Aarwangen

«Besser kann man nicht aufhören»

AarwangenMit René Ledermann als Präsident hat der FC Aarwangen so einige Meilensteine erreicht. Nun, nach 30 Jahren im Vorstand, sei der perfekte Zeitpunkt für seinen Rücktritt gekommen.

Trotz Abschied wird René Ledermann seinem Club die Treue halten.

Trotz Abschied wird René Ledermann seinem Club die Treue halten. Bild: Daniel Fuchs

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«Ein bisschen komisch wird es schon», gibt René Ledermann zu. Dem 59-Jährigen ist anzumerken, dass ihm das Aufhören nach so langer Zeit eben doch nicht ganz leicht fällt. An der Generalversammlung von Donnerstag ist er als Präsident des FC Aarwangen (FCA) zurückgetreten.

In jungen Jahren hat er beim Verein als Spieler begonnen. Wegen einer Knieverletzung musste der unambitionierte Fussballer sein Hobby an den Nagel hängen. Stattdessen hat er im Vorstand Karriere gemacht. Lange war er Präsident der Spielkommission, zwischenzeitlich PR-Verantwortlicher und insgesamt 13 Jahre lang Vorsitzender des Vereins.

Ungeplantes Comeback

Zurücktreten wollte René Ledermann eigentlich schon 2012. Als aber sein Nachfolger nach wenigen Jahren im Amt aufhören musste und man auf die Schnel­le keinen Neuen fand, stellte er sich erneut zur Verfügung – «ad interim, wie es dann immer so schön heisst», sagt der Versicherungsberater und muss selber schmunzeln.

Aus vorübergehend wurde längerfristig, 3 Jahre ist er nun schon wieder an der Spitze des Vorstands. Jetzt sei aber wirklich Schluss, sagt er, er gebe sein Amt gerne ab. Vor allem jetzt, wo es gerade so gut läuft. «Besser kann man nicht aufhören», sagt Ledermann.

Ziele erreicht

Passend zu seiner 30-jährigen Tätigkeit ist es der ersten und der zweiten Mannschaft des FCA gelungen, zur aktuellen Saison hin aufzusteigen. So was gab es lange nicht. Ausserdem ist der Verein seit März dieses Jahres schuldenfrei. Gelungen ist dies unter anderem durch die Gründung des Vereins Club 211. Mit ihm sind seit der Entstehung 2011 über 70'000 Franken in die Vereinskasse geflossen.

Ein persönliches Highlight war für Ledermann auch die Gründung der ersten Juniorinnenmannschaft 2008. Nach einigen erfolgreichen Jahren beim FCA sind die Spielerinnen mittlerweile im FC Herzogenbuchsee integriert. Das grösste Projekt seiner Amtszeit war aber der langersehnte Bau eines neuen Clubhauses im Hubel.

Grossprojekt Clubhaus

Jahrelang musste der FC Aarwangen mit einer kleinen Baracke auskommen. Ein kleines Holzhäuschen ohne Umkleidekabinen, Duschen oder Toiletten. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, winkt Ledermann ab. Wenn er nun durch das 2010 eröffnete Clubhaus führt, ist immer noch spürbar, wie stolz er darauf ist, was hier in 4 Jahren aus eigener Kraft aufgebaut wurde.

Hunderte von Fronstunden haben die Mitglieder des FC Aarwangen geleistet, um den Traum vom standesgemässen «Vereinshüsli» wahr werden zu lassen. Eine intensive und prägende Zeit. Spätestens mit dem Spatenstich waren die Strapazen aber vergessen. Auch für den Zusammenhalt im Club habe das Projekt sich als hilfreich erwiesen, so Ledermann.

Es habe Zeiten gegeben, in denen ihm der Club eher wie eine lose Gruppe von Männern vorkam, die hin und wieder zusammen Fussball spielen. Vorbei die Zeiten, in denen an Wochenenden beim Hubel gemeinsam gezeltet wurde und die Frauen am Sonntag das Frühstück brachten.

Doch seit dem Bau des neuen Vereinsheims merkt Ledermann, wie der Gemeinschaftssinn wieder wächst. Aktuell bestehe der Vorstand aus vielen jungen, motivierten Spielern. Diese Entwicklung lässt Ledermann positiv in die Zukunft blicken.

Zeitaufwendiges Hobby

In 13 Jahren als Präsident hat ­René Ledermann auch Tiefen erlebt. Acht Trainer musste er vorzeitig beurlauben, wodurch er auch gute Freunde verloren hat. Schwierige Situationen, die aber zum Amt dazugehörten, sagt er: «Als Präsident muss man halt auch mal Rückgrat beweisen, wenn es etwas zu entscheiden gibt.»

«Man muss schon angefressen sein.»René Ledermann

Auch sonst ist so ein jahrzehntelanges Engagement nicht ohne. Zwei Stunden pro Tag nimmt das Ehrenamt laut Ledermann in Anspruch.

«Man muss schon angefressen sein, wegen des Geldes muss man es nicht ­machen», sagt er und lacht dabei. Unzählige Wochenenden hat Ledermann im Hubel verbracht, seine Frau hat viel im Hintergrund geholfen. «Wenn wir da nicht ein eingespieltes Team gewesen wären, hätte das nicht funktioniert», gibt er zu.

Ganz ohne den FCA kann Ledermann auch in Zukunft nicht. Als Präsident des Clubs 211 wird er weiterhin an den Heimspie­len den Pausenapéro servieren. Und auch seinem Nachfolger möchte er mit Rat und Tat zur Seite stehen. Weg vom Fenster sei er auf keinen Fall. «Ich habe noch ein Auge darauf», sagt er und schmunzelt. (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 10.08.2018, 09:37 Uhr

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