten sie die Parlamentsmitglieder auf dem Weg ins Sitzungszimmer. Dieses war für einmal komplett gefüllt, mit Kevin Schläpfer sass selbst der künftige SCL-Sportchef im Publikum.

Nach dem sonntäglichen Sieg gegen den EHC Olten hatte der SCL also erneut ein Heimspiel. Mit auf den Weg gab es für alle Stadträtinnen und Stadträte einen Schokoladen-Puck und den Wunsch, für eine Verdoppelung des finanziellen Beitrags an die Eismiete zu stimmen. Dieser beläuft sich derzeit auf 125000 Franken – zu wenig, heisst es seitens der Verantwortlichen. Der Verein forderte deshalb von der Stadt eine Verdoppelung, um kantonal und national wettbewerbsfähig zu bleiben.

Durch Süsses erweichen liess sich zumindest Daniel Steiner-Brütsch nicht. Der EVP-Stadtrat forderte gar, auf das Geschäft nicht einzutreten. Es stelle einen politischen Sündenfall dar und sei unseriös vorbereitet, zudem würden damit andere Sportvereine ungleich behandelt. «Ich mag mich nicht an einen Fall erinnern, wo alle vorberatenden Behörden ein Geschäft abgelehnt haben und dieses dann trotzdem durch das Parlament kam.»

Stadtrat Pascal Dietrich (FDP) stellte sich dem entgegen. «Dieses Geschäft bewegt die Leute.» Weshalb sollte man da die Diskussion vorgängig abwürgen? Stadtrat Lars Schlapbach (SVP) pflichtete dem bei: Dass man geteilter Meinung sein könne, sei klar. «Wir sollten uns aber grundsätzlich fragen, was unser Haltung gegenüber dem SCL ist.» Schlapbach sagte weiter: «Den SCL-Nachwuchs kann man nicht mit einem Kegelklub vergleichen.» Der Rat solle daher pragmatisch entscheiden.

Zu hohe Ausgaben

Gemeinderätin Helena Morgenthaler (SVP) machte sich in ihrem Votum für die Nachwuchsabteilung des SCL stark. Diese sei in wenigen Jahren von 200 auf 300 Mitglieder gewachsen, «das ist eine enorme Steigerung».

Die Organisation sei eine der grössten Nachwuchsabteilungen im Kanton Bern, habe 2018 das Label als bester Ausbildungsclub erhalten und bereits Spieler hervorgebracht, die es bis in die National Hockey League in Nordamerika geschafft haben. Gemäss Morgenthaler reicht der aktuelle Beitrag der Stadt nicht mehr aus, das habe der SCL schon im Jahr 2011 so kommuniziert.

Die Geschäftsprüfungskommission ihrerseits bemängelte die formelle Korrektheit des Vorstosses und stellte den Antrag, das Geschäft an den Gemeinderat zurückzuweisen, um dieses zu einem späteren Zeitpunkt wieder in den Rat zu bringen.

Diego Clavadetscher (FDP) sagte, es gebe neben den formellen auch materielle Überlegungen, die für eine Rückweisung sprechen. Die Stadt habe ein grosses Defizit und wenig Handlungsspielraum im Entscheid um ihre Finanzen. «Können wir uns diese Ausgaben leisten? Ich bin der Auffassung: Nein.»

Gebührenerlass für alle

So ging es hin und her, auf Pro- folgten Contra-Sprecher. Nach fast einer Stunde rang sich der Stadtrat dann doch noch durch, auf das Geschäft einzutreten. Daniel Steiner-Brütsch brachte hier erneut ein, dass andere Clubs wie etwa die Leichtathletikvereinigung Langenthal ebenso erfolgreich Nachwuchsarbeit betrieben. Er frage sich auch, ob die Angestellten der SCL Nachwuchs AG zu hoch entschädigt werden.

Deshalb fordere die EVP/glp-Fraktion, das Anliegen abzulehnen: Weil es masslos sei. Andere Vereine kämen nie auf die Idee, einen solch hohen Beitrag zu verlangen. Die SP/GL-Fraktion wollte derweil wissen, weshalb der Beitrag gleich verdoppelt werden soll und sich nicht auch umliegende Gemeinden daran beteiligen müssen.

SP-Fraktionspräsident Roland Loser unterstützte den Vorstoss trotzdem und gab sogleich eine Motion ein, die sämtlichen Sportvereinen die Gebühren erlassen will. Auch die SVP-Fraktion reichte ein Postulat mit derselben Forderung ein.

Grundsätzliche Überprüfung

Am Ende hallte nach, dass die Stadt die organisatorische Situation der Kunsteisbahn AG ganz grundsätzlich überprüfen sollte. Das Begehren zum Unterstützungsbeitrag kam schliesslich knapp durch, der Stadtrat sprach sich mit 21 gegen 17 Stimmen und einer Enthaltung für eine Verdoppelung auf 250'000 Franken aus.

Ein erforderlicher Nachkredit von 125'000 Franken für dieses Jahr geht zulasten der Erfolgsrechnung. Kaum war das Ergebnis durch, leerte sich der Saal in der Alten Mühle. Draussen zeigte sich Gian Kämpf, Geschäftsführer des SCL, erleichtert. Denn er habe im Vorfeld nicht abschätzen können, wie der Vorstoss ausgehen würde. «Wir wissen, dass es ein grosser Betrag ist und sind glücklich, hat es gereicht.» Der Club wolle nun seine Mission in der Nachwuchsförderung gezielt fortführen.

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