Aarwangen

Der Traum vom eigenen Schloss

AarwangenDer Kanton hat das Schloss Aarwangen zum Verkauf ausgeschrieben – an eine gemeinnützige Trägerschaft. Darauf baut die Vision des hiesigen Vereins: Ein Zentrum für Wirtschaft, Kultur und Geschichte.

Die Initianten (v.l.): Simon Kuert, Kurt Bläuenstein, Peter Regenass und Marcel Cavin in Gesellschaft von Madame Willading.

Die Initianten (v.l.): Simon Kuert, Kurt Bläuenstein, Peter Regenass und Marcel Cavin in Gesellschaft von Madame Willading. Bild: PD

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Seit sechs Jahren steht der Sitz der einstigen Landvogtei leer. Nach dem Auszug des Amtsgerichts wurden zig Ideen gewälzt, um das historische Baudenkmal in Aarwangen wieder mit Leben zu füllen – und auch wieder verworfen. Nun liegt ein umfassendes Konzept vor, um das Schloss aus dem 13. Jahrhundert für den Oberaargau zu erhalten und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Und der Kanton geht einen entscheidenden Schritt in Richtung Wiederbelebung: Er hat die Liegenschaft in einem offenen Verfahren zum Kauf ausgeschrieben. «Neben dem gebotenen Kaufpreis wird auch der zukünftigen Nutzung grosse Bedeutung beigemessen», heisst es in der Ausschreibung. Wobei dem Preis weniger Gewicht zufällt als der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzung.

Ein dreiteiliges Konzept, einen Businessplan für die nächsten fünf und ein Investitionskonzept auf zehn Jahre hinaus, kostenlosen Zugang zum historischen Zimmer und die Offenlegung aller Partner einer Bietergemeinschaft verlangt der Kanton unter anderem von Kaufinteressenten. Eingebunden werden müssen sowohl die Vorstellungen der Gemeinde wie auch jene der Denkmalpflege, zudem soll die Nutzung einen «positiven Beitrag zur Standortqualität leisten». Voraussetzung ist vorab ein ideeller oder gemeinnütziger Hintergrund.

Zu verkaufen: Das historische Bauwerk aus dem 13. Jahrhundert sucht neue Besitzer. Foto: Marcel Bieri

Industrie und ihre Geschichte

Das ist Wasser auf die Mühlen des Fördervereins Schloss Aarwangen, gegründet vor einem Jahr. Unternehmer Peter Regenass, Langenthals Stadthistoriker Simon Kuert und Aarwangens Gemeindepräsident Kurt Bläuenstein verfolgen das Ziel, die Tore des Herrschaftssitzes wieder weit zu öffnen. Angeführt werden sie durch den früheren Aarwanger Gerichts- und Gemeindepräsidenten sowie Oberrichter Marcel Cavin.

Der Tradition des ehrwürdigen Gemäuers gerecht werden und ihm gleichzeitig neue Bedeutung geben: Darauf fusst die Vision der potenziellen Eigentümerschaft. Als Zentrum für Oberaargauer Wirtschaft, Kultur und Geschichte soll es einerseits die Industrialisierung in der Region erlebbar machen und andererseits Zeugnis darüber ablegen, wie sich die hiesigen Unternehmen heute im Weltmarkt behaupten.

Firmengeschichten von Porzellanfabrik, Gugelmann, Ruckstuhl und Ammann sowie Exponate wie mechanische Rechnungsmaschinen aus der Sammlung von Motorex-Chef Peter Regenass finden damit mit multimedialen Elementen unter einem Dach zusammen. Ein Forum und Wechselausstellungen sind ergänzend angedacht. Am Zentrum beteiligte Firmen sollen die Räume auch für Seminare oder den Empfang von Gästen nutzen können.

Als Hausherrin lassen Cavin und Co. Landvögtin Madame Willading auferstehen, die Besucherinnen und Besucher empfängt und ihnen aus der wechselvollen Geschichte des Schlosses erzählt. Im Erdgeschoss ist nebst Empfang, Shop und Cafeteria mit Terrasse ein Bed and Breakfast angedacht.

Das Dachgeschoss und das Schlossgelände eignen sich als Raum für Familien und Kinder. Auch Lesungen und Konzerte wären unter dem Dach möglich. Ebenso Führungen und Workshops im «Bildungsschloss» in Zusammenarbeit mit dem Bildungszentrum Oberaargau. Und: Aarwangen soll ein eigenes kleines Dorfmuseum erhalten.

Eine Kampfansage

Raum für die unterschiedlichen Nutzungen ist ausreichend vorhanden. Die Anlage erstreckt sich an der Aare auf über 7000 Quadratmetern, das Schloss allein fasst 12'000 Kubikmeter. 1964 wurde das eingeschossige Gefangenenwärterhaus gebaut. Der amtliche Wert für die Liegenschaft liegt bei 1,8 Millionen Franken. Jüngst wurde die Ölheizung durch eine Pelletheizung ersetzt, und das Turmdach wird saniert. Was noch fehlt, ist eine Liftanlage, an der sich der Kanton mit höchstens 550'000 Franken beteiligen will.

«Schloss Aarwangen darf nicht in fremde Hände gelangen.»Die Förderverein

Für die Initianten um Cavin steht eines fest: «Schloss Aarwangen darf nicht in fremde Hände gelangen.» So kämpferisch ihr Slogan klingt, so überzeugt stehen sie hinter ihrem Konzept. 8,7 Millionen Franken sieht das Projektbudget vor, wobei bereits über 1 Million Franken verbindlich zugesagt sind.

Mindestens 25 Oberaargauer Firmen sollen als Schirmherren auftreten und während fünf Jahren «einen namhaften Beitrag» einbringen. Beteiligen können sich auch Private, entweder als Mitglieder des Fördervereins oder als Freund/Freundin des Schlosses mit einem jährlichen Beitrag. Eine Stiftung als Trägerschaft und potenzielle Eigentümerin des Schlosses wird in diesen Tagen gegründet.

Um an den Details zu feilen, bleibt noch ausreichend Zeit: Angebote müssen bis 7. Januar 2019 beim kantonalen Amt für Gebäude und Grundstücke eingereicht werden. (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 08.11.2018, 16:57 Uhr

Die Lage sicherte Macht

Kyburgische Ministerialadlige liessen die Anlage an der Aare im 13. Jahrhundert bauen: um den Flussübergang zu sichern. Die Herren von Aarwangen gehörten bis ins 14. Jahrhundert zu den mächtigsten im Oberaargau und am kyburgischen Hof in Burgdorf, so steht es in der Ausschreibung. 1432 kaufte Bern Schloss und Herrschaft Aarwangen. Seit 1575 diente das altehrwürdige Gemäuer der bernischen Verwaltung. (cd)

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