«Wir soffen, dass es unter keine Kuhhaut ging»

Gegen zwei Promille zeigte der Blutalkoholtest im Spital Langenthal an. Doch hatte der Beschuldigte an jenem 11. November 2012 auch schon getrunken, als er wenige Stunden zuvor noch mit dem Auto unterwegs gewesen war?

Hatte der Beschuldigte auch schon getrunken, bevor er an diesem Tag mit ­seinem Kumpan von der Polizei in einem Keller aufgegriffen wurde? Und war er in diesem Zustand mit dem Auto unterwegs gewesen? (Symbolbild)

Hatte der Beschuldigte auch schon getrunken, bevor er an diesem Tag mit ­seinem Kumpan von der Polizei in einem Keller aufgegriffen wurde? Und war er in diesem Zustand mit dem Auto unterwegs gewesen? (Symbolbild) Bild: Fotolia

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Dass er betrunken war, stellte man am 11. November 2012 im Spital Langenthal am späten Abend zweifelsfrei fest. Doch hatte der Beschuldigte, der sich am Donnerstag vor dem Obergericht in Bern rechtfertigen musste, auch schon getrunken, bevor er an diesem Tag mit ­seinem Kumpan von der Polizei in einem Keller aufgegriffen wurde? Und war er in diesem Zustand mit dem Auto unterwegs gewesen?

«Tagsüber hatten wir nichts Grossartiges intus, am Abend kam dann der grosse Durst», schilderte der 44-Jährige. Erst dann hätten sie innerhalb kurzer Zeit jede Menge Alkohol gebechert. Gegen zwei Promille Blutalkoholkonzentration zeigten die Messungen im ­Spital schliesslich an.

«Wir soffen, dass es unter keine Kuhhaut ging», sagte der Kumpel, welcher vom Obergericht als Zeuge aufgeboten worden war. So viel habe der Beschuldigte in der von ihm ange­gebenen Zeitspanne erst gar nicht trinken können, hielt dem die Oberstaatsanwältin Gabriela Mutti entgegen. Sie stützte sich dabei auf das Gutachten von zwei Rechtsmedizinern.

Kanone gebastelt

Wenn es nach dem Willen des Beschuldigten gegangen wäre, hätte seine Blutalkoholkonzentration überhaupt nicht festgestellt werden können. Zunächst versteckte er sich vor der Polizei, später verweigerte er jeden Alkoholtest und beschimpfte die Polizisten aufs Gröbste.

Dass die Polizei den Beschuldigten überhaupt suchte, hatte mit lautem Lärm im betroffenen Oberaargauer Dorf zu tun. Die beiden Kumpane hatten eine Kanone gebastelt, und diese wollten sie am 11. November 2012 ausprobieren, als vorgezogener Start für die Fasnacht. Hinzu kam der Geburtstag eines Bekannten.

Dieser wurde in den Keller eingeladen, und man sass dort nach den Aussagen der drei rund eine Stunde gemütlich zusammen. Dann seien sie zu zweit weiter durch das Dorf gezogen und hätten die Kanone knallen lassen. Erst im Anschluss hätten sie sich betrunken.

Dass der vom Beschuldigten angegebene Zeitplan nicht stimmen konnte, schloss die Staatsanwaltschaft aus den Anrufen von besorgten Dorfbewohnern. Die Anrufzeiten waren im Polizeijournal eingetragen worden. Um diese Zeit wäre der Beschuldigte nach seinen Angaben bereits im Keller am Bechern gewesen.

Damit fiel die angegebene Zeitspanne des Saufgelages in sich zusammen. Der Verteidiger machte eine Verletzung des Anklagegrundsatzes geltend. Unter anderem seien die vorgeworfenen Punkte zu wenig präzise aufgeführt und die Gutachten hätten so nicht eingeholt werden dürfen.

Bei der Vorinstanz kam er mit seinen Anträgen auf Einstellung nicht durch. Der beschuldigte Schweizer wurde zu einer Geldstrafe von 2000 Franken verurteilt, ergänzt durch eine Übertretungsbusse von 1200 Franken.

Nun beantragte die Generalstaatsanwältin beim Obergericht eine unbedingte Geldstrafe von 7500 Franken sowie eine Übertretungsbusse von 330 Franken. Dies für Fahren in fahrunfähigem Zustand, qualifiziert begangen, Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit und Beschimpfungen.

Der Mann ist einschlägig vorbestraft, und ihm wurde mehrmals der Führerschein entzogen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.02.2017, 08:34 Uhr

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