«Das Land besitzt für uns einen emotionalen Wert»

55 Einsprachen sind gegen den Perimeterplan für die Melioration eingegangen. Eine Nachfrage zeigt: Das Projekt ist für die Grundeigentümer nicht nur mit der Angst vor Landverlust und hohen Kosten verbunden.

Grundeigentümer Rolf Hofer möchte seine Parzellen gerne aus dem Perimeter herausnehmen.

Grundeigentümer Rolf Hofer möchte seine Parzellen gerne aus dem Perimeter herausnehmen.

(Bild: Thomas Peter)

Sebastian Weber

Dass die Gesamtmelioration Bleienbach - Thörigen - Bettenhausen nicht nur Befürworter besitzt, sondern auch Kritiker auf den Plan gerufen hat, das ist bekannt. Spätestens seit die Einsprachefrist für den provisorischen Perimeterplan abgelaufen ist: Insgesamt gingen 55 Einsprachen ein (wir berichteten). Doch was genau stört die Einsprecher? Weshalb wollen sie ihr Land aus dem Perimeter herausnehmen?

Finanzielles Risiko

Hinter vorgehaltener Hand hört man so einiges: Da ist zum ­Beispiel vom «grossem Land­verlust» oder den «immensen Kosten» die Rede. Nicht jeder Einsprecher will aber dazu öffentlich Stellung nehmen.

«Das ganze Vorhaben kommt einer Quasi-Enteignung gleich», meint ein Landwirt aus Thörigen, der nicht namentlich genannt werden möchte. Ein anderer Grundeigentümer, der Einsprache eingereicht hat, stimmt dieser Aussage zu: «Ich rechne für mein Land, zusätzlich zu den Kosten, mit einem Verlust von 6 Prozent.» Von den insgesamt rund 800 Hektaren Land, die der Perimeterplan beinhalte, würden rund 55 Hektaren für ökologische Massnahmen verloren gehen. Er ist überzeugt, dass die Kleinbauern die Leidtragenden des Bodenverbesserungsprojekts sind.

Die Landwirte seien mehrheitlich nicht die Eigentümer des Landes, würden aber nun von diesen angefragt, ihnen das Land abzukaufen. «Die Eigentümer wollen nicht für die Endkosten der Melioration aufkommen», sagt er. Zudem seien die baulichen Massnahmen, circa 70 Prozent der Gesamtkosten, noch völlig unklar. «Es gibt viele Bauern, die kurz vor der Pensionierung stehen und sich nun durch die Melioration in finanzielle Risiken begeben.»

Verständnis für dieses Aussagen hat auch Rolf Hofer. «Selbst wenn es rechtlich nicht so bezeichnet wird, kann man durchaus von einer Enteignung sprechen.» Der gebürtige Thöriger, der mittlerweile in Langenthal wohnt und für die Firma Daetwyler in Bleienbach arbeitet, besitzt gemeinsam mit seiner Schwester insgesamt 5,7 Hektaren Landwirtschaftsland in Thörigen, Bettenhausen und Bleienbach. Dieses bekam er von seinen Eltern Hans und Annamarie Hofer überschrieben, die noch bis vor 3 Jahren aktiv Landwirtschaft betrieben haben und mittlerweile aber pensioniert sind. Ihre Parzellen sind nun verpachtet und werden von einem Landwirt aus Thörigen bewirtschaftet. Jener möchte aber auf Anfrage dieser Zeitung keine ­Stellung zur Gesamtmelioration nehmen.

Rolf Hofer hat ebenfalls Einsprache gegen den Perimeterplan eingereicht und möchte gerne die gesamten 5,7 Hektaren ­herausnehmen. Seine Liste mit ­Kritikpunkten ist lang und beginnt mit den geplanten Arrondierungen. «Diese Landzuteilungen könnten uns, wenn wir ­andernorts die gleich grosse Fläche zugesprochen bekommen, eigentlich egal sein», sagt der 47-Jährige. Doch das eigene Land abzutreten, diese Vorstellung, sei für ihn mit einem «grossen Verlust» verbunden. «Meine Eltern haben dieses Land über 40 Jahre lang gepflegt. Da steckt das ganze Lebenswerk eines Landwirts dahinter.» Weshalb das Land für ihn und seine Eltern auch einen emotionalen Wert besitze.

Hinzu komme, dass die Arrondierung, also die Verminderung der Anzahl Bewirtschaftungsparzellen und die Platzierung des Landes möglichst in Hofnähe, sowieso nur den wenigsten Landwirten einen Vorteil verschaffe. «Wie soll das bei einem Haufendorf wie Thörigen oder Bleienbach funktionieren?», fragt Hofer. «Die einen profitieren, die anderen werden die gleichen Anfahrtstrecken haben wie bisher.» Zudem sei eine grosse Parzelle gegenüber zehn kleinen Parzellen nicht immer nur positiv. Ein grösseres Grundstück bedeute weniger Flexibilität zum Beispiel beim Erwerb oder beim Verkauf von Grundstücken.

Die Bauern als Verlierer

Hofer verweist zudem darauf, dass viele Landwirte ja bereits gehandelt und Landflächen abgetauscht hätten. «Damit sie besser bewirtschaftet werden können. Die Landwirte sind schliesslich nicht dumm», so der Langenthaler. «Was ist an diesem Boden nun so schlecht, dass wir dafür so viel Geld ausgeben müssen?» Womit Rolf Hofer die voraussichtlichen Gesamtkosten von 16 Millionen Franken anspricht. «Ohne Drainagesanierungen», betont er. Dabei seien diese Zahlen veraltet und eher noch optimistisch gerechnet. «Ich vermute, dass es noch teuerer wird.» Die Verlierer seien erneut die Bauern: «Die Landbesitzer werden die Kosten nicht selber tragen und diese über den Pachtzins auf die Landwirte abwälzen», stellt er fest. «Diese zahlen somit mehrfach, mit dem Pachtzins, den Steuern und ihrem eigenen Land.»

Entscheid weiterziehen?

Rolf Hofer ist für nächste Woche zu Instruktionsverhandlungen eingeladen worden. Er vermutet, dass es sich bei einigen seiner Parzellen um «substanzielle» handeln könnte, die wegen ihrer zentralen Lage zwischen Thörigen und Bleienbach nicht aus dem Perimeter entlassen werden. In diesem Fall würde vermutlich keine Einigung erzielt und die Einsprache würde an die Bodenverbesserungskommission des Kantons Bern weitergeleitet. Diese könnte anschliessend den Einbezug in den provisorischen Perimeter verfügen. «In diesem Fall», sagt Hofer, «wäre es sicher eine Option, diesen Entscheid weiterzuziehen.»

Berner Zeitung

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