Auf Umwegen zum Ziel

Herzogenbuchsee

SRF-Moderator Röbi Koller gab im Kreuzkeller Herzogenbuchsee Einblick in seine ganz persönliche Sammlung von Erlebnissen auf Reisen und Begegnungen mit Menschen aus aller Welt.

Nah am Publikum: Röbi Koller bei seinem Auftritt in Buchsi. Foto: Thomas Peter

Nah am Publikum: Röbi Koller bei seinem Auftritt in Buchsi. Foto: Thomas Peter

Gewohnt sprachgewandt und bodenständig nimmt Röbi Koller die 90 Besucher im Kreuzkeller mit auf eine unterhaltsame Reise und blickt auf sein bewegtes Leben. In seinem Buch «Umwege» beschreibt er Orte, die er nur dank Umwegen entdeckt hat – denn der gerade Weg müsse nicht der einzig richtige sein, betont Koller in Herzogenbuchsee. Auch ihn habe erst ein Leben voller Umwege dorthin gebracht, wo er heute ist.

1981 begann er beim Piratensender Radio 24 als Moderator zu arbeiten, um sieben Jahre später zu Radio DRS 3 und gleichzeitig zum Schweizer Fernsehen zu wechseln. In all den Jahren moderierte Koller unter anderem die Radiotalkshow «Persönlich» und Fernsehsendungen wie «Quer», den «Club» oder seit 2007 die Samstagabendshow «Happy Day».

Der Taxifahrer

«Ursprünglich war eigentlich ein Taxibuch›  geplant», erklärt Koller, der während seines Studiums als Taxifahrer gearbeitet hat. Mit 60 Jahren absolvierte er die entsprechende Prüfung erneut, um festzustellen, dass sich dieser Beruf heute völlig gewandelt hat. Trotzdem verwob er in seiner Lektüre neben Familiengeschichten und Reiseerlebnissen Interviews, die er mit Taxifahrern in aller Welt geführt hat, zum Beispiel in Madagaskar.

«Gerade durch Begegnungen mit beeinträchtigten Menschen fühle ich mich immer wieder bereichert.»Röbi Koller

«Wohl deshalb ist das Buchcover wie die meisten Taxischilder in Gelb gehalten», sagt Koller. Besonders intensive Erinnerungen beinhalten jeweils die Reisen als Botschafter der Hilfsorganisation Comundo, die ihn in Krisenregionen in Südamerika und Afrika führten.

Aus der Familie

Auch ein fiktives Interview mit seinem Grossvater, dem 1964 verstorbenen Zuger Primarlehrer Fridolin Stocker, verfasste Röbi Koller für sein Buch. Ein Gespräch darüber, wie der Mundartautor und Initiant der populären Radiowanderungen bei Radio Beromünster darauf reagiert, dass sein Enkel Röbi im Radio moderiert und dabei Zuger Dialekt mit Zürcher Färbung spricht. 

Ebenso berichtet Koller von seinem Vater, der in Istanbul geboren wurde. Und er erzählt von seiner Bewunderung für seine Mutter, die zehnjährig an Kinderlähmung erkrankte, sich von den Spätfolgen aber nie unterkriegen liess. Menschen mit Beeinträchtigungen, die er auch regelmässig auf Reisen begleitet, liegen Röbi Koller speziell am Herzen.

Das stehe zu einem Teil sicher mit der Krankheit seiner Mutter im Zusammenhang, sagt er gegenüber dieser Zeitung. «Zum anderen sind es die schönen und traurigen Geschichten, die ich während meiner Sendungen erlebte.» So fühle er sich gerade durch Begegnungen mit beeinträchtigten Menschen immer wieder bereichert.

Röbi Koller freut sich, dass er unter den Zuhörerinnen und Zuhörern im Gewölbekeller auch bekannte Gesichter erkennt. Da sitzt zum Beispiel jener junge Thunstetter, der letztes Jahr mit seiner Familie mit dem Happy-Day-Ferienflieger nach Mallorca abheben durfte.

Das Wiedersehen ist herzlich, und als sich Röbi Koller erkundigt, ob er jetzt eine Lehrstelle gefunden habe, bestätigt der junge Mann mit einem Strahlen im Gesicht: «Ja, als Kaminfeger.» Wenn das kein Glück bringt.

Langenthaler Tagblatt

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt