Bleienbach

Ungebetene Gäste im Rössli

BleienbachDrei Osteuro­päer mussten sich wegen eines Raubüberfalls auf den Bleienbacher Rössli-Wirt verantworten. Zwei ihrer Mittäter warten auf den Prozess, nach drei weiteren fahndet die Staatsanwaltschaft.

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Sie kamen mitten in der Nacht, hatten ihre Kapuzen über die Köpfe gezogen – und keine Skrupel: Drei Osteuropäer überfielen vor einem Jahr den Wirt des Restaurants Rössli in Bleienbach. Sie fesselten ihn, würgten ihn und bedrohten ihn mit einem Schraubenzieher, bis er den Schlüssel zum Tresor herausrückte. Daraus entwendete das Trio Geld, Steine und eine Münzsammlung. Dann liess es sich von einem Helfer zu Komplizen fahren, die in ­sicherer Entfernung in zwei Autos auf sie warteten.

Einen schönen Teil der Beute verjubelten die Gangster noch vor dem Morgengrauen in einem Saunaclub. Die Ermittlungen ergaben, dass der Raub in einem Langenthaler Albanerlokal geplant worden war. In die Planung und Ausführung involviert waren acht Personen. Die Kosovaren be­nötigten mehrere Anläufe, um zum Ziel zu kommen.

Im zweiten Anlauf

Ein erster Versuch scheiterte, weil der Rössli-Wirt sich weigerte, den drei um ein Glas Wasser bittenden Fremden die Türe zu öffnen. Unverrichteter Dinge kehrten die Männer nach Langenthal zurück. In ihrer Stammbeiz nahm der Bandenchef einen personellen Wechsel in der Räuberequipe vor. Zwei Stunden später standen erneut drei Kosovaren vor der Beiz. Sie wuchteten ein Fenster auf. Nach einer weiteren Lagebesprechung in Langenthal kletterten sie kurz vor Mitternacht in das Gebäude.

Drei der acht Osteuropäer sassen am Donnerstag wegen Raubes, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs vor dem Regionalgericht Emmental-Oberaargau. Trotz der zum Teil schweren Vorwürfe hatte das Gericht unter dem Vorsitz von Roger Zuber leichtes Spiel. Die Pflichtverteidiger der Beschuldigten hatten sich mit der Anklagebehörde schon vor dem Prozess auf die Strafen einigen können. Das Gericht musste die vorgeschlagenen Verdikte nur noch auf ihre Angemessenheit hin prüfen und bestätigen.

Ausschaffung steht im Raum

Ein 27-jähriger und vorbestrafter Angeklagter, der sich als Chauffeur zur Verfügung gestellt hatte, wurde zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 26 Monaten verurteilt. Gleichzeitig widerrief das Regionalgericht einen «Bedingten» von 13 Monaten, den das ­Solothurner Obergericht verhängt hatte. Nach der Verhandlung wurde der Familienvater hinter Gitter zurückgebracht. Dass er sein Leben nach der Haftentlassung in der Schweiz verbringen kann, ist laut Verfahrensbeteiligten unwahrscheinlich.

Mit 24 Monaten bedingt kam ein zweiter Fahrer davon. Er gehörte ebenfalls nicht zu den Drahtziehern und war «eher aus Pech», wie der Gerichtspräsident bemerkte, in die üble Sache gerutscht. Die Polizei führte den Beschuldigten in Fussfesseln in den Saal, wo er eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten erhielt. Das Verwaltungsgebäude in der Neumatt verliess er als freier Mann.

12'000 Franken Schadenersatz

Ein Täter, der im Rössli aktiv gewesen war und sich auch mehrerer Diebstahlversuche und Sachbeschädigungen in Grenchen schuldig bekannt hatte, kassierte eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten. Er wird laut Zuber bald ausgeschafft.

Alle drei Verurteilten müssen – zumindest theoretisch – die Verfahrenskosten in fünfstelliger Höhe, die Honorare für ihre amtlichen Verteidiger plus einen Anteil an den Schadenersatz von rund 12'000 Franken bezahlen, den das Regionalgericht Emmental-Oberaargau dem Beizer zusprach.

Abgeschlossen ist der Fall Rössli damit allerdings noch nicht. Gegen zwei Räuber werde weiterhin ermittelt, sagte die Anklagevertreterin am Rande der Verhandlung. Drei Mitglieder der Bande seien zur Verhaftung ausgeschrieben. (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 31.03.2017, 18:08 Uhr

Amtsmissbrauch?

Das «letzte Wort» vor der Urteilsberatung nutzen Angeklagte – wenn überhaupt – meist dazu, sich für ihre Taten zu entschuldigen, Reue zu bekunden und zu versichern, dass was auch immer «nie mehr» vorkommen werde.

Einer der drei Beschuldigten im Rössli-Verfahren sorgte mit seiner Schlussbemerkung jedoch für eine echte Überraschung. Er teilte dem Regionalgericht Emmental-Ober­aargau mit, er sei bei seiner Verhaftung schon gefesselt und wehrlos am Boden gelegen, als ihm ein Polizist einen Fusstritt gegen den Kopf verpasst habe.
Die Staatsanwältin versprach noch im Saal, dieser Anschuldigung nachzugehen. Die Anklagebehörde werde prüfen, ob ein Fall von Amtsmissbrauch und damit ein Offizialdelikt vorliege.

Ganz einfach dürften sich diese Ermittlungen nicht gestalten: Die fragliche Verhaftung fand in einem Restaurant in Brüssel statt, und der Albaner, der den Vorwurf erhoben hat, wird nach seiner Verurteilung wegen Raubes, versuchten Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs demnächst ausgeschafft.

Gerichtspräsident Roger Zuber empfahl dem Verurteilten so oder so, die Sache der Staats­anwaltschaft zu überlassen. «Von jedem anderen Gedanken daran, wie Sie das angeblich oder tatsächlich erlittene Unrecht geradebiegen könnten, rate ich Ihnen dringend ab», sagte er.

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