Zum Hauptinhalt springen

Der beste Müll ist jener, der gar nicht erst anfällt

Abfall ist ein heiss diskutiertes Thema. Kantonal wissen wenige mehr darüber als AWA-Leiter Jacques Ganguin. In einem Referat sagt er, warum wir so viel wegwerfen und weshalb er vom Kunststofftrennen wenig hält.

Jacques Ganguin, Vorsteher des Amtes für Wasser und Abfall (Archivbild)
Jacques Ganguin, Vorsteher des Amtes für Wasser und Abfall (Archivbild)

Müll, Müll, Müll. Das Thema ist auf der politischen Bühne omnipräsent. Meinungen gibt es viele, Fakt aber ist: In der Schweiz fallen pro Jahr circa 24 Millionen Tonnen Abfall an. Im Kanton Bern sind es knapp 400'000 Tonnen brennbarer Müll jährlich.

Einer, der in diesem Zahlendschungel den Überblick behält, ist Jacques Ganguin, Vorsteher vom kantonalen Amt für Wasser und Abfall (AWA). Bei seinem Referat am Schlussanlass der SP60+ Oberaargau im Restaurant Bahnhof in Lotzwil nimmt er kein Blatt vor den Mund. Ja, die Schweiz produziere viel Abfall, und ja, mehr Verwerten wäre zwingend nötig. Ganguin sagt aber auch, dass er jene Statistiken kritisch lese, die die Schweiz als Abfalleuropameisterin sähen.

Grösstes Problem: Bauschutt

Hier verfüge man über äusserst genaue und ausführliche Daten, sagt Ganguin. «Diese zeigen, dass bei uns der Siedlungsabfall seit 1994 nicht zugenommen hat.» Die Zahlen seien, trotz Bevölkerungsanstieg, stabil geblieben. Dies habe auch mit verstärktem Rezyklieren zu tun. Freude hat der Vorsteher des AWA dabei am Elektroschrott, der heute kaum mehr im Allgemeinabfall landet.

Allerdings sei vielen wohl nicht bewusst, was die Mehrheit im Gesamtmüll ausmache: Bauabfälle. Schweizweit wird massiv gebaut, wobei das meiste Material nach wie vor in einer Grube landet. Die Mengen sind mit 15,5 Millionen Tonnen jährlich enorm.

Zu hoher Energiebedarf

Ganguin spricht von weggeworfenen Lebensmitteln, die es zu ­reduzieren gelte. Vom Potenzial von wiederverwerteten Rüstabfällen. Und davon, dass er kein Fan von dem derzeit stark im Trend liegenden Kunststoffsammeln sei. Schlicht deshalb, weil dieses zu viel Energie verbrauche und zu wenig Ertrag abwerfe. Und sowieso, der beste Abfall sei derjenige, der gar nicht erst anfalle, sagt Ganguin. Leichter gesagt als getan. Deshalb arbeiten er und der Kanton derzeit an einer strategischen Abfallplanung. Darin sind 25 Massnahmen definiert.

Fünf Fragen an den Kanton

Kurzfristig sieht Ganguin folgende Fragestellungen auf den Kanton Bern zukommen:

  • Wie lässt sich Bodenmaterial besser verwerten?
  • Haben wir genügend Reserven für Deponien?
  • Wie lässt sich das Rezyklieren von Baustoffen fördern?
  • Was geschieht mit belastetem Aushub (Verwertungspflicht)?
  • Wie lassen sich biogene Abfälle im Kehricht reduzieren?

Am Ende des Referats ist der Gesprächsbedarf gross. Ein Zuhörer will wissen, wie sich Anlagen wie «Brings» in Herzogenbuchsee finanzieren würden. Ein andrer, weshalb es in der Schweiz kein Dosenpfand gebe. Ganguin weist darauf hin, dass die Mühlen langsam mahlen würden. Aber auch, dass die Bevölkerung in diesem Prozess eine wichtige Rolle spiele: «Eine Amtsstube in Bern kann nicht viel bewegen ohne die Unterstützung der Leute in den Gemeinden.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch