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«Dies stellt unser Konzept infrage»

Im Sommer ist die Neue Schule für Gestaltung in Langenthal Geschichte. Ein Gespräch mit der Schulleitung zeigt: Die Schliessung ist ein wohlüberlegter und radikaler Schritt.

Die Gründe für die Schliessung sind komplex, haben Schulleiter Peter Amsler (l.) und Stellvertreter Christoph Hauri festgestellt.
Die Gründe für die Schliessung sind komplex, haben Schulleiter Peter Amsler (l.) und Stellvertreter Christoph Hauri festgestellt.
Nicole Philipp
Im Juni wird hier der Betrieb eingestellt.
Im Juni wird hier der Betrieb eingestellt.
bz
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Ende Juni schliesst die Neue Schule für Gestaltung Langenthal (NSGL) nach sechzehn Jahren ihren Betrieb. Die Gründe hierfür sind komplex. Die Anmeldezahlen sind in den letzten zwei Jahren deutlich eingebrochen, während sie vorher stabil waren. «Die geburtenschwachen Jahrgänge sind also nur ein Grund von vielen», sagt Gründer und Schulleiter Peter Amsler. Er nennt soziokulturelle Veränderungen bei den Jugendlichen und Eltern sowie grosse Umstrukturierungen im gestalterischen Bildungswesen.

Amsler holt aus: «Wir stellen zunehmend fest, dass das Argument der anerkannt hohen Qualität unserer Schule gegen den vermeintlichen Nachteil des längeren Schulwegs den Kürzeren zieht. Oder dass unser hochsolides Aufnahmeverfahren mit einem ausführlichen Informationsgespräch und einem zweitägigen Einführungskurs mit Aufnahmeprüfung schlicht verliert gegen die Angebote der Konkurrenz, wo man sich in fünf Minuten via Onlineformular einfach anmelden kann.»

«Das war uns zu riskant»

Die gestalterische Ausbildung an den Fachhochschulen sei zu einem Geschäftsmodell verkommen, weil diese nach Anzahl Studierenden subventioniert würden und dadurch deren Interesse hoch sei, möglichst viele davon zu bekommen. Immer mehr Jugendliche kommen also auch ohne Vorkurs ins Studium, etwa mit Ausnahmeregelungen.

«Dieser Wandel stellt unser Konzept zunehmend infrage. Und verändern, also durchlässiger und oberflächlicher machen, wollen wir es nicht», so Peter Amslers Fazit. «Wir hätten durch nochmaliges Verkleinern vielleicht noch ein Jahr oder zwei anhängen können. Aber das hätte unseren hohen qualitativen Ansprüchen nicht mehr genügt und war uns zu riskant.» Darum hätten sie sich bewusst für eine radikale Lösung in Form einer geordneten Schliessung entschieden.

Das Kerngeschäft der NSGL ist der sogenannte Vorkurs, auf Maturastufe auch Propädeutikum genannt. In der Ausbildung ist der Vorkurs die klassische Ausbildungsstufe für gestalterische Berufe wie zum Beispiel Grafikdesign, Keramik, Illustration. Der Vorkurs ist eine Entwicklung aus der Bauhaus-Bewegung der 1920er-Jahre. Er vermittelt Jugendlichen die Grundlagen für gestalterische Berufslehren und ist eine Vorbereitung auf ein Studium an einer Hochschule für Gestaltung und Kunst.

Schulleiter Peter Amsler: «Die Absolvierenden schulen ihr Auge im Naturstudium, bekommen ein Gefühl für Farben, Formen, Materialien, Werkzeuge, Medien und so weiter. Sie lernen prozesshaft zu arbeiten und entwickeln ein vertieftes gestalterisches Bewusstsein.»

Künstler und Hausmann

Die NSGL hat in der Deutschschweiz einen guten Ruf. Die kleine Schule geniesst grosses Vertrauen und ist unter anderem bekannt für die individuelle Betreuung der Schülerschaft. Die erfolgreiche Begleitung in eine Berufslehre oder in ein Studium ist überdurchschnittlich hoch, in manchen Jahrgängen bis zu 90 Prozent. Christoph Hauri, seit 2016 stellvertretender Schulleiter, nennt eine weitere typische Eigenschaft der NSGL: «Die Motivation ist bei unseren Schülerinnen und Schülern durch unser Aufnahmeverfahren vom ersten Schultag an voll da.» Erst so werde das Initiieren und das Begleiten von gestalterischen Prozessen im Unterricht optimal möglich und ein individuelles Mentoring erfolgreich.

Und was machen die beiden Schulleiter jetzt? Christoph Hauri hat darauf noch keine Antwort. Der Bildhauer Peter Amsler wird Künstler und Hausmann.

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