Melchnau

Ein geteilter Fuhrpark

MelchnauVor fünfzig Jahren haben Landwirte in Melchnau eine Maschinengemeinschaft gegründet. Sie existiert bis heute, manche Familien sind bereits in der dritten Generation ­Mitglied.

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Viel Platz hat man auf dem Bodmen, hoch über Melchnau. Der Blick in die Weite ist frei von Hindernissen, selbst hinunter auf das Dorf hat man eine schöne Sicht. Viel Platz hat es auch rund um den Hof der Familie Duppenthaler, wo die Hallen der Maschinengemeinschaft des Dorfes stehen: Mähdrescher, Mistkräne, Holzspalter, Viehwagen, Baumaschinen und anderes mehr findet sich darin. Fast alles, was ein herkömmlicher landwirtschaftlicher Betrieb braucht.

Der Grundstein dafür wurde im Frühjahr 1968 gelegt. Der Landwirt Johann Flückiger lud alle neunundzwanzig Melchnauer, die bereits einen Traktor besassen, zur Gründungsversammlung der Maschinengemeinschaft Melchnau ein. Die Idee war simpel: Die Bauern sollten sich zusammenschliessen und in Zukunft ihre Maschinen gemeinsam anschaffen. Damit, so das ­Argument, liesse sich viel Geld einsparen.

Zwölf von ihnen erklärten sich nach eingehenden Diskussionen bereit, beim Experiment mitzumachen. Zu Beginn wurden ein Mistkran und zwei Zetter gekauft, danach ein Mähdrescher. Die Beschaffungen zielten zunächst mal darauf ab, den Bauern die personalintensivsten Arbeiten abzunehmen – und ihre Familienmitglieder zu entlasten, die ebenfalls kräftig anpacken mussten.

Grosse Technik, kleiner Preis

Der Leitgedanke hinter Maschinengemeinschaften ist so einfach wie einleuchtend: Durch den gemeinsamen Kauf wird die Finanzierung von mehreren Betrieben geschultert. Das Potenzial an Kosteneinsparung ist immens, gleichzeitig wird den Betrieben eine umfangreiche Eigenmechanisierung ermöglicht.

Auch teure und spezielle Maschinen können auf diese Weise gekauft werden, die für einen Betrieb unerschwinglich wären. Die grosse Technik ist so für den einzelnen Bauer zu einem kleinen Preis verfügbar.

Dementsprechend gab es Formen der gemeinsamen Maschinenbeschaffung schon seit dem Beginn der Mechanisierung in der Landwirtschaft. Mittlerweile macht es sogar noch mehr Sinn: Die Technologie entwickelt sich, Maschinen werden teurer. Betriebe geben heutzutage ein Vielfaches für Maschinen und Geräte aus im Vergleich zu vor wenigen Jahrzehnten.

Zudem sinken die Preise für landwirtschaftliche Produkte – Marktöffnung und Agrarreformen machen Kostensenkungen in der Landwirtschaft überlebenswichtig. Eine verstärkte Zusammenarbeit schafft Synergien und eröffnet auch neue Möglichkeiten, insbesondere bei klein strukturierten Betrieben, wie sie im Oberaargau tendenziell der Fall sind.

Elf Mitglieder

Seit den Anfangstagen ist einiges hinzugekommen. Eine erste Maschinenhalle wurde 1973 auf dem Bodmen gebaut, der Bau einer zweiten erfolgte 1990. Die Mitglieder errichteten sie gleich selbst, sie verwendeten dafür Windfallholz des Sturms Vivian, das zum grossen Teil aus ihren eigenen Wäldern stammte.

Elf Mitglieder umfasst heute die Gemeinschaft, die alle zu gleichen Anteilen beteiligt sind. «Wir besorgen uns in der Regel die­jenigen Maschinen, die jeder braucht», so Heinz Duppenthaler, der als Kassier fungiert und die Ausleihe des Fuhrparks verwaltet. Das sind in der Regel solche, die nur kurzzeitig zum Einsatz kommen, beispielsweise Sägegeräte, Dünger- oder Kompoststreuer.

Die Mitglieder mieten sie für die benötigte Zeitspanne und stellen sie dann wieder ein. Die Kommunikation ist unkompliziert. Ein kurzes Telefonat reiche aus, so Duppenthaler, um die gewünschte Maschine zu reservieren. Und wenn eine gerade nicht verfügbar sei, müsse man sich eben etwas gedulden.

