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Mit Ornamenten die Welt erobern

Sie zeichnet Ornamente und Designs: Unter ihrem Label «iSHONi» erobert

Sie sitzt im Bett und zeichnet kleine Ornamente. Verbindet Müsterchen mit Müsterchen. Auf weisses Papier, wieder und wieder. Stundenlang. Das tut sie weitaus lieber als schlafen und draussen mit anderen Kindern spielen. Damals. Da war Manuela Federica Krebser 5 Jahre alt. Bald darauf widerfährt der Tochter des Thuner Buchhändlers Markus Krebser und der Schriftstellerin Federica de Cesco ein einschneidender Abschied: 1970 verlässt ihre Mutter sie, ihren 3-jährigen Bruder Marc und den Ehemann. Sie will nur noch schreiben. «Ich habe sie danach in 20 Jahren kaum gesehen», sagt Manuela Krebser. Erst später erkennt sie, wie stark diese Trennung sowie die Menschen und Kulturen, denen sie in ihrem Grosseltern- und Elternhaus während ihrer Kindheit begegnet, ihr Talent und ihre Arbeit beeinflussen. Kindheit mit vielen Welten Manuela Federica Krebsers Eltern sind viel gereist, ebenso ihr Grossvater Werner Krebser. Das Zuhause ist voller Gegenstände aus der ganzen Welt. Ihr Grossvater hält auch exotische Tiere, zum Beispiel die Gepardin Cheetah, ein Affenweibchen und Vögel. Ebenso gehen Persönlichkeiten im Hause ein und aus wie der Verhaltensforscher Konrad Lorenz, Nobelpreisträger für Medizin. Wenn Manuela Krebser die Fotos von ihr und dem Tuareg-Sultan Hadj Moussa aus Algerien oder Widmungen von Schriftsteller Carl Zuckmeyer, Salvador Dalí und anderen Bekannten betrachtet, erinnert sich die Designerin an diese Zeiten. Später, als sie wieder vermehrt Kontakt zu ihrer Mutter hat, kommt die Verbindung zu Japan dazu; denn de Cescos neuer Ehemann ist Japaner. Da Grafikerin, dort Mutter Dass Manuela Krebser schon als jung talentiert ist, wird ihr aus berufenem Munde bestätigt: Die Pariser Chefdesignerin Leila Menshari von Hermes Sellier schreibt der damals 16-Jährigen 1981, sie solle unbedingt ihre Begabung fördern. Da es jedoch keine passende Ausbildung gibt, lernt Manuela Krebser Grafikerin beim bekannten Künstler Ted Scapa im Benteli-Verlag in Münsingen. Sie zieht mit knapp 17 Jahren nach Bern, später nach Zürich. 1988 gebärt sie ihren Sohn Moritz und zieht 1989 nach Vevey. Dort wohnt ihr Mann, von dem sie sich kurz darauf scheiden lässt. «Ich musste schauen, von was ich als Alleinerziehende lebte, und nahm das Zeichnen von Mustern und Ornamenten wieder auf», erinnert sie sich. Erster Auftrag mit 24 Samt Kinderwagen fährt die damals 24-Jährige im Zug nach Zürich. «Der Unternehmer Andy Stutz kaufte mir für Foulards und Krawatten vier Ornamente ab.» Bis Manuela Krebser 1996 ihr Label «iSHONi» (auf Japanisch «zusammen») ins Leben ruft und einen Computer anschafft, zeichnet sie nur mit Pinsel. Unter «iSHONi – the World, Reflected in Decorative Design» (Ishoni, die Welt in dekorativem Design reflektiert) arbeitet sie nun als Alleinunternehmerin. Anonym. Ihre Mutter möchte nicht, dass sie über ihre Herkunft spricht. Manuela Krebser produziert eigene Kollektionen und für Firmen Schals, Strandtücher, Krawatten, Foulards und anderes. Es folgen Aufträge für Karten im Artos-Verlag, Geschirrlinien wie «Bopla» für Porzellan Langenthal, das Design von Briefmarken für die Post und von Märklin-Werbung auf SBB-Lokomotiven. «iSHONi», weltweit bekannt Sie erhält Anfragen für eine Kollektion handgeknüpfter Wollteppiche, weitere Aufträge folgen. Von der Kreation bis zum Verkauf und der Herstellung besorgt Manuela Krebser alles selber. Heute verkaufen sich ihre «iSHONi»-Teppiche und -Produkte rund um die Welt. Von Dubai über Japan nach Moskau und in die USA. Referenzen sind Harrods, London, Donald Trump, New