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Kasse steht im Pferdestall

Für 4,3 Millionen Franken werden die Nebengebäude des Oberhofner Schlosses saniert. Der dorfseitige

«Das halte ich für das Edelste an der ganzen Sanierung der Dependenzen: unser Mehrzweckraum mit Glastor. Schauen Sie sich nur den herrlichen Blick auf unser Schloss Oberhofen an!» Kein Zweifel, Vera Heuberger, Kuratorin der Stiftung Schloss Oberhofen, liebt «ihr» Reich. Und wer das Bijou am Thunersee als Besucher betritt, findet sich in einer Märchenwelt wieder. Der Gang über die Brücke und durch das mächtige Burgtor führt auf einen breiten Kiesplatz, auf dem einst prächtige Kutschen und edle Pferde auf die Herrschaften des Schlosses warteten. Dornröschen-Effekt Jahrzehntelang vernachlässigt, mit bröckelndem Putz und unansehnlich grau geworden, fristeten die einstigen Remisen, Stallungen und Dienstbotenräume der Nebengebäude ein trostloses Dasein. «Es war wirklich eine Schande, die wundervollen Gebäude so vernachlässigt zu wissen», sagt Heuberger. Doch die Bitterkeit über das lange Zeit fehlende Geld und fehlende Investitionsmöglichkeiten ist der Euphorie gewichen: Nach zweijähriger Sanierungsphase präsentiert sich der dorfseitige Bereich so strahlend und imposant wie anno dazumal. Wer nun vor den mächtigen Holztoren steht, kann den Vergleich mit dem früheren Zustand nur noch daran erkennen, dass der seeseitige Dependenzenbau noch nicht saniert ist. «Da soll dereinst ein Gastronomiebetrieb entstehen. Aber wer diesen aufbauen und betreiben wird, steht derzeit noch nicht fest», blickt die Schlosskuratorin in die Zukunft. «Im Herbst 2011 möchten wir das Lokal eigentlich eröffnen.» Millionen für Sanierung Vorerst freut sich Vera Heuberger mit ihrem kleinen Team über die gelungenen Renovationsarbeiten in der ehemaligen Remise und den Stallungen. Stolz führt sie durch den neuen Toilettentrakt, «der endlich auch rollstuhlgängig ist». Im Mitteltrakt liegt neu der Kassenbereich samt Museumsshop. «Hier haben einst die Pferde gelebt. Sehen Sie sich nur die edlen Säulen und Deckengewölbe an.» An den Stall erinnert heute nichts mehr; ein Nachbau des noblen Wohnquartiers für die edlen Vierbeiner findet sich hingegen in der kleinen Sonderausstellung im Schloss selber. Und dahinter liegt das «Prunkstück» der Nebengebäude: der Mehrzweckraum, ausgestattet mit modernen Möbeln, die stark kontrastieren zum historischen Wohnmuseum des Oberhofner Bijous. Gesamthaft darf die Sanierung der Nebengebäude 4,3 Millionen Franken nicht überschreiten (wir berichteten). 100000 Franken hat die Gemeinde Oberhofen zugesprochen, weitere 780000 Franken stammen vom Bundesamt für Kultur, der Rest wird vom Lotteriefonds des Kantons getragen. «Abstriche waren und sind nach wie vor nötig», bilanziert Heuberger. Dennoch ist die Aufwertung der Gebäude enorm. «Das gibt den richtigen Impuls für unsere Stiftung, die ja nun vom Historischen Museum Bern unabhängig ist.» Ziviltrauungen im Schloss Dass die märchenhafte Kulisse des Oberhofner Schlosses mit weitläufigem Park und direkt am See gelegen Menschen aus aller Welt anzieht, bringt auch den Traum einer gräflichen Hochzeit mit sich. «Für uns ist es grossartig, dass der Kanton an sechs Tagen pro Jahr diverse historische Lokalitäten für Ziviltrauungen anerkennt», sagt Vera Heuberger. Wer sich allerdings dieses Jahr in Oberhofen das Jawort geben will, muss sich sputen. «Wir sind schon fast vollständig ausgebucht», weiss die Schlosskuratorin. Je 40 bis 50 Hochzeitsgäste können beim Jawort der Brautpaare dabei sein. «Im kleinen Empfangszimmer, das einst den Shop- und Kassenbereich beherbergte, können sich nun die Brautleute, ihre Trauzeugen und der Standesbeamte auf den grossen Moment vorbereiten», zeigt Heuberger. Im neugotischen Speisesaal wartet derweil die Hochzeitsgesellschaft, um Zeuge des Gelöbnisses zu werden. Das Gläserklingen mit Trinksprüchen auf das frischgebackene Ehepaar findet nun auch ab und zu im neuen Raum der einstigen Stallung statt – mit Blick auf die Traumkulisse.Heinerika Eggermann Dummermuth •www.schlossoberhofen.ch >

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