Es kam auch schon vor, dass nicht alle mit den Anschaffungen gleichermassen zufrieden waren, wenn sie beispielsweise für gewisse Maschinen keinen Gebrauch haben. «Dass viele Betriebe sich zunehmend spezialisieren, ist keine Seltenheit mehr», sagt Thomas Jost. Aber: Eine Hand wasche die andere. Unter dem Strich gehe es für die Beteiligten auf.

«Alle Einkünfte werden konsequent reinvestiert.»Thomas Jost, Präsident

Anteile werden vererbt

Nicht zuletzt auch, weil die Maschinen an Nichtmitglieder vermietet werden, was einen finanziellen Zustupf einbringt. Die grossen Mähdrescher können inklusive Fahrer bestellt werden, die übrigen Maschinen und Geräte müssen auf dem Bodmen abgeholt werden. Kürzlich wurde dafür eine Website erstellt, auf der sich Interessenten informieren können. Die meisten kommen aus dem Oberaargau, aber auch aus den nahe gelegenen Luzerner Gemeinden.

Das so eingenommene Geld fliesst immer in die Kasse der Gemeinschaft. «Alle Einkünfte werden konsequent reinvestiert», sagt Jost. Damit werden neue Maschinen beschafft oder allfällige Darlehen beglichen.

So ist einiges zusammengekommen: Im Laufe der fünfzig Jahre sind Maschinen für mehrere Hunderttausend Franken gekauft worden. Ist das Geld mal drin, besteht ­statutarisch keine Möglichkeit mehr, es wieder rauszuholen. Das führe dazu, dass Anteile an der Gemeinschaft in der Regel an die nachfolgende Generation übertragen würden, sagt Jost.

Konflikte sind selten

Vergleichbare Gemeinschaften gibt es in der Region nicht, zumindest nicht in dieser Grössenordnung. «Häufiger sind Maschinenringe», sagt Jost, in denen die Maschinen im Besitz eines Einzelnen blieben und dann untereinander ausgeliehen oder vermietet würden. Oder Lohnunternehmen, die mit eigenen Maschinen ihre Dienstleistungen anbieten.

Eine solch enge Zusammenarbeit bei so vielen Beteiligten birgt natürlich immer Konfliktpotenzial. «Früher gab es immer wieder mal Schwierigkeiten, hauptsächlich bei der zeitlichen Abstimmung», sagt Heinz Duppenthaler. Das Problem sei aber heute weitgehend gelöst.

Essenziell dafür sind – neben der guten Organisation und der transparenten Abrechnung – Ehrlichkeit, Flexibilität und ein vertrauensvolles Verhältnis innerhalb der Maschinengemeinschaft. Dieses wird hier durch die Tradition gewährleistet: Viele der Mitglieder sind in zweiter ­Generation mit dabei, mit Heinz Duppenthaler engagiert sich sogar bereits die dritte Generation seiner Familie.

«Unser Hauptziel sind eine gute Auslastung und tiefere Maschinenkosten. Das haben wir erreicht.»Thomas Jost, Präsident Maschinengemeinschaft Melchnau

Vorteile überwiegen

Ärgerlich kann es mal bei Schäden werden – wenn diese beispielsweise nicht gemeldet würden. Denn jedes Mitglied haftet einzeln dafür. «Im Grossen und Ganzen ist das aber äusserst selten der Fall. Meist handelt es sich sowieso nur um kleinere Schäden», so Thomas Jost. Die Reparaturen werden, genauso wie die Wartung, gleich von den Mitgliedern selbst vorgenommen und aus der Gemeinschaftskasse beglichen.

Für die Melchnauer hat sich die Zusammenarbeit über all die Jahre auf jeden Fall gelohnt, sind sich Duppenthaler und Jost einig. «Die Vorteile überwiegen eindeutig», sagt Jost. «Unser Hauptziel sind eine gute Auslastung der Maschinen und tiefere Maschinenkosten. Das haben wir erreicht.»

Jubiläumsfest: Am Samstag, 18. August, feiert die Maschinengemeinschaft Melchnau ihr 50-jähriges ­Bestehen. Ab 9 Uhr auf dem Bodmen, wo gleichzeitig das 2. Ein­achserrennen stattfindet. (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 09.08.2018, 06:21 Uhr

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