Oberaargau

Der Sommer lockt die Brautleute

OberaargauHeiraten ist beliebt, vor allem in ländlichen Gebieten. Das zeigen die Zahlen des Zivilstandsdienstes. Der Mythos herrscht vor, dass Daten mit Schnapszahlen für Trauungen beliebt sind.

Den Bund fürs Leben haben 2017 im Oberaargau 329 Paare geschlossen.

Den Bund fürs Leben haben 2017 im Oberaargau 329 Paare geschlossen. Bild: Christian Beutler

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Die Hochzeitsbranche floriert, so viel steht fest. Täglich flimmern Serien über den Kauf des perfekten Hochzeitskleides oder über die beste und die schlechteste Hochzeitsfeier von vier Paaren – wobei es dabei vor allem um die Damen geht – über den Bildschirm. Und nun, im Sommer, sind auch im Oberaargau an den Wochenenden Herzballone an Kreuzungen und schnittige Oldtimer mit Blumenbouquets auszumachen.

Dass sich in der heutigen Zeit viele Paare entscheiden, den Bund fürs Leben zu schliessen, bestätigen die Zahlen des Zivilstands- und Bürgerrechtsdienstes des Kanton Berns. So wurden im Oberaargau letztes Jahr 329 Ehen geschlossen, 27 mehr als noch 2016. Damit stieg die Anzahl Vermählungen in der hiesigen Region im kantonalen Vergleich am stärksten an. Beliebt für zivile Trauungen ist das Schloss Thunstetten. Von Mai bis Oktober ­werden dort jeweils an sieben Freitagen Vermählungen durchgeführt. Der 10. August und der 7. September sind bereits ausgebucht.

Im Emmental wurden im vergangenen Jahr 398 zivile Trauungen durchgeführt, 21 weniger als noch 2016. Im ganzen Kanton Bern ging die Zahl der standesamtlichen Eheschliessungen nur ganz leicht zurück, von 4469 auf 4463. Jedoch erfasst der kantonale Zivilstands- und Bürgerrechtsdienst nur jene Hochzeiten, die tatsächlich auf Berner Boden geschlossen werden. Wenn also Bernerinnen und Berner in einem anderen Kanton vor den «Ziviler» treten, wird das beim Dienst nicht erfasst, wie Abteilungsleiter Hans Rudolf Egli erklärt.

Kein Trend feststellbar

Gemeinhin herrscht der Glaube, dass Schnapszahlen für Vermählungen äusserst beliebt sind, insbesondere für kirchliche Trauungen an Samstagen. Heuer wäre das am 3. März, 5. Mai, 7. Juli der Fall gewesen. Doch eine Umfrage bei hiesigen Kirchgemeinden zeigt, dass an dieser Legende im Oberaargau nicht viel dran ist. «Schnapszahlen haben bei uns keinen Einfluss», sagt etwa Urs Hallauer, Verwalter der Kirch­gemeinde Langenthal, auf Anfrage. Im Gegenteil sogar – am letzten Samstag, 7. 7., wurde in Langenthal keine kirchliche Trauung durchgeführt.

Der Tag spielt keine Rolle

«Die Schnapszahlen lösen wohl eher bei den Zivilstandsämtern einen Ansturm aus», sagt Sabine Müller Jahn, Pfarrerin in Langenthal. Ob das damit zusammenhänge, dass kirchliche Trauungen nur am Samstag durch­geführt werden könnten? Die Pastorin verneint. «In der reformierten Kirche können auch an einem normalen Wochentag oder während eines Sonntagsgottesdienstes Vermählungen durchgeführt werden.» Bei der kirchlichen Trauung gehe es darum, den Brautleuten den göttlichen Segen zu erteilen und für das Paar zu ­beten. «Das ist nicht tagesab­hängig», so Sabine Müller Jahn. Oftmals würden Trauungen schlichtweg aus praktischen Gründen und des Festes wegen auf einen Samstag gelegt.

Weniger in der Kirche

Christian Gygax, Präsident der Kirchgemeinde Oberbipp, macht im Bipperamt die Beobachtung, dass immer mehr Paare ganz auf eine kirchliche Trauung verzichten. Und auch er kann keinen Zusammenhang zwischen besonderen Daten und einer erhöhten Zahl von Hochzeiten feststellen.

Wenn also am Samstag, 6. 6. 2020, viele Herzballone und schnittige Oldtimer mit Blumenbouquets in der Region beobachtet werden, dürfte das reiner ­Zufall sein. (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 11.07.2018, 06:08 Uhr

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