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Zeit bei Schulausschluss sinnvoll nutzen

Wer untragbar ist, muss weg: Im Kanton Bern ist der Schulausschluss gesetzlich verankert. In der Praxis werden renitente Schüler aber nur selten vor die Tür gestellt. Die Jugendfachstelle Lyss ist für diese Ausnahme gerüstet.

Stefan Bäni beim Werkhof in Seedorf: «Ziel der Jugendfach-stelle Lyss ist, dass keine Time-outs ausgesprochen werden.»
Stefan Bäni beim Werkhof in Seedorf: «Ziel der Jugendfach-stelle Lyss ist, dass keine Time-outs ausgesprochen werden.»
Iris Andermatt

Jan* hat Mühe in der Schule. Regelmässig provoziert er die Mitschüler, zettelt Schlägereien an, macht Sachen kaputt. Die Lehrer mahnen ihn immer wieder, geben Jan Strafaufgaben, sprechen mit den Eltern. Doch die Situation entschärft sich nicht.

Seit 2001 ist es im Kanton Bern möglich, Schüler wie Jan während maximal 12 Wochen am Stück vom Unterricht auszuschliessen. Ein sogenanntes Time-out soll der Klasse, der Lehrperson und dem betroffenen Kind oder Jugendlichen Luft verschaffen.

Die Zeit sinnvoll nutzen

Kinder und Jugendliche vom Unterricht auszuschliessen ist eine «schwerwiegende» Massnahme, die nur angewendet werden soll, wenn «alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind». Das schreibt die Erziehungsdirektion in ihrem Leitfaden. Eine von der Gemeinde beauftragte Fachstelle kümmert sich gemeinsam mit den Eltern darum, dass die Ausgeschlossenen diese Zeit sinnvoll nutzen. Im Seeland ist die Jugendfachstelle Lyss und Umgebung (JFS) in einzelnen Gemeinden bereits offizielle Koordinationsstelle.

Für den Fall eines Ausschlusses will die JFS gewappnet sein. Zurzeit sammelt sie in Lyss und 16 Anschlussgemeinden Adressen für Time-out-Plätze, wo die Schülerinnen und Schüler einfache Arbeiten verrichten können.

Auszeit im Werkhof

Der Werkhof in Seedorf fungiert seit einem Jahr auf der Kontaktliste. Jedoch hat bisher nur ein Jugendlicher seine Auszeit dort verbracht und an zwei Nachmittagen Abfall eingesammelt.

Insgesamt hat die JFS nur zwei bis drei Mal pro Jahr mit Schulausgeschlossenen zu tun. «Entweder gab es wirklich nicht mehr Fälle oder die Schule hat uns nicht informiert», sagt Stefan Bäni, stellvertretender Fachstellenleiter. Bäni rechnet aber damit, dass die JFS mehr Ausschlüsse koordinieren muss, sobald das Angebot mit den Time-out-Plätzen bekannt ist. «Unser Ziel ist aber grundsätzlich, dass keine Time-outs ausgesprochen werden und die Zahl auf ihrem tiefen Stand bleibt», sagt Bäni. Der temporäre Ausschluss müsse von flankierenden Massnahmen begleitet den betroffenen Jugendlichen eine positive Entwicklung ermöglichen.

Das Schulhaus wechseln

In den Seeländer Schulstuben scheinen jedoch nur wenig renitente Schüler zu sitzen. Rolf Burkhard, Schulleiter der Lysser Schule Grentschel, erinnert sich an drei Ausschlüsse in der Lysser Volksschule während der letzten drei Jahre. «Ein Time-out kann für Klasse und Lehrer als äusserste Massnahme entlastend sein», sagt Burkhard.

Doch wichtiger als das Time-out sei es, Jugendliche und Eltern während des Ausschlusses zu begleiten und die Schüler nach dem Time-out erfolgreich in die Klasse zu integrieren.

In Lyss mussten die Betroffenen in zwei von drei Fällen die Klasse oder das Schulhaus wechseln. Was die Jugendlichen genau angestellt haben, will Burkhard nicht sagen. Jedoch haben alle für ihr «wiederholtes, massives Stören» die Höchststrafe von 12 Wochen Ausschluss erhalten.

Die Lehrer in der Zentrumsgemeinde Aarberg haben den im Volksschulgesetz abgeänderten Artikel noch nie in die Praxis umgesetzt. «Holz anfassen», sagt Martin Heiniger, Schulleiter der Real- und Sekundarschule Aarberg. «Wir konnten bisher andere Lösungen finden.»

*Name der Redaktion bekannt

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