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Mit Dampf in die Nacht hinein

Mit einer 119-jährigen Dampfzahnradbahn von Brienz am Abend auf das Rothorn tuckern und dort hoch über dem Alltag

Die grosse Dampfwolke fällt schon von weitem auf. Die mit Kohle betriebene Lokomotive ist bereit, um die neugierigen Gäste im gut gefüllten Wagen auf das Rothorn zu stossen. Es ist kurz nach 18 Uhr, und Zugbegleiter Markus Bundeli begrüsst die Gästeschar, die am Donnerstag an einer der sieben Abendrundfahrten teilnimmt, welche die BRB in diesem Sommer anbietet. «Sie fahren heute mit der ältesten Lok und dem ältesten Lokführer der Brienz-Rothorn-Bahn aufs Rothorn», erklärt der Zugbegleiter. Denn Albert Flück aus Schwanden bei Brienz steht bereits seit 43 Jahren im Dienste der Bahn und erklärt, dass für die Fahrt hinauf etwa 250 Kilogramm Kohle und 2000 Liter Wasser benötigt werden. Die Lok, die noch immer Richtung Rothorn tuckert, wurde 1891 gebaut. Seit je wird sie mit Kohle befeuert, wofür Heizer Beat Studer zuständig ist. Dies im Gegensatz zu neueren Loks, die mit Heizöl betrieben werden. Fernab der Hektik Mit einem Ruck setzt sich die Bahn in Bewegung. Die einen Passagiere reden und lachen herzhaft, andere geniessen still die immer beeindruckender werdende Aussicht, zum regelmässigen Rattern der stolzen alten Lok, die aber durchaus nicht in die Jahre gekommen ist. Über Wiesen, durch Wälder und Tunnel bahnt sie sich ihren Weg. Immer wieder fällt der Blick auf den Brienzersee, bis Nebelschwaden ihn verdecken. Obwohl es regnet, herrscht dank des schummrigen Lichts der Glühlampen eine heimelige Atmosphäre. Eine Stunde später sitzen die Besucher im Hotel Restaurant Rothorn Kulm, denn ein Mehrgangmenü gehört zur Abendfahrt. Die Familie Bieri und ihr Team servieren den Besuchern Speis und Trank. Und treffen den Geschmack der Gäste: «Dank des herzlichen Empfangs und der freundlichen Bedienung fühlen wir uns hier wohl und geniessen das gute Essen sowie die spezielle Stimmung beim Eindunkeln», sagen Stefan Flühmann und Melanie Bichsel aus Brienz erfreut. Faszination Dampf Mathias Wullschleger, Zimmermann-Lehrling aus Brienz und bereits zum dritten Mal auf einer Abendfahrt seines Lehrbetriebs dabei, schätzt den Geruch der Kohle und die Aussicht, die ihm sein Job im wahrsten Sinne des Wortes bietet. Der Meiringer Steven Coleman, der ebenfalls zur Reisegruppe gehört, ist von der Technik der Lok fasziniert. Kurt Hess aus Bern erklärt, da sein Vater Lokführer gewesen sei, sei er schon früh vom «Eisenbahnvirus» infiziert worden. «Dass die Lok nach mehr als 100 Jahren noch funktioniert und mit Liebe gepflegt wird, war für mich auch ein Grund zur Teilnahme an diesem Anlass, der kulinarischen und Dampfbahngenuss wunderbar miteinander verbindet.» Den Lichtern entgegen Schon ist es 22 Uhr und dunkle Nacht. Die Wolken haben sich verzogen, die Bahn rattert die Strecke von 7,6 Kilometern wieder gemächlich talwärts, wo die Lichter der Dörfer um den Brienzersee hell leuchten. Historische Abendfahrten finden noch bis Ende September satt. Eine Anmeldung bis am Vortag ist erforderlich. Die Bahn entscheidet jeweils am Vorabend über die Durchführung, die abhängig von der Teilnehmerzahl ist. Christian Schönenberger • www.brienz-rothorn-bahn.ch >

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