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«Nicht nur Blabla und Lala»

Michael von der HeideDer Chansonnier, letztes Jahr erfolglos für die Schweiz am Eurovision Song Contest, zieht mit seinem Programm «Lido» durchs Land. Am Samstag macht Michael von der Heide in Thun Halt und hofft, dass die Leute zu seiner Musik tanzen werden.

Michael von der Heide, freuen Sie sich auf Ihren Auftritt im Thuner Mokka? Michael von der Heide: Das Mokka ist wunderbar. Das Lokal zelebriert den trashigen Kitsch und mein Programm und meine Band passen wunderbar in dieses Universum. Sie selbst haben ja auch einen Hang zu Kitsch. Gar nicht. Ich mag keinen Firlefanz. Ich finde auch, dass es auf der Bühne gar nicht viel schlichter geht als bei mir. Ich stehe aber auf eine gewisse Art von Trash, so wie beim Eurovision Song Contest. Echt kitschig wäre aber viel mehr. Ich bin gar nicht so ein Paradiesvogel, wie es in der Öffentlichkeit dargestellt wird. Leider. Also kein Kitschfan. Aber ein Romantiker. Die Blüemli dort in der Vase – sind es japanische Kirschblüten? – die finde ich wunderbar. Falsche Blumen kämen bei mir zu Hause hingegen nie infrage. Man kann lange über das Wort Kitsch reden, ich zum Beispiel finde, ohne diese Leute beleidigen zu wollen, «Musikantenstadl» so etwas von kitschig, also eine Vorspiegelung von etwas Schönem, das nicht echt ist. Ich stehe auf authentisch Schönes. In der Opulenz gibt es das. Ein wuchtiges, tolles Orchesterarrangement kann mich zu Tränen rühren. Dem kann man auch Kitsch sagen – oder es ist einfach nur schön. Wird Ihre lang angekündete neue Platte auch schön sein? Was feststeht: Es wird eine fröhliche Platte. Das ist mein Wunsch gewesen, nach dem letzten Album wollte ich unbedingt etwas Extrovertiertes machen. Die Leute sollen tanzen. Das gibt eine ganz andere Energie. Ich möchte so oft als möglich vor unbestuhlten Sälen spielen. Aber es gibt Leute, auch in meinem Alter, also junge, die sagen (verstellt die Stimme) «Ich möcht nümm dr ganz Abig stoh». Warum diese Lust aufs Tanzen? Einfach Lust halt. Ich fand, ich müsse jetzt noch nicht ganz auf das Chansonsänger-am-Klavier-Ding setzen. Dieses Alter kommt sowieso noch. Fröhliche Musik zu machen, die nicht belanglos ist, ist aber anspruchsvoll. Dass der Song eben nicht kippt. Dass er noch Inhalt hat. Nicht nur Blabla und Lala. Waren Sie deshalb drei Jahre lang an diesem Projekt? Ich war ja nicht jeden Tag dran. Das Schöne an dieser Platte ist sicher, dass ich mir so lange Zeit nehmen konnte. Ich hatte eine grosse Auswahl an Songs, ich konnte verwerfen, überdenken. Und ich konnte die Songs schon vor Publikum spielen und anschliessend wieder ins Studio gehen. Das hilft. Egal, ob ich vor einem Millionenpublikum spiele oder in kleinen Clubs. Was gefällt Ihnen an diesen kleinen Lokalen? Die Nähe. Es ist ein komisches Wort, da ist ja immer noch die Bühne, trotzdem ist da mehr Nähe, mehr Spontaneität, es ist einfach viel mehr möglich als auf einer grösseren Bühne, wo du deine Sachen fast musicalmässig abspielen musst. Ich habe auch gemerkt, dass ich bei diesen grossen Open Airs gar nicht so gut bin. Weshalb? Ich habe keinen Zugang zu einer so grossen Masse von Menschen, es ist mir immer ein bisschen verdächtig. Ich gehe auch selten an Konzerte ins Hallenstadion. Warum verdächtig? Weil es oftmals, wenn es so gross ist, auch etwas platt sein muss. Ich singe zum Beispiel einen Song, nur mit Gitarre und eher kabarettistisch, der würde auf dem Gurten nicht funktionieren. Dort braucht es einen Event. Und dem verweigern Sie sich? Ich würde das nicht verweigern nennenes war nie mein musikalischer Traum. Wenn ich junge Kollegen treffe, und die sagen: «Weisch – wir wollen in die grösste Halle spielen gehen», dann freue ich mich für sie, wenn es klappt. Aber ich: nein. Letztes Jahr haben Sie ja bei einem Grossevent mitgemacht (lacht) Ja, beim grössten, den ich kenne. Und, wie lautet Ihre Bilanz ein Jahr nach der erfolglosen Teilnahme am Song Contest? Als alles vorbei war, habe ich gedacht, Gott sei Dank war ich nicht 18. Ich wusste natürlich, was alles passieren kann. Und so ist es auch gekommen. Es war nicht lustig. Aber rückblickend doch. Es brauchte aber sicher einige Zeit, bis Sie es lustig fanden. Nicht unbedingt. Ich fand sofort: Okay, das ist jetzt so. Punkt. Und ich hatte auch nie Angst, dass mir das als Mensch oder Musiker schadet. (verstellt die Stimme) «Ich bin reifer geworden.» So lautet also die ernüchternde Bilanz eines Bubentraums? Für die Schweiz ist dieser Wettbewerb ein bisschen eine heilige Sache. Das musste ich auch merken. Aber ich meine, in meinen 40 Lebensjahren habe ich Schlimmeres erlebt. Es war nichts. Es ist niemand gestor-ben, niemand verletzt, nichts. Ausser, dass ich seither Auftritte in Ländern wie Portugal und Rumänien hatte. So gesehen hat mich der Contest an Orte geführt, wo ich sonst nicht hingekommen wäre. Interview: Marina Bolzli>

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