Die Solidarität spielt im ganzen Kanton

Aarwangen

Mit gut 60 Prozent ist der Projektierungskredit für eine Umfahrungsstrasse bei der Berner Stimmbevölkerung durchgekommen. In allen Verwaltungskreisen wurde dem Kredit zugestimmt. Am deutlichsten erwartungsgemäss im Oberaargau, wo einzig in Thunstetten die Gegner in der Überzahl waren.

  • loading indicator
Kathrin Holzer

Gegen 14 Uhr war die Freude noch verhalten: Erst in vier der insgesamt zehn Verwaltungskreise im Kanton waren die Resultate ausgezählt. Die erste Zwischenbilanz gab den Befürwortern der Umfahrungsstrasse um Aarwangen aber bereits Grund zur Zuversicht. Schon 30'000 Stimmen lagen zu diesem Zeitpunkt zwischen ihnen und den Gegnern des Projektierungskredits über 6,6 Millionen Franken für die Verkehrssanierung Aarwangen–Langenthal-Nord.

Es sollten am Ende über 50'000 ­werden: Insgesamt 166'128 Ja- standen kurz nach 15 Uhr schliesslich 110'416 Nein-Stimmen gegenüber.Bei 60,1 Prozent lag der Ja-Anteil über den ganzen Kanton gesehen. In sämtlichen zehn Verwaltungskreisen waren die Befürworter in der Überzahl – am deutlichsten im Oberaargau selber, wo sich bei einer Stimm­beteiligung von 43,5 Prozent fast 69 Prozent für den Kredit aussprachen. 81 Prozent betrug die Zustimmung allein in Aarwangen, gar 83,4 Prozent im Nachbardorf Schwarzhäusern. Nur in Thunstetten fand der Kredit im Oberaargau keine Zustimmung.

«Ängste ernst nehmen»

«Das ist ein gutes Ergebnis», freute sich der Aarwanger Gemeindepräsident Kurt Bläuen­stein (FDP), der sich mit weiteren Vertretern des Befürworterkomitees im Aarwanger Kornhaus eingefunden hatte. Um sogleich einzuräumen, dass ihm ein noch deutlicheres Ergebnis freilich ­lieber gewesen wäre. Auch so ­habe es das Ja-Komitee aber ­geschafft, dass seine Argumente im ganzen Kanton verfangen, so Bläuen­stein.

Das unterstrich ebenfalls Bernhard Meyer. «Eine Strasse zu bauen, ist nie populär», meinte der ehemalige Präsident des Wirtschaftsverbands Oberaargau (WVO), «da brauchte es schon Argumente, um zu überzeugen.» Auch Meyer räumte ein, dass er sich noch eine leicht höhere Zustimmung erhofft habe. Das Endresultat spreche aber doch eine klare Sprache.

Wichtig sei es, während der ­bevorstehenden Projektierung nun auch die Gegner ins Boot zu holen. «Wir wollen ihre Ängste wahrnehmen und möchten, dass sie sich einbringen bei der ­Projektierung», verwies er namentlich auf die Landumlegung und die Renaturierungsmassnahmen.

Auch Stadtpräsident Reto Müller (SP) – sichtlich erfreut über den mit 67 Prozent doch überraschend hohen Ja-Anteil in Langenthal – versicherte, dass den Argumenten der Gegner in der Projektierung Rechnung getragen werde. Wirtschaftlich und gesellschaftlich habe das Umfahrungsprojekt klare Vorteile, so Müller. «Jetzt muss man schauen, es ökologisch möglichst verträglich umsetzen zu können.»

«Mit der Gewissheit, dass eine Landumlegung stattfindet, kann man die Ängste sicher etwas ­reduzieren», zeigte sich der Aarwanger Bauer Ulrich Rohrbach optimistisch, dass die Kritik insbesondere betroffener Landwirte am Projekt leiser werde. Bernhard Meyer wiederum ist überzeugt, insbesondere die Kritiker aus Thunstetten im Verlauf der Projektierung doch noch vom Strassenprojekt überzeugen zu können.

«Wegweisend fürs Emmental»

Erfreut zeigten sich am Sonntag auch die befürwortenden Organisationen. «Mit ihrem Ja in allen Verwaltungskreisen haben die ­Bernerinnen und Berner ein Herz für Aarwangen gezeigt und ein wichtiges solidarisches Zeichen für bevorstehende Verkehrsprojekte gesetzt», verwies der WVO in einem Communiqué namentlich auf die Umfahrung Emmental.

Ins selbe Horn stiess der Handels- und Industrieverein des Kantons Bern: «Obwohl die Bevölkerung des Kantons Bern sich heute nur zur Verkehrssanierung Aarwangen äussern musste, hat dieser Entscheid auch wegweisenden Charakter für das zweite Umfahrungsprojekt, das die Region Emmental besser erschliessen will.» Im Emmental ist der Ja-Anteil mit 65 Prozent denn auch am zweithöchsten ausgefallen hinter dem Oberaargau.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt