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Bei den Kleintierfreunden ist zu viel Betrieb

Das Storchenpaar im Dennli ist nicht auf den Horst der Kleintieranlage zurückgekehrt, sondern auf die geräumte Natelantenne beim Sikh-Tempel. Das freut dort die Nachbarn.

Selbst gebaut: Einer der beiden Störche im Dennli auf ihrem Nest.
Selbst gebaut: Einer der beiden Störche im Dennli auf ihrem Nest.
Thomas Peter
Keine Angst vor Strahlen: Das Storchennest befindet sich auf der Natelantenne beim Sikh-Tempel.
Keine Angst vor Strahlen: Das Storchennest befindet sich auf der Natelantenne beim Sikh-Tempel.
Thomas Peter
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Die Anwohner an der Eisenbahnlinie beim Bahnübergang Bleienbachstrasse haben ihr Storchenpaar wieder. «Sie waren letzten Sommer für unsere Mitarbeitenden eine Attraktion», sagt Urs Rölli, Leiter Disposition bei Ruckstuhl. Vor dessen Bürofenster hatte das Storchenpaar am 24. Mai 2016 zu nisten begonnen – auf der Natelantenne beim Sikh-Tempel.

Dass die beiden Vögel nun wieder dort sind, ist keine Selbstverständlichkeit, denn am 27. Februar hatte die Besitzerin der Antenne, Sunrise Communications, das Nest wegräumen lassen. Es war zudem nicht das erste Zuhause der Störche in Langenthal gewesen.

Zuerst waren diese dorthin zurückgekehrt, wo man ihnen ganz offiziell einen Horst eingerichtet hatte: Die Kleintierfreunde hatten ihnen bei ihrer Anlage im Dennli bereits 2014 ein Wagenrand auf einem hohen Holzmast aufgestellt.

Belohnte Anstrengungen

Ein Jahr später wurden die Anstrengungen der Vogelfreunde honoriert: Ein Paar besetzte den Horst und zog dort die ersten Jungvögel nach fast hundert Jahren in der Oberaargauer Metropole auf. Nach einem Jahr brüteten die Langenthaler Störche erneut, doch die nasskalte Periode im Frühling überlebten die Jungvögel nicht. Erst nach diesem Schicksalsschlag zogen ihre Eltern auf die Natelantenne beim Sikh-Tempel um.

Vor einem Monat nun rückten in der Kleintieranlage Feuerwehrleute mit ihrer langen Leiter an und reinigten für die Vogelfreunde den Horst. Doch solch menschlicher Unterstützung zeigten die beiden Störche nun die kalte Schulter: Statt sich ins bereitgemachte Nest zu legen, sind sie seit ein paar Wochen wieder am Nisten: auf der leer geräumten Natelantenne – sehr zur Freude der Nachbarn.

Urs Rölli will sich jedoch nicht mit dieser Freude begnügen: Er erstattete diese Woche Anzeige gegen Sunrise. Er habe sich bei verschiedenen Stellen erkundigt und sei zum Schluss gekommen, dass es nicht erlaubt sei, ein Storchennest einfach wegzuräumen. Diesbezüglich macht ihm Peter Enggist allerdings keine Hoffnung.

Der Geschäftsführer von Storch Schweiz wohnt in Kleindietwil. Im Winter, wenn ein Horst nicht besetzt sei, dürfe dieser entfernt werden. «Er könnte ja auch auf einem noch benützten Kamin liegen.» Dann müsse man ihn entfernen, um im Winter wieder heizen zu können.

Rückkehr vorausgesagt

Enggist war von Sunrise beigezogen worden, als das Kommunikationsunternehmen den Horst entfernte. Er habe dieses darauf hingewiesen, dass es zusätzliche bauliche Massnahmen ergreifen müsse, damit die Störche nicht wieder auf seiner Antenne nisten würden. Warum es dies unterliess, hätte diese Zeitung gerne von Therese Wenger, der Kommunikationschefin von Sunrise, gewusst. Doch diese beantwortete nachgereichte Zusatzfragen nicht.

Wenger wies lediglich darauf hin, dass die Räumung vor Brutbeginn im März erfolgt sei und Nest wie Vögel den Betrieb der Antenne nicht beeinträchtigten, solange diese nicht direkt vor den Richtfunkschüsseln gelängen und kein Kot auf diesen Teilen abgelagert werde. Allerdings werde für Sunrise die Wartung erschwert.

Verteidigen sie ihr Revier?

Bleibt die Frage, was mit dem bereitgemachten Storchennest bei der Kleintieranlage geschieht. Das hänge ganz vom Verhalten der Störche auf der Natelantenne ab, sagt Peter Enggist: Begännen diese ihr Revier zu verteidigen, würden sie sich gegen ein weiteres Brutpaar in der Nähe wehren. Allerdings zeigt das legendäre Storchendorf von Max Bösch in Altreu SO, dass sich Störche durchaus an ein nachbarliches Zusammenleben gewöhnen können.

Gegen die Kleitierfreunde spreche allerdings noch ein weiterer Grund, betont Peter Enggist: ihr geselliges Beisammensein. Er geht nämlich davon aus, dass es nicht nur die gescheiterte Brut war, die die Störche auf die Natelantenne vertrieben hat: «Ihnen war es auf dem eingerichteten Horst zu unruhig und zu laut.»

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