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«Meisterträume»: Ein Film, der nahegeht

YB-Fans sind leidensfähig. So sehr, dass die Premiere des YB-Films «Meisterträume» schnell ausverkauft war. Ein Film, der das Trauerspiel um die verlorene Meisterschaft von innen beleuchtet und ganz nah dabei ist.

Sie sind gekommen, um noch einmal zu leiden. Im Orange-Cinema auf der Grossen Schanze wurde der Film «Meisterträume – eine Berner Fussballgeschichte» zum ersten Mal gezeigt. Die Niederlage gegen den FC Basel vom 16.Mai, im letzten Spiel der Meisterschaft, ist am Ende des Dokumentarfilms wieder präsent und die Stimmung der Fans wie damals gedrückt. Tadel vom Trainer Die Filmer Norbert Wiedmer und Enrice Ros waren mit ihren Kameras während der Saison nahe dabei. Gespräche zwischen Trainer Vladimir Petkovic, seinem Assistenten Erminio Pisercchia und einzelnen Spielern wurden gefilmt. «Dir tut immer etwas weh», sagt der Trainer zu seinem Spieler Alberto Regazzoni. Er tadelt ihn dafür und erklärt ihm, das müsse aufhören. Schlitzohr Regazzoni entgegnet: «Aber es könnte ja sein, dass ich wirklich immer Schmerzen habe.» Worauf ihm Petkovic trocken die Pensionierung empfiehlt. Der Film dokumentiert Gespräche, die normalerweise nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Petkovic erklärt Regazzoni klipp und klar, dass er mit dessen Leistung nicht zufrieden sei. Der Spieler senkt den Kopf und lässt die Ansprache seines Chefs über sich ergehen. Aus Emiliano Dudar wollte Petkovic einen Führungsspieler machen. Dudar sollte mehr Einfluss auf das Spiel nehmen. Mehrmals sind die Zuschauer dabei, wenn die beiden zusammen reden. Immer wieder erklärt Dudar, dass seine Mitspieler nicht auf ihn hörten, da könne er lange reden. David Degen zum Beispiel verstehe ihn einfach nicht. Tiraden in der Kabine Wer vom YB-Trainer Vladimir Petkovic nur die Antworten im TV-Interview nach Spielschluss kennt, traut als Zuschauer des Films seinen Ohren kaum. In der Kabine vor seinen Spielern tönt er zuweilen ganz anders. Nach der wegweisenden Niederlage in Luzern ist er selber zwar nicht zu sehen, aber sehr gut zu hören. Während die Materialwarte Heinz Minder und Hans Imboden betreten draussen im Gang stehen, liest der Trainer seinen Spielern deutsch, italienisch und französisch die Leviten. Und das nicht zu knapp. Von seiner sympathisch verletzlichen Seite wird im Film Mittelfeldspieler David Degen gezeigt. «Ich war überrascht, dass ich eine Hauptrolle spiele», sagte er. «Es war für mich ganz gut, zu sehen, wie ich mich im Team verhalte.» Degen beim Psychiater Degen wurde auch während der Sitzungen mit dem Psychologen gefilmt. In der ersten Sequenz beklagt sich der Spieler darüber, dass er nie gelobt worden sei. «Niemand hat mir je gesagt, das hast du gut gemacht, David», beklagt er sich. Der Psychologe empfiehlt ihm Lockerungsübungen, und auch da ist die Kamera dabei. Im Film hat Ex-CEO Stefan Niedermaier seinen letzten YB-Auftritt. Die Zuschauer bedachten ihn bei seiner ersten Szene mit einem warmen Applaus.Christine Nydegger>

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