Langenthal

Brauerei dreht Hasli den Hahn zu

Langenthal Mit der Marke 49er hat die Brau AG einen Coup gelandet. Die trendigen Biere laufen den klassischen Varianten schon jetzt zeitweise den Rang ab. Der Name Hasli soll deshalb bald verschwinden – zumindest in flüssiger Form.

Die 49er-Linie der Brau AG erhält Zuwachs: Zwei neue Biere können Braumeister Dieter Dingeldein (v.l.), Geschäftsführer Peter Kläfiger und VR-Präsident Kurt Schär präsentieren.

Die 49er-Linie der Brau AG erhält Zuwachs: Zwei neue Biere können Braumeister Dieter Dingeldein (v.l.), Geschäftsführer Peter Kläfiger und VR-Präsident Kurt Schär präsentieren. Bild: Thomas Peter

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Detaillierte Geschäftszahlen gibt die Langenthaler Brau AG nicht bekannt. Verwaltungsratspräsident Kurt Schär bestätigt aber, dass die Verkaufszahlen bei den schwarzen 49er-Flaschenbieren «stark steigend» seien, während jene der klassischen Hasli-Varianten stagnieren würden.

«In diesem Jahr ist es erstmals vorgekommen, dass wir mit der Marke 49er in gewissen Monaten mehr Umsatz erzielt haben als mit den Hasli-Varianten», ergänzt Peter Kläfiger, Geschäftsführer der Brau AG.

Die Zukunft: Nur noch 49er-Biere:

Mit anderen Worten: Ein junges Trendgetränk überflügelt knapp zweieinhalb Jahre nach der Lancierung die Klassiker aus den Anfangsjahren der Brau AG. Das Unternehmen wurde 2001 gegründet.

«Strategien gewälzt»

Diese Entwicklung hat nun Konsequenzen: Den Namen Hasli wird es in Bierform künftig nicht mehr geben. Der Verwaltungsrat habe «intensiv Strategien gewälzt», so Schär. Entschieden wurde: Das Lager, das Dunkel und das Weizen sollen verschwinden beziehungsweise in die 49er-Linie eingefügt werden.

Das Hasli Lager soll ins Draft integriert werden. Für das helle Bier wird es also nur noch eine Rezeptur geben – und zwar jene des Drafts. Aus dem Weizen soll derweil ein 49er Wheat werden, aus dem Dunkel ein 49er Dark. Während das herkömmliche Hasli komplett verschwindet, erhalten die dunkle und die Weizen-Variante laut Kurt Schär «leicht modifizierte Rezepturen». Denn: «Wenn alles genau gleich bleiben würde, wäre es ein Etikettenschwindel.»

Der Richtungswechsel geschieht mit Blick auf die Vergangenheit. Nach zuletzt zwei Jahren mit roten Zahlen – 2015 resultierte ein Minus von 53 000 Franken – möchte die Brau AG nun endlich kontinuierlich schwarze Zahlen schreiben. «Die Marke 49er ist top und erfolgreich. Und wenn etwas erfolgreich ist, muss man es konsequent weiterziehen», sagt Marketingspezialist Schär überzeugt, der erst seit knapp eineinhalb Jahren Einsitz im Verwaltungsrat hat.

«Während das 49er praktisch nur Anhänger hat, kennt das Hasli sowohl Nichtfans als auch Fans.»Kurt Schär, VR-Präsident Brau AG.

War das Hasli rückblickend betrachtet also ein Misserfolg? «Nein», sagt der VR-Präsident, «aber wenn ein Produkt seit Jahren immer wieder mit den gleichen Vorurteilen zu kämpfen hat, so muss sich etwas ändern.»

Schär spielt auf die alten Vorbehalte an, die viele Leute den Hasli-Bieren gegenüber seit den Anfangsjahren hegen. «Wir hoffen, dass mit dem Wechsel auch diese ­alten Ressentiments endlich verschwinden werden.» Die Produkte der Brau AG sollen fortan einheitlich, dynamisch und modern daherkommen.

Was sagen die ­Anhänger?

«Während das 49er praktisch nur Anhänger hat, kennt das Hasli sowohl Nichtfans als auch Fans», sagt Schär. Fraglich ist, ob sich die Anhängergemeinde nicht etwas vor den Kopf gestossen fühlen wird. Diesem Risiko will die Brau AG mit einer «guten und konsequenten Kommunikation» entgegenwirken.

Ganz verschwinden wird der Name Hasli denn auch nicht. Das Restaurant an der St. Urbanstrasse bleibe schliesslich das Hasli – auch wenn die Bezeichnung korrekterweise eigentlich Brasserie Quelle heisse. Die Verantwortlichen lassen jedoch durchblicken, dass sich das Erscheinungsbild des Restaurants mit der Umstellung auch leicht verändern und dem 49er-Design angepasst wird.

Schluss: Das Hasli wird abgelöst:

Gelöst hat man sich indessen zu Teilen von der Verwendung des Wassers aus der Hasli-Quelle. Der Grund: die schwankende Wasserqualität. «Die Quelle ist je länger, desto instabiler», hält Schär fest. Verwendet wird deshalb seit einiger Zeit vorwiegend Wasser aus dem lokalen Versorgungsnetz.

Das soll auch in Zukunft so sein. Seit der Umstellung auf das WUL-Wasser sei die Qualität besser. Hinzu komme, dass durch Investitionen in die Infrastruktur und anhand baulicher Massnahmen in der Brauerei «gewisse Risiken eliminiert werden konnten». Verbessert wurde etwa der Verlauf der Leitungen. Die Führung derjenigen war durch den sukzessiven Ausbau der Lagerkapazitäten nicht mehr optimal. Mittlerweile können an der St. Urbanstrasse 35'000 Liter gelagert werden.

49er am Glatte Märit

Spätestens im Frühling 2017 wird die Umstellung von Hasli auf die Marke 49er komplett vollzogen sein. Eine Übergangszeit entsteht nicht zuletzt deshalb, weil noch gewisse Lagerbestände an Verpackungsmaterial eliminiert werden sollen.

Schon bald jedoch, am Glatte Märit, sollen die beiden neuen 49er-Biere Wheat und Dark präsentiert werden – zusammen mit den vier bestehenden (Draft, Red Ale, Imperial Stout, India Pale Ale). Die Brau AG wird vom 11. bis zum 13. November mit einem Stand in der Markthalle vor Ort sein.

Die Umstellung erlaubt es der Brauerei im Übrigen auch, künftig punktuell gewisse 49er-Sorten in den Offenausschank zu geben. Diverse Gastronomen hätten den Wunsch geäussert, das Trendbier auch offen ausschenken zu können.

Dieser Schritt könnte sich für die Brau AG finanziell lohnen: Man wolle den rund 2400 Aktionären schliesslich «etwas Gutes» präsentieren können. Ob bereits in diesem Jahr schwarze Zahlen geschrieben werden können, ist indes fraglich.

Im Zusammenhang mit dem nun vollzogenen Wechsel seien Investitionen nötig gewesen, nennt Schär einen hindernden Faktor. «Dieses Jahr ist noch ein hartes Jahr», sagt der VR-Präsident, den Blick in eine vielversprechende Zukunft gerichtet. (Berner Zeitung)

Erstellt: 03.11.2016, 07:53 Uhr

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