Ursenbach

Als Vollpension noch vier Franken kostete

Ursenbach Heute erinnert nur noch der Name des Landgasthofs daran, dass hier einst Gäste aus Nah und Fern Badekuren machten. Zahlreiche ­Besitzerwechsel prägten die Geschichte des Hirsernbads.

80 Jahre später sind die Strasse und der Vorplatz geteert und die grosse Linde gefällt.

80 Jahre später sind die Strasse und der Vorplatz geteert und die grosse Linde gefällt. Bild: Thomas Peter

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«Leider existieren von den Badekammern keine Fotos», sagt Esther Duss, während sie in die Richtung des Gebäudes zeigt, in dem bis 1950 Badegäste ein und aus gingen. Zwar fehlen Bilder vom Badehaus in Ursenbach. Vom dazugehörigen Landgasthof Hirsernbad – früher unter dem Namen Bad Hirsern bekannt – hat das heutige Wirtepaar Esther und Roger Duss jedoch zahlreiche Fotos und Postkarten in seiner Sammlung.

So auch das obere Bild. Es stammt aus der Zeit um 1933. Im Laufe der letzten 80 Jahre hat sich einiges verändert. So wurde die Naturstrasse Mitte des 20. Jahrhunderts geteert. Wo die alte Linde den Blick aus den Fenstern des Anbaus versperrte, hat man heute freie Sicht auf die Umgebung. Auch sämtliche Dachlukarnen sind verschwunden. Da sie nicht den Vorschriften entsprochen hätten, habe ein Vorgänger sie zurückbauen lassen, sagt Roger Duss.

Vor 26 Jahren stieg er mit seiner Frau Esther in den Betrieb seiner Eltern Irma und Georges Duss ein. Seit 2003 führen die beiden den Landgasthof alleine. Renovationen am 175-jährigen Gebäude sind immer wieder nötig. «Es ist ein Fass ohne Boden», so Esther Duss.

Wasser aus eigener Quelle

Bevor der Gasthof 1842 von Elisabeth und Jakob Richard gebaut wurde, bewirtete die Familie in ihrem Bauernhaus auf der gegenüberliegenden Strassenseite erste Gäste. Wann genau das war, ist Esther und Roger Duss nicht bekannt. Anfang der 1840er-Jahre wurde ausserdem etwas abseits des Gasthofs in einer Hütte ein Badebetrieb aufgenommen. Bis heute beziehen die Wirtsleute auf der Hirsern ihr Wasser aus der eigenen Quelle im Bergwald.

In den 1930er-Jahren kamen die Gäste des Landgasthofs auf einer Kiesstrasse gefahren. Eine Linde versperrte die Sicht aus den Fenstern des Anbaus. Bild: zvg

Da die Leute noch keine Badezimmer zu Hause hatten, wurde die Einrichtung anfänglich vor allem von der Bevölkerung aus der Umgebung genutzt. Nebst Gasthof, Bauernhof und Bad betrieb der damalige Besitzer Jakob Richard auch noch eine Fuhrhalterei. 1896 wurde der ganze Betrieb schliesslich an die Gebrüder Wittwer verkauft.

Unruhige Zeiten

Seit der Wende zum 20. Jahrhundert fanden zunehmend wohlhabende Gäste, unter anderem aus Zürich und Basel, den Weg nach Ursenbach. Eine Übernachtung mit Vollpension kostete damals vier Franken. 1933 erweiterte Familie Wittwer den Anbau, der bereits 1869 erstellt worden war. Dieser ist rechts im Bild zu sehen.

1934 übernahm die nächste Generation den Betrieb. Landwirtschaft und Gastronomie werden seither getrennt geführt. Als Familie Wittwer den Gasthof Anfang der 1960er Jahre verkaufte, folgte eine unruhige Zeit für das Hirsernbad. Innert 13 Jahren gab es vier Besitzerwechsel.

Mit der Übernahme durch Irma und Georges Duss 1976 blühte das Hirsernbad wieder auf. Heute ist der Betrieb mit 14 «Gault Millau»-Punkten ausgezeichnet. «Wir wollen aber kein Gourmettempel sein», sagt Esther Duss, «Uns ist wichtig, für alle da zu sein.» Denn das Hirsernbad sei ein traditioneller Landgasthof. «Das soll er auch bleiben.» (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 24.10.2017, 10:20 Uhr

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