York, Möbel Pfister, UBS, Fifa, Uefa und viele mehr. Doch trotz dieser klingenden Namen wissen nur ihre Kundschaft, Familie und Freunde, wer hinter «iSHONi» steckt. Das will Manuela Krebser nun ändern und in der Öffentlichkeit zu ihrer Geschichte, Herkunft und Arbeit stehen. «Es ist Zeit, mein Schattendasein zu verlassen, welches das bisherige Verhältnis zwischen Federica de Cesco und mir versinnbildlichte.» Federica de Cesco, die Mutter Es sei schwierig gewesen, von ihrer Mutter verschwiegen worden zu sein. «Doch heute kann ich ihren Entscheid besser verstehen und habe ihr verziehen.» De Cescos Tabu, die gemeinsame Verbindung zu erwähnen, sei jedoch ein Damoklesschwert gewesen. «Nun haben sich die Wellen geglättet. Ich darf offen über meine Mutter sprechen, ohne dass es sie stört», sagt die heute 45-Jährige Manuela Krebser. Doch Federica de Cescos Tochter zu sein habe auch Nachteile. «Soeben erhielt ich eine Absage für einen Designauftrag.» Mit der Begründung, als «steinreiche Tochter von de Cesco» habe sie keine Aufträge nötig. «Dabei habe ich alles, was ich tue und bin, als allein erziehende Mutter selber erarbeitet», sagt Krebser und nennt ein anderes Beispiel: «Mir hat ein kleineres Schweizer Unternehmen abgesagt mit dem Argument, mit derart bekannten Referenzen wie Nestlé und Hermes sei ich nicht auf kleine Aufträge angewiesen.» Ornamente als Bildsprache Manuela Krebsers Wurzeln zeigen sich in den Ornamenten, die an Afrika, Indien und Asien erinnern, an die Weiten der Wüste, die Wildheit des Dschungels, die Blütenpracht eines Blumenmeers, an Tiere in der Steppe, an Naturvölker und Rituale. «Sie sind eine Interaktion zwischen mir, der Kunst und der Welt der Betrachtenden», erklärt sie. Die Harmonie zwischen Elementen und Farben sei ihr wichtig. «Ornamente sind eine bildliche Sprache, die Kulturen vereinen und Geschichten erzählen.» Sie kreiere dabei nicht, was ihr gefalle, sondern, was auf das Produkt und dessen Beziehung zur Kundschaft abgestimmt sei. «Das Resultat sind Sujets, die emotional ein gutes Gefühl geben, ohne dass den Betrachtenden bewusst ist, weshalb.» Zu kleiner Schweizer Markt Manuela Krebser, die nebenbei für Universitäten, Museen und Antiquariate alte deutsche Handschriften übersetzt, etwa von Postkarten oder Gerichtsurkunden aus dem 19. und 20.Jahrhundert, hat der Schweiz vorläufig den Rücken gekehrt. «Der Schweizer Markt ist zu klein», sagt sie, die mit ihrer Arbeit Familienunternehmen rund um den Globus beschäftigt. Deshalb sei sie seit Beginn des Jurastudiums ihres Sohnes vor einem Jahr nach New York umgezogen. Was unabhängig des Wohnortes jedoch bleibt, sind administrative Hürden: «In der Schweiz ist die Administration kompliziert und daher für KMU, Selbstständigerwerbende, Künstlerinnen und Künstler erschwerend – und dabei wird erst noch der Verlust von vielen Arbeitsplätzen und Manufakturen riskiert.» USA entdecken ihre Designs Sie erklärt: «Der Bund will von uns Geld, bevor wir wissen, ob wir es überhaupt verdienen.» Dabei bräuchte es weder Subventionen noch andere Hilfen, sondern Aufträge und weniger Produktionsverlagerungen nach Asien. «Diese schwächen Standort und Markt in der Schweiz und in Europa massiv.» Immerhin wurde ihr Talent in den USA erkannt: «Die weltweit bekannte Firma ABC-Carpet am Broadway investiert in mich – bis jetzt mit vier 30000 Dollar teuren Werbeseiten im ‹Interior Design›-Magazin.» Manuela Federica Krebser, die endlich mit Namen zu ihrer Kunst stehen will, hat eigentlich nur einen Wunsch: «Ich möchte noch mehr kreieren und über Designs Brücken zwischen Kulturen und Menschen schaffen.» Franziska Streun •www.ishoni.org>

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