Lotzwil

Das Schicksal eines Militärpiloten

LotzwilDie neue Ausstellung des Museums beleuchtet einerseits Rudolf Rickenbacher, der im Zweiten Weltkrieg beim Fliegen ums Leben kam. Andererseits aber auch den ­leidenschaftlichen Modellflugzeugbauer Christian ­Kammer.

Beide beschäftigen sich mit der Fliegerei: Kurator Andreas Greub (links) zeigt ein Plakat mit Rudolf Rickenbacher, Christian Kammer eines seiner Modelle.

Beide beschäftigen sich mit der Fliegerei: Kurator Andreas Greub (links) zeigt ein Plakat mit Rudolf Rickenbacher, Christian Kammer eines seiner Modelle. Bild: Marcel Bieri

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Seine Anfänge hatte das vom Orts- und Verschönerungsverein Lotzwil Gutenburg betriebene Museum in den 1940er-Jahren. Die beiden Lotzwiler Mittelschullehrer Karl Stettler und Fritz Junker riefen damals, zusammen mit einigen Vertretern der Kirche, der Burgergemeinde und der Gemeinde Gutenburg, eine Heimatstube ins Leben.

Darin bewahrten sie Gegenstände auf, die sie im Laufe der Zeit gesammelt hatten. Welche Lokalitäten für das Projekt zur Verfügung gestellt wurden, änderte sich wiederholt, sodass das Museum bereits einige Umzüge hinter sich hat. Seit Herbst 2015 befindet es sich im Obergeschoss des Gemeindehauses.

Eine Alterserscheinung

«Wir sind sehr zufrieden mit den neuen Räumlichkeiten», sagt Andreas Greub, der mit der­ ­Rickenbacher/Kammer-Ausstellung seine dritte allein kuratierte Ausstellung vorstellt. Eigentlich ist er Rettungssanitäter von Beruf, arbeitet heute aber nicht mehr im Krankenwagen, sondern als Fachlehrer für Rettungssanität am Zentrum für medizinische Bildung in Bern.

Im Museum Lotzwil ist er erst seit einigen Jahren tätig, obwohl er im Dorf aufgewachsen ist und noch immer hier wohnt. «Das Interesse fürs Lokalhistorische ist vielleicht auch ein bisschen eine ­Alterserscheinung», sagt er schmunzelnd.

Der kleinen, in drei Zimmer unterteilten Ausstellungsfläche passt Greub die Strategie an, die er sich für seine Arbeit im Museum vornimmt: «Klein, aber fein». Er will vielseitige, qualitativ hochwertige und sorgfältig produzierte Ausstellungen in einem bescheidenen Rahmen bieten.

Das entscheidende Kriterium ist immer der Ortsbezug: «Der ist aber nicht bei allen Projekten gleich gut zu erkennen, manchmal muss man da ein bisschen ausholen.»

Bei der aktuellen Ausstellung ist dies nicht der Fall, denn beide Protagonisten kommen aus der Region. Militärpilot Rudolf Rickenbacher stammte aus Gutenburg, Modellflugzeugbauer Christian Kammer kommt aus Lotzwil.

Rickenbacher war das erste ­Opfer, das die Verteidigung des Schweizer Luftraums im Zweiten Weltkrieg forderte. Am 4. Juni 1940 verlor er beim Versuch, deutsche Flugzeuge am Überflug zu hindern, den Sichtkontakt zum anderen Piloten seiner Zweierpatrouille.

Mit Funk waren die Flugzeuge damals noch nicht ausgestattet. Ob er abgeschossen wurde oder aus einem anderen Grund abstürzte, ist nicht klar, aber Rickenbachers Maschine und seine Leiche wurden im Jura, in der Nähe von Delsberg, gefunden. Auch Rudolfs älterer Bruder Hans war Militärpilot und verlor sein Leben im Zweiten Weltkrieg. In der Ausstellung wird das Schicksal der Familie Rickenbacher thematisiert.

Pläne selber entworfen

Die andere Hälfte der Ausstellung machen die Modellflugzeuge von Christian Kammer aus. Er hat nicht nur die Messerschmitt Me 109, welche die Schweizer Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg einsetzte und die auch Ricken­bacher flog, nachgebaut, sondern zeigt auch andere Modelle. «Manchmal ist es mir zwischendurch auch verleidet, und dann habe ich eine Weile nichts gemacht», so Kammer.

Irgendwann habe es ihn dann aber immer wieder gepackt. Speziell an den Flugzeugen ist, dass er die Modelle nicht nach einem gekauften Bauplan oder mithilfe eines Bausatzes erstellt, sondern die Pläne auf der Grundlage von Fotos selber entwirft, bevor er die Flugzeuge dann mit leicht verfügbaren Materialien wie zum Beispiel Holz und Rädern von alten Spielzeugautos, nachbaut.

Dementsprechend sind die Modelle nicht perfekt, sondern es ist jedes einzigartig. So wird der geschichtliche Teil der Ausstellung durch einen künstlerischen ergänzt.

Die Ausstellung: Rickenbacher/Kammer dauert vom 14. Oktober bis zum 12. November, jeweils Samstag und Sonntag, 14–17 Uhr. (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 11.10.2017, 19:40 Uhr

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