Echte Kostüm-Hingucker

Langenthal

Immer mehr Zuschauer verfolgen den Umzug in Alltagskleidung. Dabei muss ein tolles Fasnachtsgewand nicht aufwendig sein. Fünf Beispiele.

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Den Cliquen macht so schnell niemand etwas nach: Geht es um aufsehenerregende, schrille, bunte oder einfach nur aufwendige Fasnachtsgewandung, so sind die Profis auf der Strasse in den allermeisten Fällen nicht zu toppen. Um sie soll es hier allerdings nicht gehen. Sondern vielmehr um jene, die kommen, um die Profis zu sehen: die Fasnachtsfans am Rande des Umzugs, die Zuschauerinnen und Eltern mit ihren verkleideten Sprösslingen.

Die grosse Masse investiert nicht viel Zeit, wirft sich der Einfachheit halber in gekaufte Schale oder hält sich an minimalistische Prinzipien. Auffallend viel unkostümiertes Volk sieht sich heuer den Umzug an.

Dabei muss ein tolles Kostüm gar nicht aufwendig sein. Das stellt etwa Greta Gal aus Langenthal unter Beweis. Die gebürtige Ungarin hat sich ein Fussballcap – das diesen Namen tatsächlich verdient – aufgesetzt und einen schwarzen Umhang mit goldenen Lettern umgelegt, der ihrer Liebe für den Fussball Ausdruck verleiht: «Ballon d’Or» heisst die Kreation, in Anlehnung an den französischen Preis, der alljährlich an Spitzenfussballer vergeben wird.

Das fasnächtliche Outfit sei wohl selbst gemacht, sagt Gal, allerdings nicht von ihr: Sie sei da gänzlich unfähig, sagt die 15-Jährige, daher hätten zwei Freundinnen für sie zu Schere und Farbe gegriffen.

Ob es sich dabei tatsächlich um eine Verkleidung handelt, wollen wir von Fabian Gherasimwissen, der sich in seinem Kilt und dem feinen Zwirn abhebt. Er sei ursprünglich Russe, habe aber in Nordirland gelebt, erklärt er lachend: Schottland sei ihm deshalb nahe.

Aber seine eigentliche Verkleidung ist subtiler: Er, der seit acht Jahren in Langenthal lebt, hat sich akribisch auf die Fasnacht vorbereitet und sich während sechs Monaten den Bart wachsen lassen. So, dass er am Samstag als Holzfäller verkleidet unterwegs sein konnte.

Sein grosser Bruder Yuri wünschte sich ein Kostüm angelehnt an seine Lieblingsfernsehserie «Paw Patrol». Also setzte sich Priska Grütter an die Nähmaschine, um auch für den eineinhalbjährigen Sohn Valentin Grütter ein heldenhaftes Hundekostüm zu kreieren. Vier, fünf Stunden habe sie investiert, rechnet die Zirkusdirektorin und Langenthaler First Lady nach.

Fast das Dreifache an Zeit haben Janine Richiger, Tamar Baumann und Chantal Neuhausaufgebracht, um sich für die Fasnacht einzukleiden: Die drei Lehrerinnen im Hard präsentieren sich stolz als brennende Geburtstagskerzen für die Langenthaler Fasnachtsgesellschaft – da fehlt noch nicht mal der Kuchen.

Den Soloauftritt geniessen die drei Frauen, die im Zweijahrestakt mit ihren Schülerinnen und Schülern am Umzug teilnehmen. «Wed gnue trinksch, gsehsch üs 66 Mal.»

Perfekt auf das wechselhafte Wetter eingestimmt ist heuer Daniel Mustone,stellen wir uns vor. Bloss, um dann zu erfahren, dass der Langenthaler seit fünf Jahren als Fischer an die Fasnacht geht. Daher ziert er sich auch etwas, sich dergestalt fotografieren zu lassen. Denn früher, erklärt er, habe sein Kostüm deutlich mehr hergemacht: Als seine Fischrute noch im Einsatz war. Sie hat allerdings nicht manche fünfte Jahreszeit überlebt und musste daher schon bald entsorgt werden.

cd/khl/bey

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