Zum Hauptinhalt springen

Nach dem ersten Streit gefiel es ihm

LangnauDer neue Präsident des Grossen Gemeinderats heisst Johann Sommer. Die Politik interessierte den Wirtschaftsprüfer zwar schon in jungen Jahren – dennoch hätte er nach dem ersten Jahr im Langnauer Parlament um ein Haar wieder aufgehört.

Sein erstes Jahr im Grossen Gemeinderat – 2005 – sei furchtbar langweilig gewesen, sagt Johann Sommer. Eine einzige Abstimmung wurde nicht einstimmig durchgewunken, es gab Lob und Harmonie allenthalben. «Damals habe ich mir gut überlegt, ob ich bei den Wahlen wirklich wieder antreten soll», sagt der FDP-Mann. Er tat es schliesslich doch und erinnert sich noch heute daran, wie an der ersten Sitzung 2006 «die Post abging». Die Parteien stritten über die Verteilung der Kommissionssitze, sodass einige GGR-Mitglieder aus Protest auf den traditionellen gemeinsamen Schlummertrunk im Bären verzichteten. An jenem Abend begann Johann Sommer die Arbeit im Langnauer Lokalparlament zu gefallen. Nicht dass er streitsüchtig wäre, nein, «aber ich finde, dass es durchaus Auseinandersetzungen geben und man auch Emotionen zeigen darf». Wichtig sei, das Ziel nie aus den Augen zu verlieren. Wie dieses lautet? Er überlegt einen Moment. «Langnau soll eine lebenswerte Gemeinde sein, eine Bedeutung als regionales Zentrum haben.» Waschechter Langnauer Heuer amtet Sommer als GGR-Präsident, als sogenannt höchster Langnauer also. An der ersten Sitzung steht am Montag gleich ein kontroverses Thema auf der Traktandenliste: die Tempo-30-Massnahmen auf der Oberfeldstrasse. Einige Parlamentarier sind der Meinung, dafür seien nicht 220000 Franken nötig. Vor drei Jahren, als der GGR über die grossflächigen Tempo-30- und Begegnungszonen im Dorfzentrum debattierte, stimmten sogar alle Bürgerlichen Nein – alle ausser Johann Sommer. Auch bei anderen Themen war er in den eigenen Reihen schon in der Minderheit. Die drohende Schliessung der Langnauer Spitalküche zum Beispiel sah er weniger emotional als andere Parlamentarier. «Ich habe den Verdacht, dass wir – so gerne wir auch würden – nicht viel zur Zukunft des Spitals sagen können», sagt er. Rational. Ohne zu hadern. Dass sich Johann Sommer lieber an die Fakten hält, hängt wohl auch mit seinem Beruf zusammen. Der 39-Jährige arbeitet als Wirtschaftsprüfer bei PricewaterhouseCoopers in Bern. Privat sei er indes «Langnauer durch und durch»: In der Hüselmatte aufgewachsen, lebte er zwischenzeitlich zwar kurz auswärts, ehe er wieder zurück nach Langnau zog. Heute wohnt er mit seiner Frau und den beiden Töchtern, die heuer 13- respektive 10-jährig werden, im eigenen Häuschen im Ilfisschachen. Ihre Freizeit verbringt die Familie am liebsten beim Skifahren, Federballspielen oder Inlineskating. Zudem ist der neue GGR-Präsident im Tischtennisclub Langnau aktiv. Wichtige Entscheide Vor zehn Jahren zog die Familie im Ilfisschachen ein. Damals – Sommers wählten gerade Plättli aus – rief Jürg Kühni von der FDP an und fragte den Familienvater, ob er kandidieren würde. Er sagte zu, schliesslich hatte er sich schon als Giel stärker für die Politik interessiert als manche Altersgenossen. «Im KV waren wir nicht viele, die den Unterschied zwischen Legislative und Exekutive kannten», sagt er schmunzelnd. Grosse Ambitionen habe er deswegen aber nicht: Seine Politkarriere werde sich vermutlich auf Langnau, auf seine Heimat, beschränken. Auch hier stehen dieses Jahr ja wichtige Entscheide an, etwa der Millionenkredit für die Sanierung der Ilfishalle. Während der Debatten will sich Johann Sommer als Vorsitzender zurückhalten. Das werde ihm vielleicht dann schwerfallen, «wenn einer zu einem unsachlichen politischen Rundumschlag ausholt». Aber sonst darf das Langnauer Parlament heuer durchaus tüchtig diskutieren. Markus Zahno>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch