Wegen Grunder muss die BDP erneut zittern

Hans Grunder tritt zurück und bringt die Berner BDP in akute Gefahr, einen Nationalratssitz zu verlieren.

Hatte einst die Altersguillotine gefordert und nimmt nun selber den Hut: Hans Grunder.

Hatte einst die Altersguillotine gefordert und nimmt nun selber den Hut: Hans Grunder.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Philippe Müller

Hans Grunder hat genug. Der Gründervater der BDP Schweiz tritt nach zwölf Jahren im Nationalrat im bevorstehenden Wahlherbst nicht mehr zur Sitzverteidigung an. Dies verkündete der 62-jährige Emmentaler in der Sonntagspresse. Grunder war nach der Abwahl von Christoph Blocher aus dem Bundesrat im Dezember 2007 eine der prägenden Figuren der Schweizer Politik. Er orchestrierte die Abspaltung von der Berner SVP und liess sich 2008 zum ersten Präsidenten der BDP Schweiz wählen.

Er verkam dadurch zum Fleisch gewordenen Feindbild der SVP. Letzten November feierte die Partei ihren zehnten Geburtstag. Grunder blickte damals für diese Zeitung zurück und sagte: «Es ist krass, was Kampagnen mit Menschen anrichten können. Die ‹Weltwoche› torpedierte mich, wo sie nur konnte. Ich erhielt Morddrohungen, stand ein halbes Jahr unter Personenschutz. Unsere jüngste Tochter wurde auf dem Weg zum Kindergarten von einem fremden Mann angesprochen. Ob dies einen Zusammenhang hatte mit meinem Engagement, weiss ich nicht. Doch es wäre naheliegend.» Zudem habe er eine Zeit lang um seine Existenz als Unternehmer fürchten müssen. Doch diese Sorge war umsonst. «Am Schluss erhielt ich mehr Arbeit als zuvor.»

Dass Grunder nun zurücktritt, ist konsequent. Und ehrlich. Er hatte stets betont, dass er 2015 nur noch angetreten sei, um die Partei vor einem Wahldebakel zu bewahren. Das gelang nur bedingt: Trotz Grunders Wiederwahl verlor die BDP Kanton Bern einen Sitz. Er könnte nun dasselbe tun, die Wiederwahl annehmen, kurz danach zurücktreten und damit gewissermassen die Wählerschaft täuschen. Es spricht für ihn, dass er dies nicht tut.

Bereits 2015 erlitt diePartei einen Sitzverlust

Damit aber ist eines sicher: Die Berner BDP läuft bei den Nationalratswahlen ernsthaft Gefahr, einen ihrer drei Sitze zu verlieren. Denn wie bereits 2015 wird der Kanton Bern auch dieses Jahr wegen der demografischen Entwicklung einen Nationalratssitz weniger zugesprochen erhalten. Vor vier Jahren traf dieser Sitzverlust die BDP, Heinz Siegen­thaler wurde abgewählt.

Nun könnten sich die Ereignisse wiederholen: Siegenthaler sitzt inzwischen wieder im Rat, weil er 2017 nach Ursula Hallers Rücktritt nachrutschen konnte. Und wieder ist es sein Sitz, der heftig wackelt. Offiziell in den Nationalrat gewählt wurde der Landwirt aus Rüti noch nie. 2014 war er ein erstes Mal nachgerutscht, ein Jahr später bestand er die Bewährungsprobe vor dem Stimmvolk nicht.  

BDP hätte Simon und Grunder gebraucht

Der Parteileitung ist sehr wohl bewusst, dass sie um Siegenthalers Sitz bangen muss. Nicht zuletzt deshalb soll Regierungsrätin Beatrice Simon nicht nur für den Ständerat, sondern auch für den Nationalrat kandidieren. In der Hoffnung, dass sie auch in die grosse Kammer gewählt wird, die Wahl dann höchstwahrscheinlich nicht annimmt und den ersten Ersatzmann respektive die erste Ersatzfrau nachrutschen lässt.

Die beiden anderen Sitze von Lorenz Hess und Hans Grunder schienen ungefährdet. Weil Grunder abtritt, obwohl die Partei ihn mehrmals bat zu bleiben, muss Simon nun dessen Sitz absichern. Der Abtretende sieht das anders: «Mit unserer Liste werden wir die drei Berner Sitze halten können», sagte er im «SonntagsBlick». Die Realität sieht vermutlich anders aus: Die BDP hätte sowohl Hans Grunder als auch Beatrice Simon gebraucht, um die maximale Zitterpartie zu vermeiden.

Berner Zeitung

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