Das sind die neuen Kräfte im Gemeinderat

Langenthal

Vorbei ist die Zeit im Stadtrat: Helena Morgenthaler, Matthias Wüthrich, Michael Witschi und Roberto Di Nino ziehen in die Exekutive ein. Wie gehen sie mit dem Rollenwechsel um?

Einzug in den Glaspalast: Bauunternehmer Michael Witschi (links), Hauswirtschaftslehrerin Helena Morgenthaler und Konstrukteur Matthias Wüthrich wollen in Langenthals Exekutive für frischen Wind sorgen. Ebenso Wirtschaftsprüfer und Treuhandexperte Roberto Di Nino (fehlt), der vierte neu gewählte Gemeinderat.

Einzug in den Glaspalast: Bauunternehmer Michael Witschi (links), Hauswirtschaftslehrerin Helena Morgenthaler und Konstrukteur Matthias Wüthrich wollen in Langenthals Exekutive für frischen Wind sorgen. Ebenso Wirtschaftsprüfer und Treuhandexperte Roberto Di Nino (fehlt), der vierte neu gewählte Gemeinderat.

(Bild: Thomas Peter)

Patrick Jordi@jordipatrick

Langenthals Gemeinderat setzt sich ab Neujahr aus vier neuen und drei bisherigen Mitgliedern zusammen. Viel frischer Wind also für ein Gremium, das sich in der bevorstehenden Legislatur mit gewichtigen Projekten konfrontiert sieht.

Man denke etwa an den Entwicklungsschwerpunkt (ESP) Bahnhof, an das Eissporthallenprojekt oder an die erweiterte Schulplanung. Die vier Neuen – Michael Witschi (FDP), Matthias Wüthrich (Grüne), Helena Morgenthaler (SVP) und Roberto Di Nino (SVP) – wechseln vom Stadtrat, dem Auftraggeber und Kontrollorgan, auf die operative Ebene in den Gemeinderat. Ein Rollenwechsel, der Zeit und Kraft erfordert.

Ist damit zu rechnen, dass die Stadtverwaltung nun vorerst mal ins Stocken gerät, weil sich die neuen Gemeinderäte einarbeiten und angewöhnen müssen?«Selbstverständlich braucht es fürs Einarbeiten und Einlesen in die Geschäfte etwas Zeit», sagt Helena Morgenthaler, «aber wir verfügen in Langenthal über kompetente Amtsvorsteher, die die anstehenden Geschäfte vorantreiben wollen. Mit ihrer Unterstützung ist gewährleistet, dass es mehr oder weniger nahtlos weitergehen kann.»

Michael Witschi ergänzt: «Die bisherigen Gemeinderäte können uns ebenfalls zur Seite stehen.»

Die Akten bereits gefasst

Hinzu kommt, dass sich die Neuen bereits im zu Ende gehenden Jahr mit der Übernahme ihres Ressorts befasst haben. Dazu gehörten Treffen mit den abtre­tenden Gemeinderäten oder mit den Amtsvorstehern. Oder auch Literatur. «Man hat mir bereits einen Stoss mit Akten übergeben», sagt Michael Witschi, der künftige Vorsteher des Sozialwesens und der Altersfragen. Die Unterlagen könne er nun während der Festtage studieren, meint er schmunzelnd.

Dass mit ihnen andere Sichtweisen und ein frischer Wind in den Gemeinderat einziehen werden, darin sind sich die neuen Exekutivmitglieder einig. Das Schöne am hiesigen Politiksystem sei aber, dass eine Person allein nicht alles Bestehende auf den Kopf stellen könne, sagt Witschi.

«Wenn immer alle schön nicken, ist etwas faul.»Michael Witschi

Auch Matthias Wüthrich entwarnt: Dass vorgespurte Geschäfte komplett über den Haufen geworfen würden, etwa die erweiterte Schulplanung, damit sei nicht zu rechnen. «Der Gemeinde- wie auch der Stadtrat haben sich in dieser Hinsicht für das durchgängige Schulmodell ausgesprochen. Darauf hinzuarbeiten, das ist auch mein Ziel», sagt der neue Vorsteher des Ressorts Bildung und Jugend.

