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Mit Sperrkonten gegen Doping

Reiner Eichenberger

Tour de France, Leichtathletik-EM und Fussball-WM sind vorbei – ohne grossen Dopingskandal! Ist die Sportwelt nun plötzlich sauber? Kaum, denn die Leistungen nehmen weiter zu. Sogar an der laufenden Schwimm-Europameisterschaft werden – trotz dem neuen Verbot der Superanzüge – noch Leistungssteigerungen erwartet. Wundermenschen, Wundertraining oder Wunderdoping? Doping ist mit dem heutigen Ansatz von immer strikteren Verboten, Kontrollen und Sperren nicht in den Griff zu kriegen. Denn auch so haben Sportler noch gute Chancen, für längere Zeit unerkannt zu dopen, insbesondere wenn sie die neuesten Techniken verwenden. Dadurch wird es für die Hintermänner nur noch attraktiver, neue Techniken zu entwickeln. Andererseits bieten auch die Freigabe und Legalisierung von Doping keine Lösung. Vielmehr würden sie zu fatalen Dopingwettläufen führen. Denn das Doping der einen zwänge die anderen Konkurrenten, auch zu dopen, weil sie ohne Doping keine Chance mehr hätten. Daraus würde noch weit intensiveres Doping als heute resultieren, mit verheerenden Folgen für die Gesundheit der Athleten und den Sport: Vernünftige Menschen würden dann nicht mehr Spitzensportler. Was also tun?Wie immer ist die ökonomische Standardantwort richtig: Anreize gegen Doping schaffen. Mein Vorschlag geht so: Die Athleten erhalten ihre Preisgelder und anderen Einnahmen nicht mehr zur freien Verfügung, sondern müssen einen gewichtigen Teil davon auf ein persönliches Sperrkonto einzahlen, von dem sie jährlich nur einen gewissen Anteil beziehen dürfen. Die Vermögen von Athleten, die des aktuellen oder früheren Dopings überführt werden oder an Dopingfolgekrankheiten versterben oder erkranken, werden je nach Schwere der Vergehen teilweise oder gänzlich auf die Sperrkonti ihrer noch aktiven oder bereits zurückgetretenen Konkurrenten verteilt. Dabei werden die Beträge möglichst nach dem Ausmass der Schädigung durch den Dopingbetrug abgestuft. Wenn also beispielsweise ein früherer Olympiasieger auffliegt, gehen von seinen Geldern jeweils sinkende Anteile an die damaligen Zweiten, Dritten, Vierten und so weiter. Die Beträge für Sportler, deren Konti bereits wegen eigenen Dopings oder Tod geschlossen wurden, werden an die weiter hinten platzierten weitergereicht. Dieses System vermittelt wirkungsvolle Anreize gegen Doping: Erstens wird Doping für den Einzelnen viel teurer. Wer überführt wird, bezahlt wirklich etwas. Das gilt insbesondere für Sportler, die ihren Leistungszenit überschritten haben. Für sie ist heute Doping relativ billig, weil für sie Doping die Alternative zum Rücktritt und deshalb eine Sperre keine wirkliche Strafe ist. Zweitens wird es attraktiver, über die ganze Karriere ungedopt zu bleiben, weil das dopingfreie Einkommen durch die Überweisungen von Dopingsündern aufgebessert wird. Drittens lohnt es sich für Sportler weniger, aus kurzsichtigen Erwägungen die Gesundheit aufs Spiel zu setzen, weil das kurzfristig verfügbare Einkommen weniger vom sportliche Erfolg abhängt; gleichzeitig steigt das langfristige Einkommen bei Absenz von Dopingfolgen. Viertens erhalten Sportler stärkere Anreize, das Doping anderer aufzudecken. Das wird insbesondere Sportler nach ihrem Karriereende dazu bringen, zum Doping anderer Auskunft zu geben. Zusammen bewirken diese vier Mechanismen, dass Doping weniger attraktiv und deshalb auch seltener wird. Dank der hohen Wirksamkeit der Anreize kann auf die heutigen Strafen wie lange Sperren verzichtet werden. Wie alle neuen Vorschläge ist auch mein Vorschlag keineswegs perfekt und muss von den zuständigen Stellen wie dem Olympischen Komitee und internationalen Sportverbänden im Detail ausgearbeitet werden. Dabei ist es wichtig, die auftauchenden Schwierigkeiten nicht an einem unrealistischen Ideal, sondern an der heutigen Realität zu messen. redaktion@bernerzeitung.ch >

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