Biberstau am Bahndamm

Wynau/Roggwil

Weil Biberbauten den Brunnbach stauen, steht der Bahndamm im ohnehin rutschgefährdeten Gebiet nördlich der Brunnmatt zeitweise fast bis zur Hälfte unter Wasser. Die SBB entwarnen: Man habe die Situation im Griff.

Unproblematische Nachbarschaft:?Von den Biberbauten am Brunnbach geht für die Bahn keine Gefahr aus, davon sind die SBB überzeugt.

Unproblematische Nachbarschaft:?Von den Biberbauten am Brunnbach geht für die Bahn keine Gefahr aus, davon sind die SBB überzeugt.

(Bild: Thomas Peter)

Kathrin Holzer

Es ist ein ungutes Gefühl, das Fritz Leu beim gewohnten Gang ins Motzet-Areal in diesen Wochen stets begleitet. Als Mitglied des Fischereivereins Oberaargau füttert der Aarwanger regelmässig die Fische in der vereinseigenen Zuchtanlage im Grenzgebiet zwischen Wynau und Roggwil.

Dass sich im Landschaftsschutzgebiet auch der Biber wohl fühlt, ist bekannt – und sei für die Fischer an sich kein Problem, sagt Leu. Sorgen bereiten ihm jedoch die vielen Dämme, die der Biber im Brunnbach errichtet hat, und die dafür sorgen, dass der viel befahrene Bahndamm neben dem Verkehrssicherheitszentrum in der Roggwiler Brunnmatt mittlerweile zu einem guten Teil unter Wasser steht.

Teure Hangsicherung

Fritz Leus Sorgen kommen nicht von ungefähr: Die Wynauer Höchi ist von jeher bekannt für ihre Instabilität. Erst vor wenigen Jahren haben die SBB eine Stützmauer zusätzlich sichern und den Hang für 3,8 Millionen Franken entwässern müssen, um die Rutschgefahr einzudämmen – immerhin rattern Züge heute mit bis zu 200 Stundenkilometern über den Bahndamm am Fusse der Höchi.

Nun stehe ebenjener Damm nach starkem Regen teils bis zur Mitte unter Wasser, sagt Leu. Das führe womöglich zu einer Unterspülung des Bahn-2000-Trassees. «Können die SBB das wirklich verantworten?», fragt der Aarwanger.

Kein Bezug zum Rutschhang

SBB-Sprecher Reto Schärli kann beruhigen. «Eine Fachfrau der SBB war erst diese Woche vor Ort, um sich nochmals ein Bild zu machen», erklärt er. Sie habe nichts vorgefunden, das der Bahn gefährlich werden könnte. Das gestaute Wasser würde erst dann zur Gefahr, wenn es Material auf die Gleise schwemmen würde, führt Schärli aus. Für den Bau eines so hohen Dammes fehle es den Bibern im Gebiet aber schlicht an Material. «Zudem wird die Fliessgeschwindigkeit des Baches durch die Stauung vermindert», sagt Schärli. Ausspülungen des Bahn-2000-Trassees seien deshalb keine zu befürchten.

Die Lage werde aber laufend neu beurteilt, versichert Schärli. «Derzeit gehen wir davon aus, dass wir die Biber in ihrem Paradies gewähren lassen können.» Sollte sich an der Lage irgendetwas ändern, stellten dies oft die durchfahrenden Lokführer als Erste fest. Die SBB beschäftigen gemäss dem Mediensprecher darüber hinaus aber eine ganze Abteilung, die das gesamte rund 3000 Kilometer lange Streckennetz fortlaufend überprüfe.

Skepsis bleibt

Fritz Leu bleibt trotzdem skeptisch. «Man muss das Wasser doch regulieren», sagt er. Es gehe dabei nicht darum, den Biber zu verdrängen, betont er. Der Fischereiverein werde sich deshalb auch hüten, die Biberdämme eigenhändig aus dem Brunnbach zu beseitigen. Das habe man vor Jahren einmal gemacht und dafür vom Wildhüter einen deutlichen Rüffel erhalten.

Berner Zeitung

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