Der Platz macht Probleme

Niederbipp

Der Bahnhof in Niederbipp soll nächstes Jahr an das Behindertengleichstellungsgesetz angepasst werden. Wegen der engen Platzverhältnisse werden aber Kompromisse nötig.

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Béatrice Beyeler

Längst ist Niederbipp viel mehr als ein Autodorf an der A1. Der Bahnhof hat sich in den letzten Jahren zu einer Drehscheibe des Verkehrs gemausert: Täglich wird er von rund 700 Pendlerinnen und Pendlern genutzt. Befahren wird die Station einerseits von den SBB-Regionalzügen auf der Linie Olten–Solothurn–Biel, die am Mittelperron haltmachen.

Andererseits betreibt die Aare Seeland mobil (ASM) AG die Geleise 11 und 22 auf der Strecke Langenthal–Oensingen–Solothurn. Diese Haltestelle ist vom Bahnhofplatz erreichbar. Nach den Umbauarbeiten, die 2012 mit der Streckenverlängerung des «Bipperlisi» einhergegangen sind, stehen dem Bahnhof nun weitere bedeutende Bauarbeiten bevor – diesmal aufseiten der Bundesbahnen.

Bis ins Jahr 2023 muss in allen Bahnhöfen nach dem Behindertengleichstellungsgesetz ein hindernisfreier Zugang zu den Zügen möglich sein. In Niederbipp ist das heute nicht der Fall: Die Einstiegskanten sind 25 respektive 35 Zentimeter über der Schienenoberkante gebaut. Das Perron bei den Regionalzügen muss auf 55 Zentimeter erhöht werden. Zudem soll es um 10 Meter verlängert und asphaltiert werden.

Schier unmöglich

Das Mittelperron in einem Rollstuhl oder mit einem Kinderwagen zu erreichen, stellt heute eine grosse Herausforderung dar. Ein Fahrstuhl oder eine Rampe? Fehlanzeige. Das soll sich im kommenden Jahr ändern; im Januar 2020 wollen die SBB mit den Baumaschinen auffahren. Aktuell läuft das Plangenehmigungsverfahren, die Unterlagen sind auf der Gemeindeverwaltung Niederbipp einsehbar.

Während das Mittelperron erhöht und verlängert wird, sind zwei Fahrstühle sowie eine Rampe geplant. Die Personenunterführung aus dem Jahre 1955 befinde sich äusserlich in einem guten Zustand und solle daher erhalten werden, heisst es in den Unterlagen.

Einen Knackpunkt stellen dabei die engen Platzverhältnisse um und innerhalb des Bahnhofs dar: Um beim Hauptzugang einen Aufzug einzubauen, kann die Treppe von aktuell 1,80 Meter auf eine Breite von maximal 2 Meter ausgebaut werden. Gemäss Eisenbahnverordnung haben Treppen und Unterführungen mit örtlicher Erschliessungsfunktion aber mindestens 2,75 Meter breit zu sein – einzig in begründeten Ausnahmefällen sind 2 Meter erlaubt.

Auch beim Mittelperron soll ein Lift den Zugang zu den Geleisen ermöglichen. Aus Platzgründen bleibt die Breite der Treppen da auf 2 Meter, der südliche Treppenzugang wird zugunsten des Lifts komplett abgebrochen. Sowohl wegen des Hauptzugangs als auch wegen der Treppe zu den Geleisen 3 und 4 ersuchen die SBB daher um eine Ausnahmebewilligung.

Besitz der ASM

Beim Hauptzugang begründen die Bundesbahnen den Antrag auch mit den Besitzverhältnissen: Der Vorplatz und die Treppe gehören nicht den SBB, sondern der ASM. Diese nehme, wenn der Lift erstellt wird, bereits engere Platzverhältnisse in Kauf. Eine weitere Reduktion lehnte die ASM hingegen ab, wie in den Projektunterlagen zu lesen ist.

Um trotzdem Platz für einen Fahrstuhl schaffen zu können, soll die bestehende Schieberampe für Velos ersatzlos abgebrochen werden. Auch die Wand der Unterführung wird im Bereich der alten Rampe rückgebaut. Vom Schlüsselmattweg her wird der Zugang mit einer Rampe ermöglicht. Diese soll 2,75 Meter breit sein und überdacht werden.

Nicht bedient

Das Bahnunternehmen geht von einer Bauzeit von fünf bis sechs Monaten aus. In dieser Zeit werden die SBB-Geleise am Bahnhof nicht bedient. Der öffentliche Verkehr werde mit Ersatzbussen aufrechterhalten, schreibt der Konzern. Abgesehen von Nachtsperrungen von maximal vier Stunden muss die Linie aber befahrbar bleiben.

Daher streben die Bundesbahnen eine konzentrierte Bauweise an: In Betrieb genommen wird der umgebaute Bahnhof bereits im Juni 2020, der Abschluss des Projekts ist für März 2021 geplant. Aktuell rechnen die SBB für den gesamten Umbau mit Kosten von 6,7 Millionen Franken.

Berner Zeitung

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