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Mit 47 wurde sie Mutter

Heute feiert Mina Wahlen in Konolfingen ihren 105. Geburtstag. Sie wäre gerne Coiffeuse geworden und heiratete einen Kaminfeger.

Ein Lächeln auf dem Gesicht sitzt Mina Wahlen am Tisch. Vor ihr stehen Gläser und eine Flasche Rotwein. Sie nimmt das Glas in ihre schwache Hand, führt es zum Mund, nimmt ein Schlückchen und stellt fest: «Dieser Rote ist wirklich gut.» Früher habe sie jeden Tag ein Gläschen davon getrunken. «Jetzt mache ich das nur noch bei besonderen Gelegenheiten», sagt sie. Diese Gelegenheit kann Mina Wahlen heute wahrnehmen. Feiert sie doch ihren 105. Geburtstag. «Ja, schon. Die Zeit ging so schnell vorbei», sinniert die alte Dame, die erst seit zwei Jahren im Alterszentrum Kiesenmatte in Konolfingen wohnt. Vorher lebte sie während zehn Jahren in der angrenzenden Alterssiedlung, weitgehend selbstständig. Seit ein paar Monaten kann sich Mina Wahlen zwar nur noch im Rollstuhl fortbewegen, sie sieht und hört schlecht, fühlt sich sonst aber gesund. Keinen Beruf erlernt 1905 geboren, ist die Jubilarin ohne Geschwister in Konolfingen aufgewachsen. Die Mutter starb früh. «Ich konnte deshalb keinen Beruf erlernen. Coiffeuse, das hätte mir gefallen», sagt Mina Wahlen. Sie arbeitete dann im Bahnhofkiosk und lebte mit ihrem Vater zusammen, bis er starb. Erst mit 46 Jahren hat sie dann den verwitweten Kaminfeger Fritz Wahlen geheiratet. Ein Jahr später kam die einzige Tochter Rosmarie zur Welt. Für sie hat Mina Wahlen sämtliche Kleider selber genäht. Zudem verköstigte sie die Arbeiter und den Lehrling, schrieb die Rapporte ihres Ehemannes, besorgte den Gemüsegarten und einen Pflanzblätz. «Das alles gab viel Arbeit», erinnert sich Mina Wahlen. Eine Reise an die Nordsee Gerne erinnert sich die alte Frau an die Aufenthalte im Ferienhäuschen im Simmental, das ihr Mann selber gebaut hatte. «Wir gingen oft z’Bärg und haben mit Freunden gejasst. Das war eine schöne Zeit.» Leider litt ihr Ehemann zunehmend an Asthma, einer Berufskrankheit. Musste er doch damals noch in die Kamine steigen, um sie zu putzen. Der Arzt riet zu einem Erholungsaufenthalt an der Nordsee. «Das war mir zuwider. Es war dann aber sehr schön und meinem Mann ging es viel besser», so Mina Wahlen. Sie dachten zwar an eine zweite Reise, aber ihr Mann starb. Danach verbrachte die Frau die Ferien mit Freundinnen im Simmental. Heute unternimmt Mina Wahlen mit dem Gemeinderat eine Fahrt mit der Pferdekutsche und geniesst ein Gläschen Rotwein. Laura Fehlmann >

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