Aarwangen

«Wir hatten unsere Hochs und Tiefs»

Aarwangen Vor fast 66 Jahren haben Lotti und Gottlieb Gasser den Bund fürs Leben geschlossen. Noch heute frönt das Paar leidenschaftlich dem gemeinsamen Hobby.

Geniessen die gemeinsame Zeit: Lotti und Gottlieb Gasser in ihrem geliebten Garten.

Geniessen die gemeinsame Zeit: Lotti und Gottlieb Gasser in ihrem geliebten Garten. Bild: Daniel Fuchs

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Dieses Knistern – bei ihnen ist es immer noch da. Auch nach 66 gemeinsamen Ehejahren schauen sich Lotti und Gottlieb Gasser tief in die Augen, hören einander aufmerksam zu und können die Sätze des anderen problemlos beenden. Sie machen Witze auf die Kosten des jeweils anderen und stupsen sich dann liebevoll mit dem Ellenbogen in die Seite. Lotti Gasser feiert im September ihren 88. Geburtstag, ihr Ehemann Gottlieb wird im Oktober 89-jährig. Fast ihr ganzes Leben haben die beiden miteinander verbracht. Schon 1946 lernten sie sich kennen – und lieben.

Gottlieb Gasser erinnert sich noch genau an die erste Begegnung: «Es war am Lesesonntag am Bielersee, da ist sie mir ins ­Auge gestochen.» Der gebürtige Grasswiler absolvierte die Lehre zum Bäcker und Patissier in Biel und traf in den Rebbergen auf die einheimische Lotti Egger, damals 16-jährig. Rasch sei ihnen beiden klar gewesen, dass sie zusammenbleiben und heiraten möchten. «Wir waren unkompliziert und hatten schon vor der Hochzeit ein gemeinsames Sparbüchlein», sagt Lotti Gasser.

Ein schönes Fest

Die Hochzeitsglocken läuteten am 22. September 1952 in der Kirche Madretsch in Biel. «Es hat wie aus Kübeln geschüttet», erzählt er. Gefeiert wurde mit den 39 Gästen daraufhin im Bären Eggiwil. «Damals gab es noch keine grossen Cars. Wir mussten zwei Busse mieten», sagt Gottlieb Gasser und lacht. Ein schönes, schlichtes Fest sei es gewesen, mit allen Verwandten. Eine allzu ausgefallene Feier hätten sie sich mit Anfang 20 nicht leisten können. «Wir haben immer nur das gekauft, was wir auch bar bezahlen konnten», betont er.

Strahlende Brautleute: Mit Anfang 20 ist das Paar 1952 vor den Trau­altar getreten. Foto: pd

Schon 1951 hat Gottlieb Gasser den Entschluss gefasst, Polizist zu werden. Im selben Jahr absolvierte er die Rekrutenschule. 1952 wurde der Beamte nach Thun versetzt, wo sich denn auch die jungen Eheleute niederliessen. «Ich musste jeweils zu Hause bleiben, wenn Gottlieb zu einem Einsatz gerufen wurde, und das Telefon ‹gaume›», erzählt Lotti Gasser. Und dann sei ja auch der Nachwuchs gekommen. 1953, 1955 und 1960 wurden die drei Kinder des Paares geboren.

Er war viel unterwegs

Es folgten weitere Versetzungen, bis sich die Familie 1964 schliesslich in Aarwangen niederliess. Hier war Gottlieb Gasser 16 Jahre lang im Gefängnis tätig, das seinerzeit im Schloss beheimatet war. In den Jahren lebte die Familie zugleich in den alten Mauern. Er sei viel unterwegs gewesen, und sie habe zu den Kindern und zur Wohnung geschaut, sagt Lotti Gasser. Das sei nicht immer ganz einfach gewesen. «Natürlich gab es auch Einsätze, bei denen ich Angst um meinen Mann hatte.»

Nach 39 Jahren im Dienst liess sich Gottlieb Gasser 61-jährig vorzeitig pensionieren, für die Eheleute brachen ruhigere Zeiten an. Heute lebt das selbstständige Paar in seinem schmucken Chalet im Scheurhof, unweit des Schlosses. «Wir haben unseren Frieden hier», sagt Gottlieb Gasser mit Blick in den grossen Garten.

Auto fährt er seit 3 Jahren nicht mehr, nach einem Schlaganfall hat er den Ausweis freiwillig abgegeben. Nach wie vor mobil sind die Gassers aber dank ihren Elektrofahrzeugen. Stolz demonstriert er die dunkelblauen Flitzer, die in der Garage stehen. «Damit können wir bequem ins Dorf fahren und sind erst noch schneller als mit dem Auto», ergänzt sie, ebenfalls nicht ohne Stolz.

Alles überlebt

Für grössere Besorgungen und Arztbesuche steht die Tochter tatkräftig zur Seite. Regelmässig besucht sie ihre Eltern. Lotti und Gottlieb Gasser freuen sich über ihre grosse Familie, die mittlerweile sieben Grosskinder und ebenso viele Urgrosskinder zählt. «Das spendet Trost», sagt sie, und spricht damit den Tod der ältesten Tochter vor 3 Jahren an. «Jaja, wir hatten unsere Hochs und Tiefs, gell», wendet sich Gottlieb Gasser seiner Frau zu. «Aber wir haben alles überlebt.»

«Man muss zusammenarbeiten, das ist am wichtigsten. Aufeinander eingehen, einander vertrauen und auch mal einen Kompromiss schliessen.»Gottlieb Gasser

Gleich mehrere Tipps hat der Pensionär für die jüngeren Generationen parat. «Man muss zusammenarbeiten, das ist am wichtigsten. Aufeinander eingehen, einander vertrauen und auch mal einen Kompromiss schliessen, ohne darüber diskutieren zu müssen.» Seine Gattin hört aufmerksam zu, lächelt und schweigt.

Viel Platz im Leben der Gassers nimmt der Sport ein. Rauf und runter würden sie jeweils den Sportteil in der Presse lesen und ganze Turniere vor dem Bildschirm mitverfolgen. «Fussball, Tennis, Eishockey, das ist doch alles interessant», schwärmt er. Da könne es mal vorkommen, dass es 23 Uhr oder gar Mitternacht werde, bis sie zu Bett gingen.

Wichtiger Pfeiler

Der absolute Lieblingsverein des Ehepaares ist der Fussballclub Aarwangen. Jahrzehntelang haben beide tatkräftig am Vereinsbetrieb mitgewirkt und wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Lotti Gasser hat die Trikots der Herrenmannschaften gewaschen. «Das gab viele Maschinen und viele Treppenläufe», sagt sie und lacht. Ihr Gatte war als Platzwart aktiv, und zusammen haben sie im FC-Beizli gewirtet.

«Noch heute gehen wir regelmässig Spiele schauen», sagt Lotti Gasser. «Meistens gehen wir in der Pause wieder heim», sagt er. «Aber wenn Aarwangen führt, bleiben wir bis zum Schluss», betont sie. Auch das gemeinsame Interesse am Sport und vor allem am FC Aarwangen sei ein wichtiger Pfeiler ihrer Ehe, ist sich das Paar einig. Ein Blick in die Augen des jeweils anderen genügt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.07.2018, 07:46 Uhr

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