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Lügen, Sex und Korruption

Wegen des Sex- und Finanzskandals seiner Frau nimmt Nordirlands Regierungschef Robinson eine sechswöchige Auszeit.

Der 61-jährige nordirische Ministerpräsident Peter Robinson zieht sich für sechs Wochen aus der Politik zurück. In dieser Zeit sollten die Parlamentsbehörden in London und Belfast die «ungerechtfertigten und mutwilligen Vorwürfe» gegen ihn klären, liess der Vorsitzende der grössten Protestantenpartei DUP gestern erklären. Robinson droht im Strudel einer Sex- und Korruptionsaffäre zu versinken, die seine Frau Iris sämtliche politischen Ämter gekostet hat. Wirtschaftsministerin Arlene Foster soll übergangsweise die Allparteienregierung in Belfast leiten. «Ich habe keinen Zweifel daran, dass Peter Robinson in sein Amt zurückkehren wird», sagte die 39-Jährige im Regionalparlament der britischen Provinz. Bis Ende letzten Jahres galten die Robinsons als wichtigstes Power-Paar der nordirischen Politik. Seither musste die 60-Jährige nicht nur eine Affäre mit einem knapp 40 Jahre jüngeren Mann einräumen; nach BBC-Recherchen hat sie ihrem Liebhaber 2008 auch rechtswidrig bei der Eröffnung einer Gaststätte geholfen und ihm einen Kredit von rund 82000 Franken verschafft. Ein Zehntel davon habe sie für sich gefordert und erhalten, sagte der heute 21-jährige Exliebhaber Kirk McCambley dem BBC-Magazin «Spotlight». In einer Klinik betreut Iris Robinson hat deshalb den Rückzug von ihren politischen Ämtern angekündigt, am Wochenende wurde sie zudem aus ihrer Partei ausgeschlossen. Sie befinde sich jetzt «in psychiatrischer Behandlung», teilte ihr Mann gestern mit. «Als Ehemann und Vater» – die Robinsons haben drei erwachsene Kinder – müsse er sich jetzt um seine Familie kümmern. Gleichzeitig liess sich Peter Robinson in seinem Amt als Parteivorsitzender bestätigen. Ausserdem will er mit seinen Regierungspartnern über die Frage weiterverhandeln, wann die Verantwortung für Polizei und Justiz von London nach Belfast delegiert wird. Robinsons DUP und der wichtigste katholische Koalitionspartner Sinn Féin liegen darüber seit Monaten im Streit, das Thema droht die Belfaster Allparteien-Regierung zu sprengen. Was wusste Robinson? Vizeregierungschef und Ex-Terrorist Martin McGuinness wurde von Robinsons Schritt überrascht. Man befinde sich weiterhin «in einer Krise», sagte Sinn-Féin-Staatssekretär Gerry Kelly: «Die Uhr tickt.» Tatsächlich rüsten sich die politischen Parteien für den bevorstehenden Wahlkampf zum Londoner Unterhaus. Dabei dürfte die DUP erhebliche Mandatsverluste erleiden, weil sich unzufriedene Protestanten nicht mit der Regierungsbeteiligung früherer Terroristen der katholischen IRA abfinden wollen. Die Vorwürfe gegen ihn sind daher Peter Robinsons geringstes Problem: Ihm wird in einer Art Familienhaftung vorgeworfen, von der Korruptionsaffäre seiner Frau gewusst, sie aber nicht bei den Parlamentsbehörden angezeigt zu haben. Selbst wenn er wie angekündigt ins Regierungsamt zurückkehrt, dürften seine politischen Tage gezählt sein.Sebastian Borger>

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