Melchnau

Und wieder lockt die Kunst

MelchnauDie zweite ­Ausgabe des Kunstwegs zum Schlossberg wartet mit Arbeiten von 25 Künstlern aus dem In- und Ausland auf. Diese laden dazu ein, sich mit der Historie des Ortes auseinanderzusetzen.

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Die Konturen eines Höhlenforschers aus einem Gemälde des späten 18. Jahrhunderts, fein säuberlich herausgeschnitten im Wegweiser der Künstlerin Barbara Wiggli: Passender könnte der Auftakt zum nun folgenden Rundgang kaum sein.

Nicht nur, dass es auf den anstehenden 3 Kilometern auf und um den Melchnauer Schlossberg so einiges zu entdecken, zu erforschen und zu hinterfragen gibt. Es sind auch ganz unterschiedliche Stile und Herangehensweisen, mit denen sich die 25 Kunstschaffenden bei dieser zweiten Ausgabe von Kunst am Schlossberg befassen.

Auf dem Weg hinauf zu den Burgruinen, wo einst die Frei­herren von Langenstein und Grünenberg hausten, mitten in der Wiese stehen die Bildwelten von Willy Jost. Der Busswiler Fotograf war schon bei der Erstausgabe 2015 mit von der Partie – und als OK-Mitglied Mitinitiant des Melchnauer Kunstwegs.

In Scharen sind die Besucher damals ­jeweils zum Schlossberg hochgestiegen. Das hat für Betrieb ebenso bei den örtlichen Läden und Beizen geführt. «Mit dem Erfolg von damals sind die Ansprüche gewachsen, auch seitens der Leute im Dorf», weiss Jost.

Alles habe man deshalb nun ein bisschen professioneller anzugehen versucht. Am Auftritt an sich wurde gefeilt. Die beteiligten Kunstschaffenden werden entschädigt. Und auch ein Kurator wurde mit Michael Blume beigezogen.

Im Dialog mit der Umgebung

Einheimische ebenso wie auswärtige Künstler hat der Wahl-Niederbipper zur Ausstellung eingeladen, sollte der Kunstweg doch über ein blosses Aufzeigen des lokalen Schaffens hin­aus­gehen.

«Wichtig war, dass die Künstler einen Bezug nehmen zum Ort, zu dessen Geschichte oder der Natur», erklärt Blume. Interventionen in die Umgebung sollten es sein, nicht nur ein Ausstellen von Exponaten.

So führt der Rundgang vorbei an Ritterfiguren eines Werner Neuhaus, am gigantischen Wurzelwerk eines Pavel Schmidt, hinauf etwa zur kaleidoskopartigen Konstruktion von Günter Stangelmayer im ehemaligen Burggraben, über Wiesen vorbei an den Kühen des letzten November verstorbenen Brutus Luginbühl.

Der Melchnauer Michael Kammer etwa hat in den Höhlen des Schlossbergs schon als Kind nach Haifischzähnen gesucht, die hier seit Tausenden von Jahren im Stein ruhen sollen. Jetzt hat er zwei Höhlen mit Metallfischen bestückt.

Direkt unterhalb des ehemaligen Eingangs von Burg Langenstein wiederum hat Bianca Ott den Motiven neue Träger gegeben, mit denen einst die Zisterziensermönche ihre Backsteine zierten. Das Adelsgeschlecht der Langenstein war es, das 1194 die Gründung des Kloster St. Urban veranlasste.

Etwas unterhalb der Burganlagen sind Katrin Leitner und ihr Mann Walter Peter drei Tage vor der Vernissage fleissig mit Schaufeln beschäftigt. Es sind Keramiken mit Leiterplattenmustern, die das Kasseler Künstlerpaar HÜX’L XL in seiner «postfuturistischen Ausgrabungsstätte» zum Vorschein bringt.

Auch die Skulpturen des Buchsers Joss Uhlmann und des Lotzwilers Christian Ryter machen den Schlossberg zum Ort der Geschichte, wie sie erst die gegenwärtige Gesellschaft prägt.

Diskussion erwünscht

Es gehe darum, den Menschen Kunst näherzubringen, sagt Kurator Michael Blume. Zum Nachdenken anzuregen. Diskussionen auszulösen. «Die Leute dürfen auch nicht zufrieden sein mit einem Werk.» Denn oft sei es das, was nicht auf Anhieb gefalle, was bleibe. Und es darf auch innegehalten werden.

In einer der beiden Kapellen des Wangenrieders Reto Bärtschi zum Beispiel. Oder in der Pyramide des Spaniers Nano Valdes ganz oben auf Grünenberg. Als grosse Camera obscura lädt sie zum Gang auf dem Himmel – wenn denn das Wetter mitspielt.

«Überhaupt», sagt Willy Jost, «müsste man den Weg bei allen Tageszeiten und Witterungen einmal besucht haben.» So verschieden würden die Werke je nach Lichteinfall wirken.

Zeit für wiederholte Ausflüge nach Melchnau ist vorhanden. Bis zum 5. August bleibt der Kunstweg bestehen – mehr als einen Monat länger als noch 2015.

Vernissage: Samstag, 17 Uhr, Turnhalle Melchnau. Mehr unter: kunstamschlossberg.ch. (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 10.05.2018, 20:29 Uhr

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