Die Grünen ziehen in die Exekutive ein

Langenthal

Rot-Grün geht als klare Siegerin aus der Wahl der Exekutive hervor. Dennoch bleiben die Bürgerlichen mit vier Sitzen in der Mehrheit: Daniel Rüegger (EVP) hat die Wiederwahl nicht geschafft.

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Kathrin Holzer

Für Daniel Rüegger war der Wahltag am Sonntag kein guter. Vor vier Jahren in die Exekutive eingezogen und diesmal als einer von nur drei Bisherigen am Start, hat es dem EVP-Politiker nicht gereicht zur Wiederwahl. Zwar hat er mit 901 Stimmen ein gutes Resultat erzielt; 2012 hatten ihm schon 496 Stimmen zur Wahl gereicht.

Insgesamt aber hat die EVP trotz fast unverändertem Wähleranteil am Sonntag nicht genügend Wählerinnen und Wähler abholen können. Nur 591 Punkte erreichte mit dem zweitbesten Resultat der EVP-Parteipräsident und Stadtrat Daniel Steiner. Rot-Grün habe im Zusammenhang mit den Stapi-Wahlen mobilisieren können, analysierte dieser.

Die für Gemeinderatswahlen hohe Stimmbeteiligung habe sich offenbar negativ ausgewirkt aufs Resultat der EVP. Diese ist damit fortan nicht mehr vertreten in der Stadtregierung.

Verzichtet Rüegger nun ganz?

Er hätte all die Geschäfte, die er in den vergangenen Jahren als Ressortverantwortlicher Kultur und Sport aufgegleist gehabt habe, doch gerne zu Ende gebracht, sagte Rüegger am Sonntag. Auch sei er der Meinung, dass die EVP-Liste mit vier amtierenden Stadträten das Vertrauen der Bevölkerung verdient gehabt hätte.

Enttäuscht: Daniel Rüegger (EVP) wurde nach vier Jahren in der Exekutive abgewählt. Video: Martin Bürki

Der Wähler habe nun aber gesprochen, das gelte es zu akzeptieren. «Weh tuts trotzdem», machte Rüegger keinen Hehl aus seiner grossen Enttäuschung. Ob er nach seiner Abwahl aus dem Gemeinderat wieder im Parlament mitwirken wird, liess er noch offen. «Ich werde das Resultat erst einmal überschlafen und dann entscheiden.»

Die Linke zieht davon

Zu trüben vermochte Rüeggers Abwahl auch die Freude der eigentlichen Wahlsieger: SP und Grüne haben ihren Wähleranteil mit fast 36 Prozent erneut steigern und sich damit einen dritten Sitz sichern können in der Exekutive.

Neben dem bisherigen SP-Gemeinderat Pierre Masson, der mit mehr als 2000 Stimmen das beste Resultat aller Kandidierenden überhaupt erzielte, wurden auch dessen Partei­kollege und Stadtratspräsident Bernhard Marti sowie Grüne-Präsident und Stadtrat Matthias Wüth­rich gewählt.

Mit Rüegger gehe dem Gemeinderat eine wichtige Stimme verloren, sagte Masson. Dass damit auch die Machtverhältnisse unverändert bleiben im weiterhin bürgerlich dominierten Gemeinderat, sei indes nicht so schlimm. Die 3:4-Konstellation sei nie stark zum Tragen gekommen. Mehr Gewicht habe da sicher die Person des Stadtpräsidenten, verwies er auf den weiterhin ausstehenden Entscheid bei der Präsidiumswahl.

Marti oder Witschi?

Noch zurückhaltend gab sich angesichts des zweiten Wahlgangs der neu gewählte Bernhard Marti: Er freue sich über sein Resultat, werde seinen Platz in der ­Exekutive im Falle von Müllers Wahl aber gerne freigeben, erklärte er. Denn wie der ebenfalls neu gewählte Michael Witschi (FDP) muss auch Marti erst die Stapiwahl abwarten, bis klar ist, ob er tatsächlich in den Gemeinderat einzieht oder nicht.

Hat sein Platz im Gemeinderat noch nicht auf sicher: Bernhard Marti (SP). Video: Martin Bürki

Bereits sicher ist indes die Wahl von Matthias Wüthrich, mit dem erstmals überhaupt ein Grüner Einsitz nimmt im Langenthaler Gemeinderat. «Ich habe gehofft, dass die Grünen zulegen können», verwies der 35-Jährige auf einen Wahlkampf, in dem die Grünen bewusst nicht zu radikale Ansichten vertreten hätten und somit für jeden wählbar gewesen seien. Dennoch habe ihn seine Wahl in die Exekutive überrascht.

Der neugewählte Gemeinderat Matthias Wüthrich (Grüne) im Interview. Video: Martin Bürki

Eine einzige Frau

«Die SP und die Grünen haben die Wahlen klar gewonnen», gestand FDP-Präsident Diego Clavadetscher ein. Mit zwei Sitzen im Gemeinderat (und gemeinsam mit den JLL elf im Stadtrat) hätten die Liberalen ihr Ziel aber erreicht. Während Michael Witschi wie erwähnt noch zittern muss, wurde der erst in diesem Jahr nachgerutschte Markus Gfeller als Gemeinderat klar bestätigt. Auch die Liberalen haben ihren Wähleranteil gegenüber 2012 noch steigern können.

An Wähleranteil eingebüsst hat indes die SVP. Trotzdem bleibt sie weiterhin mit zwei Mandaten – und der einzigen Frau – im Gemeinderat vertreten: Gewählt wurden die Stadträte Roberto Di Nino und Helena Morgenthaler. «Wir freuen uns», verwies Fraktionspräsident Di Nino auf die «schwierige Ausgangslage», die die SVP gehabt habe.

Tatsächlich hatte sie heuer keinen Bisherigen aufstellen können. Gleichzeitig habe die SVP die Kandidatur von FDP-Mann Stefan Costa zwar unterstützt, ohne eigenen Stapi-Kandidaten aber weniger Interesse auf sich ziehen können als die FDP und die SP.

SP/GL und Gewerkschaften

Gewählt: Pierre Masson (bisher, 2046 Stimmen), Bernhard Marti (neu, 1507)*, Matthias Wüthrich (neu, 1336). Nicht gewählt: Martina Moser (1272), Samuel Köhli (1268), Barbara Graf Baumgartner (1243), Roland Loser (1166).

SVP

Gewählt: Roberto Di Nino (neu, 1234), Helena Morgenthaler (neu, 1230). Nicht gewählt: Michael Schenk (969), Janosch Fankhauser (828), Lars Schlapbach (823), Corinna Grossenbacher-Conrad (787), Olivier Grossenbacher (699).

FDP/JLL Frauen

Nicht gewählt: Stefanie Barben-Kohler (506), Simone Richner (381), Beatrice Lüthi (379), Franziska Zaugg-Streuli (308), Maya Zimmerli-Maurer (250), Sibylle Morgenthaler-Braun (248), Ursula Cassani-Locher (230).

FDP/JLL

Männer Gewählt: Markus Gfeller (bisher, 1348), Michael Witschi (neu, 816)*. Nicht gewählt: Michael Schär, (731), Lukas Bissegger (683), Pascal Dietrich (603), Urs Zurlinden (597), Kurt Wyss (489).

EVP

Nicht gewählt: Daniel Rüegger (bisher, 901), Daniel Steiner-Brütsch (591), Rahel Lanz (427), Anita Steiner-Thaler (389), Ruth Trachsel (360), Peter Marmet (306), Robert Hugentobler (270).

* Müssen je nach Ausgang der Stapiwahl ihren Sitz wieder freigeben.

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