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Anlaufstellen verschwinden

Die Mitglieder der katholischen Pfarrei Huttwil sind mit ihren Ängsten im Zusammenhang mit dem Pastoralraum Oberaargau nicht allein: «Auch bei uns leidet das Leben in der ­Gemeinschaft», sagen Gläubige aus dem Raum Langenthal.

Die katholische Kirche bleibt in Langenthal. Doch welche persönlichen Anlaufstellen es dort für die Gläubigen noch gibt, ist unklar.
Die katholische Kirche bleibt in Langenthal. Doch welche persönlichen Anlaufstellen es dort für die Gläubigen noch gibt, ist unklar.
Marcel Bieri

Im katholischen Pfarrhaus in Huttwil ist ein Pastoralassistent eingezogen. Weil nicht klar ist, welche Aufgaben er in Huttwil zu übernehmen hat, bestehen dort trotzdem Ängste, das vielfältige Pfarreileben könnte unter der Einrichtung des Pastoralraums leiden.

In Langenthal hingegen wohnte Kaplan Gregor Piotrowski bisher im Pfarrhaus. Doch nun ist er weg. Er hat im Frühling gekündigt. «Wann er genau wegzieht, wurde uns Mitgliedern jedoch nie klar mitgeteilt», hält Brigitte Schaniel fest. Sehr kurzfristig sei kurz vor den Ferien ein Abschiedsgottesdienst auf den 1. Juli angesetzt worden. «Wem es nicht möglich war, diesen zu besuchen, konnte Gregor Piotrowski nicht richtig Adieu sagen.»

Das dürfte auch mit einem Kritikpunkt zusammenhängen, den Daniela Stucki ergänzt. Sie leitet die Arbeitsgruppe Roggwil-Wynau und zückt den Gottesdienstplan für den Monat Oktober: «Dieser ist erst seit dem 26. September bekannt», hält sie fest. «Zu spät, insbesondere in einem Diaspora-Gebiet wie dem Oberaargau.»

«Wem es nicht möglich war, den Abschiedsgottesdienst zu besuchen, konnte Gregor Piotrowski nicht richtig Adieu sagen.»

Brigitte Schaniel

Vor der Einrichtung des Pastoralraums sei die Planung halbjährlich erstellt worden, hält Daniela Stucki fest. «Zudem wurde sie uns frühzeitig zugestellt.» Im Fall von Gregor Piotrowski dürfte wohl zusätzlich für Ver­unsicherung gesorgt haben, dass dieser nach der offiziellen Ver­abschiedung weiter als Aushilfe eingesetzt worden sei, räumt Kirchgemeindepräsident Robert Zemp ein.

Pfarrer soll Halt geben

Allerdings seien die organisatorischen Probleme in der Kirchgemeinde und im Pastoralraum nicht auf die Gottesdienste beschränkt und auch nicht neu, ergänzt Daniela Stucki und verweist auf den kirchlichen Unterricht. Was mit diesem passiert sei, habe sie und ihren Ehemann vor zwei Jahren dazu veranlasst, ihre beiden Söhne vom Unterricht abzumelden. Da sie Katechetin sei, könne sie diese zwar selbst unterrichten. «Doch diese Situation ist für uns belastend, da wir unsere Kinder lieber der Kirche anvertrauen würden.»

Sonja Riederer aus Madiswil ergänzt: «Wir leben von und mit unseren kirchlichen Festen. Das sind unsere Traditionen und ein grosser Teil unseres Fundamentes.» Sei seien jedoch darauf angewiesen, dass ihnen der Pfarrer dabei Halt gebe und sie unterstütze. Der Leiter des Pastoralraums, Alex Maier, jedoch könne oder wolle dies offenbar nicht leisten.

«Diese Situation ist für uns belastend, da wir unsere Kinder lieber der Kirche anvertrauen würden.»

Daniela Stucki

Die Folgen sind laut den drei Frauen «verheerend»: Was in Huttwil begonnen habe, sei in Langenthal längst in vollem Gang: «Gläubige kommen nicht mehr in die Messe, besuchen diese in der Nachbarschaft, in Wolfwil oder in St. Urban, oder treten zu den Reformierten über.» Jetzt, wo auch Gregor Piotrowski weg sei, werde sich die Lage verschärfen, befürchten sie. Hinzu komme, dass mit der Konzentration des Pastoralraum-Sekretariats in Herzogenbuchsee in der grossen und vielfältigen Pfarrei Langenthal auch diese Anlaufstelle fehlen werde.

