Aarwangen

Mehr Wohnungen, mehr Abwasser

AarwangenDie geplante Überbauung hinter dem Bahnhof bleibt nicht unbestritten. Was den einen nicht gefällt, weckt bei Anwohnern der nahen Riedgasse Ängste. Sie haben schon heute mit einer überlasteten Kana­lisation zu kämpfen.

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Es ist mit 42 Wohnungen in drei Neubauten und unterirdischer Einstellhalle nicht gerade ein kleines Vorhaben, das da zwischen Bahnlinie und Jurastras­se Realität werden soll hinter dem Bahnhof Aarwangen. Grosse Wel­len geschlagen hat es bisher allerdings nicht. Gerade einmal eine Einsprache hat es vor einem Jahr gegeben gegen die Überbauungsordnung Dorf, in deren Rahmen die Bauvorschriften für die planungspflichtige Zone festgelegt wurden.

Mehr waren es nun im Zug des aktuellen Baube­willigungsverfahrens. Vier Einsprachen sind beim zuständigen Regierungsstatthalteramt eingegangen; neben drei Einzeleinsprachen auch eine kollektive mit insgesamt vier zeichnenden Parteien.

Ihr Problem sei nicht die Überbauung an sich, stellt Werner Obrist als einer der Beteiligten klar. Was ihm und weiteren Anwohnern der nahen Riedgasse Sorgen bereitet, ist vielmehr das Abwasser, das von den Neubauten aus über die Hauptkanalisation in Richtung ihrer Liegenschaften fliessen soll.

Schacht am Limit

Schon heute komme es bei starken Regenfällen immer wieder zum Rückstau im bestehenden Schacht an der Riedgasse, erklärt Obrist. Drei Zuflüsse führen heute schon zum Schacht mit nur einem Auslauf. Immer wieder ist das Kanalisationswasser an der Riedgasse in der Vergangenheit daher in die Keller getreten. «Wir haben deshalb einfach unsere Bedenken, wenn man jetzt noch mehr Abwasser zu uns rüberleiten will.»

Die Bedenken seien natürlich nachvollziehbar, sagt Bauverwalter Stefan Janzi. Das Problem der Kanalisation an der Riedgasse sei nicht von der Hand zu weisen. Allerdings, betont der Bauverwalter, sei es nicht Aufgabe der gesuchstellenden Navin AG, dieses zu lösen. «Die Abwasserentsorgung ist Aufgabe der öffentlichen Hand.»

Eine Entlastung verspricht sich der Bauverwalter durch das bei der Überbauung vorgesehene Trennsystem, das das Sauberwasser anders als bei den Zuleitungen der weiter oben gelegenen Siedlungsgebiete separat ableiten wird. Es sei vor allem diese Sauberwasserzufuhr, die an der Riedgasse bei starken Re­genfällen zum Rückstau führe, erklärt Janzi. Nichtsdestotrotz werde das Problem in absehbarer Zeit gelöst werden müssen. Eine entsprechende Massnahme sei denn auch Bestandteil der generellen Entwässerungsplanung.

«Wenn man eine Lösung findet, damit ich künftig keinen Rückstau mehr habe, ist alles gut.»Werner Obrist, Anwohner

Ob das die Einsprecher beruhigt, wird sich zeigen. Die Zeichen deuten darauf hin: «Wenn man eine Lösung findet, damit ich künftig keinen Rückstau mehr habe, ist alles gut», sagt Werner Obrist. Die Überbauung an sich sei nicht sein Problem.

«Mehr erhofft»

Anders verhält es sich bei Urs Berchtold. Der benachbarte Landwirt am Schmidtenweg war es, der sich schon vor einem Jahr gegen die Überbauungsordnung gewehrt hatte. Die mehr als 12 Meter hohen Bauten würden sich nicht vertragen mit seinem als erhaltenswert eingestuften Bauernhaus, sagt er. Erneut hat er im Zug des aktuellen Baubewilligungsverfahrens deswegen Einsprache gemacht gegen das Projekt. Und steht diesmal nicht mehr ganz allein da.

Auch Alt-SP-Präsidentin Barbara Sägesser stört sich an den geplanten Neubauten. «Von einer Zentrumsüberbauung hätte ich mir mehr erhofft, mehr Begegnungsort, vor allem mehr Innovation», kritisiert sie die Planung. Wohlwissend zwar, dass sie sich gegen das mit der Überbauungsordnung längst bewilligte Grundkonzept früher hätte wehren müssen. «Ein Zeichen setzen», sagt sie, wolle sie mit ihrer Einsprache trotzdem. «Die Überbauung ist nicht das, was man uns ­seinerzeit versprochen hat.»

Begegnung anderswo

Ein Vorwurf, den Bauverwalter Stefan Janzi so allerdings nicht stehen lassen will. Schon bei der Präsentation des sogenannten Masterplans 2010 machte der Gemeinderat seine Absicht publik, das heute weitgehend brachliegende Areal hinter dem Bahnhof von privater Hand verdichtet überbauen zu lassen. Von einem Begegnungsort, stellt Janzi klar, sei in diesem Zusammenhang nie die Rede gewesen. Ein solches Dorfzentrum ist zwar ebenfalls Bestandteil des besagten Masterplans. Entstehen soll es dereinst aber ennet der Ortsdurchfahrt auf dem heutigen Schulhausplatz.

Im Frühling stimmen die Aarwanger bekanntlich neuerlich ab über die Umnutzung des Dorfschulhauses zum Verwaltungsgebäude – und gleichzeitig über den damit verbundenen Schulhausneubau in der Sonnhalde (wir berichteten). Erst wenn die Schule umgezogen sei, werde man das gesamte Areal als zentralen Begegnungsort mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten, vor allem auch als grosser Marktplatz, nutzen können, erklärt Janzi. (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 26.09.2017, 22:15 Uhr

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