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Leuenberger in der Defensive

Postminister Moritz Leuenberger verteidigt die Wahl von Claude Béglé, das Auswahlverfahren

Für Bundesrat Moritz Leuenberger wurde es in den letzten Tagen ungemütlich. Die Kritik, Claude Béglé sei nur deshalb Post-Präsident, weil das Departement Leuenberger (Uvek) beim Auswahlverfahren zu wenig sorgfältig vorgegangen sei, wurde immer lauter. In die Ecke gedrängt, bemühte sich Leuenberger gestern vor den Medien, die Vorwürfe zu entkräften. Sein Fazit: Bei der Wahl sei alles korrekt abgelaufen. «Das Auswahlverfahren war professionell.» Dass er mit der Zürcher Headhunterin Doris Aebi, die Béglé vermittelt habe, vorher bereits persönlich Kontakt gehabt habe, stimme nicht. Auch sei die Behauptung falsch, man habe vor Béglés Wahl keine Referenzen eingeholt. «Keine Entmachtung» Leuenberger bestätigte zwar einen Bericht der Sonntagspresse, wonach Béglés früherer Chef bei der Deutschen Post, Peter Kruse, nicht um eine Referenz angegangen worden sei. Aber: «Da Kruse zum Zeitpunkt von Béglés Anstellungsverfahren nicht mehr dessen Chef war, ist er nicht kontaktiert worden.» Kruse sei nur eine von vielen möglichen Referenzpersonen gewesen. Dieser hatte sich am Sonntag öffentlich negativ über Béglé geäussert. Er zweifle nach seiner eigenen Erfahrung an der Loyalität Béglés. Leuenberger bestreitet indes den Vorwurf, Béglé sei bei der Deutschen Post entmachtet worden, wie es Kruse behauptete. Kruse sagte, Béglé sei im Frühling 2007 die Linienverantwortung entzogen worden und dieser sei stattdessen mit der Organisation einer Ausstellung in China betraut worden. In der Stellungnahme des Uvek heisst es dazu: «Sein Bereich wurde Ende 2006 in mehrere Segmente aufgeteilt. Herr Béglé übernahm andere Aufgaben.» Der Berner Headhunter Peter Meister ist skeptisch: Die Tatsache, dass Herr Béglé bei der Deutschen Post andere Aufgaben übernehmen musste, lasse doch aufhorchen. «Es lässt Zweifel daran aufkommen, ob Béglé wirklich der Topshot ist, als der er angekündigt wurde», so Meister. Meisters scharfe Kritik Meister wird noch deutlicher: «Herr Béglé hat keinen Leistungsausweis, der ihn für den Posten des Post-Präsidenten qualifiziert.» Es sei ihm in den letzten eineinhalb Jahren nicht gelungen, etwas Handfestes vorzulegen. Das Departement Leuenberger habe zwar nun dargelegt, dass bei der Wahl formell alles korrekt abgelaufen sei. «Materiell bleibt es aber jede Antwort schuldig», so Meister. «Weshalb gerade Herr Béglé das Rennen gemacht hat und was ihn für den Posten als Verwaltungsratspräsident qualifizieren soll, das erfährt die Öffentlichkeit nach wie vor nicht.» 30 Kandidaten Folgendermassen ist das Auswahlverfahren gemäss Uvek-Stellungnahme abgelaufen: In einem ersten Schritt sei in einer Arbeitsgruppe das Anforderungsprofil definiert worden. Die Headhunteragentur habe dann eine «Long List» mit 30 möglichen Kandidaten erstellt. «Die Liste wurde dann auf rund zehn Personen reduziert», schrieb das Uvek gestern. Über die verbleibenden Kandidaten habe die Agentur «vertiefte Abklärungen» durchgeführt und ein Dossier zusammengestellt. Auf Grund dieser Empfehlungen habe Leuenberger entschieden, wen er zum Gespräch vorladen wolle. Nach «weiteren Referenzauskünften» und «intensiven Gesprächen» habe er schliesslich den Antrag an den Gesamtbundesrat formuliert. «Eine Schlammschlacht» Leuenberger verteidigte gestern nicht nur sich und sein Departement, er stärkte auch Béglé den Rücken: Der Auslöser der Kontroverse sei die Entlassung von Post-Konzernchef Michel Kunz gewesen. «Dieser Entscheid ist im Verwaltungsrat mit 8 zu 0 Stimmen bei einer Enthaltung gefallen», betonte Leuenberger. Dass seither zwei Verwaltungsräte den Hut genommen haben, bezeichnete Leuenberger als «Inszenierung der Béglé-Gegner» und als «Schlammschlacht». Philippe Müller >

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