Dem Kirchgemeindepräsidenten sind die Sorgen der Mitglieder nicht unbekannt. «Sie werden auch an mich herangetragen», hält Robert Zemp fest. Er weist allerdings darauf hin, dass der Kirchgemeinderat in erster Linie für die Belange der Kirchgemeinde zuständig ist. Für die pastoralen Aufgaben und deren Organisation seien jedoch der Leiter des Pastoralraums und seine Vorgesetzten im Bistum Basel verantwortlich.

Schwieriger Prozess

Hansruedi Huber, der Kommunikationsverantwortliche des Bistums Basel, nimmt dazu wie folgt Stellung: «Die Zusammenführung von über 500 Pfarreien in rund 100 Pastoralräume ist ein anspruchsvoller Struktur- und Kulturprozess, der wegen knapper personeller Ressourcen und lokalpolitischer Dynamiken oft mehr Zeit beansprucht, als dies bei einem vergleichbaren Projekt in der Wirtschaft der Fall wäre.»

So sei es auch im Pastoralraum Oberaargau, der erst Ende letztes Jahr errichtet wurde und sich geografisch über eine verhältnismässig grosse Fläche mit unterschiedlichen politischen Traditionen und Ansprüchen erstrecke. Zu konkreten Fragen zur Amtsführung von Alex Maier nahm das Bistum keine Stellung.

Auch in Roggwil betreibt die katholische Pfarrei Langenthal ein kirchliches Zentrum. Dort ist man ebenso im Ungewissen, wie es im Pastoralraum Oberaargau weitergeht. Bild: Marcel Bieri
Auch in Roggwil betreibt die katholische Pfarrei Langenthal ein kirchliches Zentrum. Dort ist man ebenso im Ungewissen, wie es im Pastoralraum Oberaargau weitergeht. Bild: Marcel Bieri

Über die künftigen Aktivitäten in den Pfarreien schreibt es in einem Grundsatzpapier: «Dabei geht es nicht darum, pastorale Aktivitäten aus dem Nahen zu entfernen, sondern es geht darum, auf vielfältige Weise Menschen nahe sein zu können.» Nun ergänzt Hansruedi Huber: «Entscheidend ist die Horizonterweiterung zum Pastoralraum als grösserem Ganzen, ohne vor Ort an Kraft zu verlieren. ‹Think global, act local›».

Im Bistum stellten die Verantwortlichen immer wieder fest, dass es für Personal und Kirchenpflege schwierig sei, sich von der Vorherrschaft des Lokalen zu lösen. «Meistens ticken wir zuerst digital im ‹Entweder-oder›. Hier liegt die Lösung jedoch im ‹Sowohl-als-auch›», erklärt Hansruedi Hofer. Es gehe um die Frage, wie die Menschen vor Ort besser erreicht werden könnten, wenn eine Sache gemeinsam angepackt werde.

Doch auch für Kirchgemeindepräsident Robert Zemp ist die wichtigste noch nicht abschliessend geklärte Frage, wie die einzelnen Pfarreien vor Ort organisiert werden. Er hofft, dass sich diese Frage nun leichter beantworten lässt, da inzwischen die personellen Engpässe im Pastoralraum Oberaargau beseitigt werden konnten.

Stellenetat endlich besetzt

Diesbezüglich orientiert Hansruedi Huber: Der Pastoralassistent, der ins Pfarrhaus Huttwil eingezogen ist, sei zwar für den ganzen Pastoralraum tätig, habe aber einen Schwerpunkt in Huttwil. Dazu wird bis Ende Herbst ein Priester als Kaplan die Nachfolge von Gregor Piotrowski antreten. Zudem wird eine Katechetin in Ausbildung angestellt. Damit, ergänzt Robert Zemp, seien endlich alle 500 Stellenprozente, die der Kirchgemeinde Langenthal zustünden, wieder besetzt.

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