Die persönliche Note: Die ist dennoch allen wichtig. Eine solche müsse gar nicht zwingend parteigefärbt sein, sagt Wüthrich. Er spielt auf andere Einflüsse an, die künftig vielleicht spürbar werden könnten: «Es werden nun vier junge Väter im Gemeinderat sitzen. Gut möglich, dass diese Konstellation bei einer Abstimmung einmal zu einer Mehrheit führen wird.»

Reibereien erwünscht

Als Stadträte konnten sie bis anhin relativ offen ihre Meinung kundtun, auch mal auf den Tisch hauen oder anprangern. Von Gemeinderäten – dessen sind sie sich bewusst – wird hingegen ­Zurückhaltung erwartet. Gerade was die Kommunikation gegen aussen betrifft. «In der Öffentlichkeit wird vertreten, was der Gemeinderat beschlossen hat», hält Helena Morgenthaler fraglos fest.

«Ich werde nicht immer der gleichen Meinung sein wie die Mehrheit der Ratskol­legen.»Matthias Wüthrich

Damit ist auch Wüthrich einverstanden. Er sagt: «Wenn ich mich in letzter Zeit pointiert geäussert hatte, dann tat ich dies als Präsident der Grünen Langenthal. Dieses Amt habe ich nun übergeben.» Gleichwohl werde er sicher nicht immer der gleichen Meinung sein wie die Mehrheit seiner Ratskollegen.

Zum Kuschelgremium wird Langenthals neuer Gemeinderat also kaum werden. «Reibereien sind nicht grundsätzlich etwas Schlechtes. Es wird zu Auseinandersetzungen kommen müssen. Wenn immer alle schön mit dem Kopf nicken, ist was faul», sagt Michael Witschi.

«Ich empfinde keinen Hass gegen politische Gegner.»Helena Morgenthaler

Wichtig sei, dass am Ende eine Lösung gefunden werde. Und dazu werde es kommen, zeigt sich Helena Morgenthaler, die künftige Kultur- und Sportministerin, überzeugt. Denn: «Es geht schliesslich immer um die Sache. Ich empfinde überhaupt keinen Hass gegenüber meinen politischen Gegnern.» Dem pflichten auch ihre Kollegen bei.

Wie die Ressortverteilung im Detail ablief, darüber schweigen sich die neuen Ratsmitglieder indes aus. Klar ist: Die bisherigen Gemeinderäte hatten Vorrang. Ein ungeschriebenes Gesetz, das man angewendet habe, sagt Witschi. Unglücklich wirkt keiner mit dem ihm zugefallenen Bereich. Helena Morgenthaler räumt ein, dass sie zum Ressort Kultur und Sport bislang keinen intensiven Bezug gehabt habe.

Ihrer Zuversicht tut dies jedoch keinen Abbruch. Sie freue sich auf neue Begegnungen. Besonders sei auch, dass dieses Ressort – soweit sie sich zurückerinnern könne – lange nicht mehr in SVP-Hand gewesen sei. Ähnlich ist es bei Michael Witschi: Für das Soziale, Alters- und Gesundheitsfragen waren noch nicht viele bürgerliche Räte zuständig.

Reduzieren und organisieren

Vereinzelt zeitigt der Einzug in die Exekutive Veränderungen im Beruf. Hauswirtschaftslehrerin Helena Morgenthaler wird am Mittwoch aufs Unterrichten verzichten. Matthias Wüthrich hingegen will sich beruflich ganz neu orientieren. Seine Stelle als Konstrukteur hat er letzten Sommer aufgegeben. Michael Witschi ist insofern flexibel, als er als Bauunternehmer das persönliche Arbeitspensum selbst einteilen kann.

Das Gespräch fand ohne Roberto Di Nino statt. Er war ferienhalber abwesend. Di Nino wird Vorsteher des Finanz- und Steuerwesens.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt