Die Bürger sollen mitreden können

Niederbipp

Bei ihrem Amtsantritt hat Neo-Gemeindepräsidentin Sibylle Schönmann Neuland betreten. Sie will Transparenz und offene Kommunikation in der Gemeinde fördern.

Sie liebt Herausforderungen: «Ich habe immer Lust auf Neues», sagt Sibylle Schönmann.

Sie liebt Herausforderungen: «Ich habe immer Lust auf Neues», sagt Sibylle Schönmann.

(Bild: Olaf Nörrenberg)

Als erste Frau hält Sibylle Schönmann (SVP) seit Januar Einsitz an der Spitze des Niederbipper Gemeinderats. Und das – mit Ausnahme ihrer 12-jährigen Tätigkeit in der Sozialkommission Niederbipp – ohne grosse Erfahrung in Sachen Politik zu haben. «Es schadet nichts, dieses Amt mit einem unverblendeten Blick auszuführen», sagt sie.

Von der Schule zu Betty Bossi

Dass sich die 47-Jährige nach ihrer Wahl zur Gemeindepräsidentin nun mit Begeisterung in die neue Herausforderung stürzt, scheint ihrem Naturell zu entsprechen. «Ich habe grundsätzlich immer Lust auf Neues», sagt Sibylle Schönmann.

So wechselte die gelernte Haushaltungslehrerin 2003 nach 13 Jahren Unterricht an der Oberstufe Niederbipp ins Kinderheim Schoren, wo sie als Erzieherin und Leiterin des Kinderheimhaushalts tätig war. Ab 2006 arbeitete sie 8 Jahre lang bei Betty Bossi, zuerst in der Buchredaktion, anschliessend im Bereich Produktentwicklung.

Die Zeit in der Privatwirtschaft habe ihr sehr gutgetan, blickt Schönmann zurück. «Dort lernte ich, hinzustehen und wenn nötig die Ellenbogen auszufahren.» Letzten Sommer hat sie das ­Studium zur diplomierten Berufsfachschullehrerin Allgemeinbildung abgeschlossen und unterrichtet derzeit an der Berufsfachschule Langenthal.

Während dieser Jahre hätten sie und ihr Mann Martin sich stets gegenseitig unterstützt, so die Niederbipperin. Dies sei notwendig gewesen, da sie bereits mit 17 Jahren Mutter wurde. In der jungen Familie herrschte keine strikte Rollenverteilung.

«Alle übernahmen ihren Anteil und waren füreinander da. Unser Sohn ist das Beste, das mir je ­passiert ist», sagt Sibylle Schönmann. Ihr Mann habe sie stets in ihren Unternehmungen bestärkt und ihr den Rücken freigehalten. «Ohne ihn wäre ich heute nicht dort, wo ich bin.»

Neutral und sachlich bleiben

Wie denkt die neue Niederbipper Gemeindepräsidentin zum Fusionsprojekt Oberaargau Nord? Seit ihrem Amtsantritt ist sie Mitglied im Projektausschuss ­sowie in der interkommunalen Arbeitsgruppe.

Sie wolle unvoreingenommen auf das Grossprojekt blicken, so die gebürtige Niederbipperin. Allerdings stösst sie als Aussenstehende zu einer Gruppe, die das Projekt Fusion in den vergangenen 20 Monaten begleitet und erarbeitet hat. «Das spürt man. Es ist ihr Baby geworden, von dem sie überzeugt sind.» Trotz dieser Ausgangslage wolle sie aber nicht einfach unhinterfragt für die Fusion weibeln.

Ihr sei bewusst, dass Niederbipp bei der Abstimmung im September das Zünglein an der Waage sein werde. Stimmt das Dorf gegen den Zusammenschluss, könnte die fusionierte Gemeinde die in der Abstimmungsvorlage festgelegte Mindestanzahl von 11 000 Einwohnern nicht erfüllen.

«Ich fühle mich jedoch gegenüber den Bürgern dazu verpflichtet, neutral und sachlich zu bleiben und Fakten auf den Tisch zu legen.» An einer Klausur im April will der Gemeinderat deshalb einen Katalog mit Chancen und Risiken einer möglichen Fusion erarbeiten. Dieser soll den Niederbipperinnen und Niederbippern an der nächsten Gemeindeversammlung präsentiert werden.

Die Basis muss stimmen

Der Gemeinderat beschäftige sich bereits längere Zeit mit der Fusion und positioniere sich ­diesem gegenüber grundsätzlich positiv, sagt Sibylle Schönmann. Es werde jedoch kein einfaches Unterfangen sein, in Niederbipp eine Mehrheit zu bilden. Dies einerseits, weil der Leidensdruck für die Gemeinde derzeit noch recht klein sei. Ausserdem muss die Gemeinde mit einer Erhöhung der Steuern und Gebühren rechnen. «Das wird sicher ein Knackpunkt. Wenn es ums Portemonnaie geht, ist es immer schwierig», so Schönmann.

Eine bedeutende Chance sieht sie in der Stärkung der Region. «Als Randregion werden wir oft nicht wahrgenommen.» Bloss mit einer Fusion könne dies jedoch nicht verändert werden, sagt die Gemeindepräsidentin. «Wir müssen zusammenstehen und Gas geben.»

Sibylle Schönmann ist aber überzeugt, dass eine überregionale Zusammenarbeit nur funktioniert, wenn die Basis stimmt. «Mir sind eine offene Kommunikation und Transparenz sehr wichtig», sagt sie. Dies sei in der Vergangenheit etwas vernachlässigt worden. «Ich fühlte mich teilweise schlecht informiert.»

Nicht zuerst mit Firmen reden

Zudem sollen die Bürgerinnen und Bürger mitreden, wenn es um einschneidende Entwicklungen der Gemeinde geht. Denn ­Sibylle Schönmann weiss: «Unser Dorf wird sich verändern. Und die Bevölkerung hat das Recht, einen Teil dieser Veränderungen mitzubestimmen.»

«Unser Dorf wird sich verändern.»Sibylle Schönmann

In Niederbipp liege das grösste zusammenhängende und noch unbebaute Gebiet im gesamten Kanton Bern. 14,5 Hektaren Landwirtschaftsland könnten noch ein­gezont werden. Es sei wichtig, die Bürger zu fragen, ob sie überhaupt wollen, dass das Industriegebiet weiter wächst, so die ­Gemeindepräsidentin.

Der richtige Weg sei nicht, zuerst mit den Unternehmen und Investoren zu diskutieren und erst danach damit vors Volk zu gehen. «Es wäre schade für den grossen Aufwand, wenn Projekte deshalb an der ­Gemeindeversammlung niedergeschmettert würden», sagt sie.

Bezüglich der Entwicklung in den Bereichen Verkehrsricht­planung-Gesamtverkehrskonzept und Industrie plant der Gemeinderat, eine Informationsveranstaltung und ein Mitwirkungsverfahren durchzuführen. «Ich bin für Fortschritt und habe Visionen. Aber ich bin auch überzeugt, dass wir das langsam angehen müssen», sagt Schönmann.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt