Der «Mohren» steht zum Verkauf

Huttwil

Das Hotel Kleiner Prinz, ehemals Mohren, in Huttwil steht wieder zum Verkauf. Ob die Pächter ihr Vorkaufsrecht wahrnehmen oder die Gemeinwesen aktiv werden, ist derzeit noch offen.

Wer übernimmt? Die aktuelle Verkehrswertschatzung für den Kleinen Prinzen fällt tiefer aus als die 3,5 Millionen Franken, die vor zwei Jahren im Raum standen.

(Bild: Marcel Bieri)

Vor zwei Jahren war das Hotel Kleiner Prinz – in Huttwil immer noch besser bekannt unter dem traditionellen Namen «Mohren» – im Städtchen in aller Munde, es sorgte sogar für einen Grossaufmarsch an der Gemeindeversammlung. Denn die langjährigen Wirtsleute Fritz und Käthi Graber dachten ans Aufhören und schreckten damit die Verantwortlichen der Einwohnergemeinde auf. Denn immerhin ist der Städtlisaal der grösste Veranstaltungsort von Huttwil, wo Gemeindeversammlungen und Vereinsanlässe stattfinden.

Dafür besorgt, dass der Kleine Prinz inzwischen wieder aus dem Fokus von Gemeinderat und Bevölkerung verschwand, waren Kathrin und Ernst Nägeli, die das Traditionshaus Anfang 2016 in Pacht nahmen. Sie schlossen mit Fritz und Käthi Graber einen zweijährigen Pachtvertrag ab, der ein Vorkaufsrecht einschloss.

Frist bis Ende Juli

Doch nun nähert sich dieser ­seinem Ende. Und wie Recherchen dieser Zeitung ergaben, haben die Besitzer wieder Verkaufsanstrengungen lanciert. Fritz Graber verweist zwar an Fritz Rohrer, Vizedirektor von Gastroconsult in Bern, den er dafür mandatiert habe. Dieser jedoch bestätigt, dass er eine neue Verkehrswertschatzung vorgenommen habe und diese sowohl den Pächtern wie auch Einwohner-, Burger- und Herdgemeinde vorgelegt habe. Er lud sie ein, bis ­Ende Juli mitzuteilen, ob sie Interesse an einem Kauf haben. Liege bis dann kein Interesse aus Huttwil vor, werde er den Gasthof öffentlich ausschreiben.

Die drei Gemeinwesen von Huttwil hatten bereits vor zwei Jahren ein Kaufangebot für den Kleinen Prinzen: Für 3,5 Millionen Franken hätten sie die Liegenschaft übernehmen können. Mit grossem Mehr ermächtigte die Rekordgemeindeversammlung damals den Gemeinderat, in Kaufverhandlungen einzutreten, wobei Herd- und Burgergemeinde mit ins Boot geholt und der ­Erwerb einer noch zu gründenden Gesellschaft übertragen werden sollte.

Nach dem Einstieg der neuen Pächterfamilie konnte Gemeindepräsident Hansjörg Muralt (SVP) an der nächsten Versammlung im Dezember 2015 dann den Abbruch der Übung bekannt geben: Weil die Besitzer den Pächtern inzwischen ein Vorkaufsrecht eingeräumt hatten, machte es für den Gemeinderat und die Räte der burgerlichen Korporationen keinen Sinn mehr, die Verhandlungen weiterzuführen.

War damals von einer Preis­vorstellung der Wirtsleute von 3,5 Millionen Franken die Rede, geht die neueste Verkehrswertschatzung von einem Betrag von unter 3 Millionen Franken aus, wie Fritz Rohrer informiert. Dazu wollten sich auf Anfrage weder Kathrin Nägeli noch Gemeindeverwalter Martin Jampen äussern. Sie und ihr Mann würden jedoch in der gesetzten Frist darauf eingehen, erklärt die Pächterin.

Mehr Zeit nötig

Für den Gemeindeverwalter hingegen ist bereits jetzt klar, dass Einwohner-, Burger- und Herdgemeinde bis Ende Juli keine Antwort geben können. Er gehe davon aus, dass bis Ende August ein Entscheid der drei Räte vorliegen könne, ob die Verhandlungen wieder aufgenommen werden sollten. Dann müssten die drei Gemeinwesen einen Ausschuss einsetzen, der sich der aktuellen Offerte annehmen und Lösungswege aufzeigen könne.

Vor Ende Oktober, haben die Präsidien der drei Räte Fritz Rohrer klargemacht, könne er von dieser Seite keine Antwort erwarten. Dieser wiederum wünscht, dass die Räte das Geschäft prioritär behandeln und ihm vor Ende Oktober einen Entscheid mitteilen können.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt