Langenthal

Brauen im Blut, Leidenschaft im Herzen

LangenthalFür das ­beliebte 49er Bier der Brau AG ist neuerdings Seraphin Ritter verantwortlich. Den ­26-jährigen Braumeister brachten die mattschwarzen Flaschen vor ein paar Monaten hierher – ­indirekt zumindest.

Er will auch eigene Ideen umsetzen: ­Seraphin Ritter denkt bereits an ein Spezialbier zu Halloween oder zu ­Weihnachten.

Er will auch eigene Ideen umsetzen: ­Seraphin Ritter denkt bereits an ein Spezialbier zu Halloween oder zu ­Weihnachten. Bild: Marcel Bieri

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Es durftet nach frischgebrautem Bier in der Lagerhalle der Brau AG in Langenthal. An einem beheizten Tank ist Braumeister Seraphin Ritter am Werk. Im zylinderförmigen Behälter ist eine ­dicke Flüssigkeit, die von Ritter «Birchermüesli» genannt wird. Ein Blick durch die Luke lässt die Herzen von Müesliliebhabern durchaus höherschlagen. Im Tank ist aber nicht etwa das Frühstück des Braumeisters, sondern ein zukünftiges Weizenbier.

In den Stapfen seines Onkels

Vor rund dreieinhalb Monaten hat Seraphin Ritter seine neue Stelle als Braumeister in der Brau AG in Langenthal angetreten. Seit Anfang April investiert der 26-Jährige viel Zeit, Organisation, Geduld, Genauigkeit und vor allem Leidenschaft in das49er Bier. «In jedem Bier steckt eine Geschichte», ist Ritter überzeugt.

Seiner Ansicht nach muss ein Braumeister bei der Herstellung des Hopfengetränks leidenschaftlich am Werk sein. «Beim Bierbrauen verhält es sich ähnlich wie beim Anfertigen eines Kunstwerks», erklärt er. Um ein zufriedenstellendes Resultat zu erhalten, müssten Braumeister wie Künstler viel Passion und Begeisterung in ihre Arbeit stecken.

Ritter scheint das Bierbrauen im Blut zu haben. Der Süddeutsche war noch keine 10 Jahre alt, als seine Faszination für den Beruf Form annahm. «Mein Onkel hat damals in einer Brauerei gearbeitet und viel von seiner Arbeit erzählt», erinnert er sich zurück. Die chemischen und physikalischen Prozesse hätten ihn bereits während seiner Jugend interessiert: Mit 14 Jahren absolvierte er ein Praktikum in einer Brauerei in Lörrach. Am Ende seiner Schnuppertage wurde ihm eine Lehrstelle angeboten. «Als Abschlussarbeit habe ich mein eigenes Weizenbier gebraut», sagt Ritter und blickt in den Tank, in dem gerade das Weizenbier der 49er Linie in Produktion ist.

Physik wirkt im Whirlpool

Ein qualitativ hochwertiges Bier braucht vor allem eines: Zeit. Die Masse, die erst noch einem Birchermüesli gleicht, wird so lange erhitzt, bis sich durch spezielle Enzyme eine Zuckerlösung bildet. Der Braumeister pumpt die Flüssigkeit von Tank zu Tank, kühlt sie ab, siebt sie, erhitzt sie wieder und bringt sie so dem fertigen Bier näher. Dass ein Braumeister über die Konzepte der Chemie und Physik im Bild sein muss, braucht Ritter nicht zu erklären. Er präsentiert einen Behälter, den er «Whirlpool» nennt und in dem später durch Zen­trifugal- und Zentripetalkraft ­Eiweiss und Hopfen abgesetzt ­werden.

Trinkreif ist das Bier dann aber noch lange nicht. Ehe das beliebte Langenthaler Bier in die Flaschen abgefüllt wird, muss es noch für mindestens sechs Wochen gelagert werden. Während der Reifung muss der Braumeister die Temperatur der Flüssigkeit peinlich genau kontrollieren. Eine durchdachte Arbeitsorganisation ist deshalb wichtig. Gebraut wird immer von Mittwoch bis Freitag. Der Beginn der Woche ist für die Filtration der gelagerten Biere und für das Abfüllen in die Flaschen vorgesehen.

Wenn Optik Inhalt beeinflusst

Ritter betont, die mattschwarzen Flaschen der 49er Linie sähen nicht nur toll aus, «sie beeinflussen auch den Geschmack des Bieres». Der Grund: Braune, grüne oder weisse Bierflaschen lassen UV-Licht durch, was den Geschmack des Bieres verändert. Nicht zuletzt durch die mattschwarzen Flaschen ist der 26-Jährige auf die Brau AG in Langenthal aufmerksam geworden. In der Brauerei von Cinema 8 im aargauischen Schöftland, bei der Ritter zuvor angestellt war, wurde das Bier ebenfalls in schwarzmatte Flaschen abgefüllt.

Während der Besichtigungen, die Ritter da regelmässig durchgeführt hat, kamen die Besucher mehrfach auf das 49er Bier zu sprechen. «Gäste aus der Region Oberaargau haben mich informiert, dass auch das Langenthaler Bier in die undurchsichtigen Flaschen abgefüllt werde», sagt Ritter. Kurz darauf entdeckte der leidenschaftliche Brauer die ausgeschriebene Stelle in Langenthal.

Vielseitigkeit im Haus

Peter Kläfiger, Geschäftsführer der Brau AG, zeigt sich mit der Arbeit seines neuen Braumeisters zufrieden: «Seraphin Ritter macht einen Superjob.» Dem Gelobten selbst gefällt, wie vielfältig sich seine alltägliche Arbeit gestaltet. «In einer Hausbrauerei wie dieser fallen dem Braumeister viele Aufgaben zu», erklärt er. An manchen Tagen ist der junge Braumeister im Labor und prüft das Bier, an anderen bestellt er Rohmaterial am Bürotisch. Er schrotet den Weizen, braut verschiedene Biere, filtriert sie und füllt sie in Flaschen ab.

Auch eigene Ideen und Innovationen des passionierten Braumeisters sind im Langenthaler Unternehmen gefragt. Bereits jetzt spielt Ritter mit dem Gedanken, zu Halloween ein Spezialbier mit ein wenig Kürbis zu brauen oder ein Weihnachtsbier zu entwickeln. Obschon die Festtage noch weit weg scheinen, lohnt es sich, über ein mögliches Rezept nachzudenken. Gutes Bier braucht schliesslich Zeit.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 17.07.2017, 07:55 Uhr

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