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Dem Sorgenkind droht das Aus

Nicht nur im Käse hat es Löcher: Nach dem Rückzug von «Das Beste der Region» muss Pro Regio mit der Finanzierung des Käsemarktes über die Bücher. Der Verein ist auf die Unterstützung der Branche angewiesen.

Höhere Standpreise sind eine der Massnahmen, die mehr Geld in die Marktkasse spülen sollen.
Höhere Standpreise sind eine der Massnahmen, die mehr Geld in die Marktkasse spülen sollen.
Olaf Nörrenberg

Seit er vor dreizehn Jahren eingeführt wurde, ist er das Sorgenkind von Pro Regio Huttwil: der Käsemarkt. «Der Anlass an sich geniesst sehr gute Resonanz bei den Besuchern. Und auch Teilnehmende haben wir immer genug», sagt Walter Rohrbach, Geschäftsführer des Tourismusvereins. Was dem Verein jedoch zu schaffen macht, ist die Finanzierung des Themenmarktes, dessen Gesamtkosten über 100 000 Franken betragen.

Defizitär war der Käsemarkt schon immer. Bis zu 20 000 Franken legt Pro Regio in manchen Jahren für den Anlass drauf. «Im Gesamtkontext betrachtet ist das nicht schlimm», erklärt Rohrbach. Pro Regio sei schliesslich kein Unternehmen, sondern eine gemeinnützige Organisation. Die Hauptsache sei, dass die Gesamtrechnung Ende Jahr aufgehe.

Dies erreicht der Verein einerseits mit anderen, gut laufenden Themenmärkten wie dem Weihnachtsmarkt oder dem Historischen Handwerkermarkt. Andererseits dank der laut Rohrbach «besten Milchkuh» des Vereins, dem Häusermarketing. Die 140 Markthäuschen werden während der Adventszeit in die ganze Schweiz vermietet. «Hier generieren wir mit wenig Aufwand viel Ertrag», sagt Rohrbach.

Chäsbändel kam nicht gut an

In den vergangenen Jahren probierte Pro Regio verschiedene Möglichkeiten zur Finanzierung des Marktes aus. Nach dem Startanschub mit den Absatzfördergeldern des kantonalen Amtes für Landwirtschaft und Natur (Lanat) arbeitete Pro Regio viele Jahre mit der Regionalproduktevermarkterin «Das Beste der Region» zusammen. 2015 gab diese jedoch bekannt, dass sie ihre finanziellen Beiträge ab 2017 massiv kürzen wird.

Aus diesem Grund führte Pro Regio im letzten Jahr einen ­obligatorischen Chäsbändel für zehn Franken ein. Die Resonanz war jedoch eindeutig: «Der Besucher ist nicht bereit, Eintritt für einen Markt zu bezahlen. Kommt er mit Unmut auf den Platz, kauft er weniger, was sich schliesslich auf den Umsatz auswirkt», erklärt Walter Rohrbach. So werden die Besucher am kommenden Wochenende wie vorher einen freiwilligen Unkostenbeitrag bezahlen können.

Teure Produktionskosten

Der Rückzug von «Das Beste der Region» reisst ein Loch von 30 000 Franken in die Käsemarktkasse. Die Hälfte des Fehlbetrages übernimmt das Lanat, einen grossen Teil berappt Pro Regio selbst. «Der Rest wird aufgeteilt. Wir haben heuer die Standpreise erhöht und hoffen auf Spenden der Besucher.»

Was macht den Käsemarkt eigentlich so kostspielig? Grund seien die teuren Produktionskosten, sagt Walter Rohrbach. So benötigt Pro Regio allein für den Auf- und Abbau der Häuser und das Einrichten des Marktgeländes jedes Jahr fast 50 000 Franken. «Wir wollen den Besuchern einen angenehmen Anlass mit wenigen Stolpersteinen bieten», erklärt der Geschäftsführer, «Deshalb haben wir überall Kabelbrücken.» Etwa auf dieses Konzept zu verzichten oder das Erscheinungsbild des Käsemarktes zu verändern, kommt für die Organisatoren nicht infrage. «Die Besucher haben gewisse Erwartungen an den Anlass. Darauf müssen wir Rücksicht nehmen.»

Lanat auch weiterhin dabei

Das Lanat sei bereit, weiterhin finanzielle Unterstützung zu leisten. «Bedingung dafür ist aber, dass sich die Käsebranche an den Kosten beteiligt», erklärt Rohrbach. Die naheliegendste Institution für eine solche Beteiligung sei Switzerland Cheese Marketing. 5000 Franken würde Pro Regio für 2018 benötigen. Da das Lanat seine Unterstützung zunehmend senken will, würde ­dieser Betrag bis 2020 auf 10 000 Franken ansteigen. Über die Käse-Eventplattform Cheese Festival sucht Pro Regio nun das Gespräch mit Switzerland ­Cheese Marketing. «Die Organisation verfügt über Marketingmittel von über 40 Millionen Franken, die aber grösstenteils im Ausland eingesetzt werden», so Rohrbach.

Sollte sich bis zur Hauptversammlung am 12. Oktober keine Lösung abzeichnen, bedeutete dies Lichterlöschen für den Käsemarkt, sagt Rohrbach. Das fände er sehr schade. «Wir wollen weitermachen. Aber nur, wenn wir nicht mehr jedes Jahr so viel Kraft in die Geldmittelbeschaffung investieren müssen.» Ein Ende des Marktes würde jedoch auch bedeuten, dass der Tourismusverein das dadurch eingesparte Geld für ein anderes Projekt ausgeben könnte. «Wir würden sicher einen neuen Anlass mit anderem Konzept und tieferen Produktionskosten auf die Beine stellen», sagt Rohrbach.

Damit könnte es am kommenden Wochenende also das letzte Mal sein, dass Käseduft das Städtli durchströmt.

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