Der Stadtrat hat Farbe bekannt

Langenthal spricht sich für die Fusion mit Obersteckholz aus. Die Widerstände Einzelner zur Wasserversorgung werden von den Fraktionen zwar kritisiert, doch stehen fast alle hinter einer Hochzeit.

Aufatmen bei Heinrich Jörg: Der Obersteckholzer Gemeindepräsident war mit vielen Gästen angereist.

Aufatmen bei Heinrich Jörg: Der Obersteckholzer Gemeindepräsident war mit vielen Gästen angereist. Bild: Thomas Peter

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Kaum ist das erste Traktandum vorüber, verlassen 30 Gäste den Saal. Im Foyer ist ihre Stimmung gelöst. Erleichtert und überrascht sei er, sagt einer.

An der Stadtratssitzung am Montagabend war nicht nur der Obersteckholzer Gemeinderat zugegen, sondern auch interessierte Einwohner. Schliesslich ging es ja um nichts weniger als die Zukunft des Dorfes. Und der Langenthaler Stadtrat will diese Zukunft mit Obersteckholz gestalten. 36 der 37 anwesenden Rätinnen und Räte sprachen sich für den Grundsatzentscheid zur Fusion aus – dem bereits zweiten nach jenem im Jahr 2016.

Damit wird der Gemeinderat mit dem weiteren Vollzug beauftragt. Dieser erhält aber bei den Verhandlungen keine Carte blanche, wie in einem Antrag der FDP/JLL-Fraktion verlangt. Denn der Stadtrat lehnte diesen mehrheitlich ab.

Keine Vorbehalte

Pascal Dietrich (FDP) forderte im Namen der Fraktion, einem Abänderungsantrag zuzustimmen. Damit wäre der Gemeinderat bevollmächtigt worden, Fusionsgespräche weiterzuführen – unter der Bedingung, erst das Wasserproblem zu lösen. Denn das Querstellen der Wasserversorgungsgenossenschaft Obersteckholz hatte die Verhandlungen auf Eis gelegt. «Es kommt nicht gut, wenn wir das Problem von aussen angehen wollen», sagte Dietrich. Und FDP-Parteipräsident Diego Clavadetscher verlangte, dass so lange verhandelt werden solle, bis etwas Definitives auf dem Tisch liege. «Unter Vorbehalt stimmen wir keiner Fusion zu.»

Ganz anders sah dies die SP/GL-Fraktion: Der Stadtrat solle den Beschluss des Gemeinderates gutheissen und mit der Fusion vorwärtsmachen, verlangte SP-Präsident Roland Loser. Serge Wüthrich (GL) pflichtete ihm bei: «Die neue Lösung ist für uns nicht ideal, aber für Obersteckholz essenziell.» Einen Plan B gebe es für die Gemeinde bekanntlich nicht. Es sollten keine Bürger abgestraft werden, die schon längst eine Fusion mit Langenthal wollten.

Knapper Entscheid

Stadtpräsident Reto Müller (SP) sprach sich ebenfalls gegen eine Carte blanche aus, obwohl er das dem Gemeinderat entgegengebrachte Vertrauen zu schätzen wisse. Aber der Abänderungsantrag würde das Feld für Diskussionen wieder weit öffnen. «Wir wollen die Verhandlungen fortführen und dann mit einem Fusionsantrag mitsamt Reglement zurückkommen.» Bereits im Vorfeld machte Müller keinen Hehl daraus, dass bei diesem Geschäft seitens Langenthal auch viel Ärger und Frust mit dabei war. Trotzdem wolle der Gemeinderat mehrheitlich fusionieren.

Wie die Geschäftsprüfungskommission mitteilte, war das Votum mit drei zu drei Stimmen und einem Stichentscheid aber doch äusserst knapp.

«So etwas sage ich sonst nie»

Die SVP zeigte sich erst unschlüssig, ob sie dem Beschluss des Gemeinderates oder dem Antrag der FDP/JLL-Fraktion folgen wollte. Erstaunlich direkt äusserte sich aber Stadtratsvizepräsident Patrick Freudiger (SVP): «So etwas sage ich ja sonst nie, aber der Sprecher der SP/GL-Fraktion hat absolut recht.» Die Fusion sei eine Chance für Langenthal, gerade auch aus raumplanerischer Sicht.

«Zudem bin ich nicht bereit, eine Gemeinde hängen zu lassen wegen einiger weniger, die sich verweigern», sagte Freudiger weiter. Ehrlich und offen solle der Rat sein und Farbe bekennen. Das Resultat zeigt: Der Stadtrat will an einer Fusion festhalten – zur Erleichterung der angereisten Gäste. (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 27.03.2018, 06:34 Uhr

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