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Mittendrin – und trotzdem in einer eigenen Welt

Simone Niggli-Luder steht über allen, die Differenz zu den Teamkolleginnen ist riesig. Vor den letzten Rennen – heute geht es an der WM in Trondheim über die Mitteldistanz, morgen in der Staffel um Medaillen – äussert sich FrauenNationaltrainerin Maja Kunz zur ungewöhnlichen Konstellation in ihrer Equipe. Für die Leaderin findet die 42-Jährige ausschliesslich lobende Worte.

Bei den helvetischen Orientierungsläuferinnen gibt es eine klare Hierarchie, was das Leistungsvermögen betrifft. Auf höchster Stufe steht die 32-jährige Simone Niggli-Luder; die Bernerin bewegt sich in einer eigenen Dimension. Eine Ebene darunter läuft die mittlerweile 41-jährige Vroni König-Salmi; in die Stärkeklasse der Zürcherin gehörte allenfalls die an Achillessehnenbeschwerden laborierende Baselbieterin Lea Müller (28). Der Rest – es handelt sich um ein halbes Dutzend Athletinnen zwischen 22 und 26 Jahren – bildet die dritte Liga, in der sich glücklich schätzt, wer sich an der WM in Trondheim in einem Einzelwettkampf unter den besten 10 zu platzieren vermag. Die Situation, mit der sich Nationaltrainerin Maja Kunz konfrontiert sieht, offenbart auf den ersten Blick reichlich brachliegendes Potenzial und scheint mit guten Perspektiven verbunden. Fakt ist jedoch, dass es den Jüngeren in den letzten Jahren nicht gelungen ist, den Abstand zur 17-fachen Weltmeisterin zu verringern. Niggli-Luder sei Lokomotive und Bremsklotz zugleich, sagt Kunz. «Einerseits haben die anderen im Training den Vergleich mit der Weltspitze. Anderseits geht es in Testläufen nur um Platz 2, was sich negativ auf die Motivation auswirken kann.» Interviews statt Ausflüge Für ihre Galionsfigur findet die 42-Jährige aus St.Gallen nur lobende Worte. Niggli-Luder bringe sich auf sehr gute Art in die Gruppe ein, lege ihr Trainingstagebuch offen, gebe in Sitzungen alles von sich preis und wolle nach Wettkämpfen jeweils umgehend wissen, wie es den Kolleginnen ergangen sei. Die Sonderstellung der Münsingerin gelange primär durch spezielle Tagesabläufe zum Ausdruck: «Derweil die anderen einen Ausflug machen oder ein lockeres Lauftraining einschalten, befriedigt Simone die Bedürfnisse der TV-Stationen.» Weil die Branchenleaderin fliessend Schwedisch parliert, stellt sie auch für skandinavische Sender eine begehrte Interviewpartnerin dar. Die Frage, weshalb sich an der Differenz zur nachfolgenden Generation wenig ändere, erfordere eine differenzierte Betrachtungsweise, meint Kunz. Grundvoraussetzung sei, dass niemand das Ziel verfolge, die Leaderin zu kopieren. «Simone ist eine absolute Ausnahmesportlerin, bei ihr passt einfach alles zusammen.» Mangelnden Einsatz könne sie niemandem vorwerfen, sagt Kunz – «im Gegenteil: Die Frauen investieren viel, verlegen den Wohnsitz temporär nach Skandinavien, unterbrechen wegen des Sports das Studium oder schalten Auslandsemester ein.» Womöglich verfügten nicht alle über das nötige Talent, vielleicht fehle es auch am Druck von unten, mutmasst die einstige WM-Teilnehmerin. Bewusst geschehe das nicht, «aber tief im Inneren kann sich Bequemlichkeit breitmachen, wenn man nicht in den Grenzbereich gehen muss, um sich für die WM zu qualifizieren». Angesichts dieser Worte ist nicht davon auszugehen, dass die Hierarchie schon bald flacher wird.Micha Jegge, Trondheim >

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