Wandern so natürlich wie möglich

Ein guter Wanderweg soll nicht auf einer geteerten Strasse, sondern auf Naturbelag verlaufen. Mit diesem Ziel überarbeitet das Tiefbauamt des Kantons Bern gemeinsam mit dem Verein Berner Wanderwege das Netz aller Wanderrouten.

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Annic Berset

Ferienzeit ist auch Wanderzeit. Wer im Sommer nicht gerade ins Ausland verreist, um sich am Meer zu sonnen, kann hierzulande ein riesiges Netz an Wanderwegen erkunden. Und die Sportart Wandern erfreut sich seit ­Jahren wachsender Beliebtheit. Gemäss einer Statistik vom Bundesamt für Sport ist sie schweizweit gar eine der beliebtesten – und zwar nicht nur bei älteren Leuten.

Wer seiner Wanderlust im Kanton Bern nachgehen will, findet hier ganze 10 000 Kilometer an Wanderwegen vor. Einen Überblick über all diese Routen gibt der Sachplan Wanderroutennetz, welchen das Tiefbauamt des Kantons vor sechs Jahren erstellt hat. Damit dieses Planungsinstrument aktuell bleibt, muss es bei Bedarf nachgeführt und angepasst werden. «Es gibt in den Gemeinden laufend Änderungen im Strassennetz, die auch die verschiedenen Wanderwege betreffen», erklärt Peter Muheim, Leiter Fachstelle Planungen des Tiefbauamtes.

Der Kanton verfolgt bei allen Änderungen der Wanderwege ein primäres Ziel: «Wir arbeiteten darauf hin, möglichst wenige Wanderwege zu haben, die über eine asphaltierte Strasse verlaufen», sagt Muheim.

Schöne Aussichten

Eine solche Änderung von einer Asphaltstrasse mit Durchgangsverkehr hin zu einem Weg, der über einen Naturbelag führt, soll es beispielsweise in der Gemeinde Münchenbuchsee geben. Dort wird im Bereich der Kirchlindach- und der Radiostrasse ein asphaltierter Teil aus dem Wanderroutennetz entfernt (siehe Karte). Als Alternative nimmt das Tiefbauamt dafür eine Strecke beim Waldstück Tannholz ins Netz auf.

«Wir befinden uns im neuen Abschnitt auf einem Feldweg, der zuerst am Waldrand entlang- und dann in den Wald hineinführt», erklärt Peter Muheim vor Ort. Das seien qualitativ gute Merkmale für einen Wanderweg. Und mit einem Blick Richtung Alpen bemerkt er: «Wenn man beim Wandern gleichzeitig noch Aussicht auf die Berge hat, ist das natürlich ein weiterer Pluspunkt.»

Damit der Abschnitt des Wanderwegs nun verlegt werden kann, werden die Gemeinde und der betroffene Grundeigentümer angefragt. «Erst wenn diese Zustimmungen vorliegen, kann die Planung fortgesetzt werden», sagt Hans Ulrich von Gunten vom Verein Berner Wanderwege, der gemeinsam mit dem Tiefbauamt für die Umsetzung des aktualisierten Sachplans verantwortlich ist. Sind die betroffenen Parteien nicht einverstanden, komme das Projekt nicht zustande.

Wobei: Der Kanton könnte auf seinem Recht beharren, dass langjährige Wanderwege als «für das Wandern gewidmet» gelten und bestehen bleiben müssen. «Das passiert aber in der Regel nicht. Wir suchen dann zusammen mit der Gemeinde und dem Eigentümer nach einer alternativen Routenführung», sagt Peter Muheim.

Gemeinde schaut zum Weg

Ändert der Kanton die Füh­rung eines Wanderwegs, wird er auch nicht zum Besitzer dieses Grundstücks. «Die neue Route hat keinen Einfluss auf das Besitzverhältnis», so Muheim. Die Gemeinde sei für den Bau, die Planung und den Unterhalt der Wanderwege zuständig, das Grundstück bleibe aber im Besitz des jeweiligen Eigentümers. «Die Gemeinde bezahlt jedoch nur diejenigen Unterhaltsarbeiten, die für den Zweck des Wanderns erheblich sind.» Habe die Strasse beispielsweise einen Riss, sodass der Besitzer nicht mehr mit grossen Maschinen darüberfahren kann, sei das nicht Sache der Gemeinde.

2 Prozent mehr Natur

Kommen alle Änderungen des neuen Sachplans durch, könnte der Anteil der Berner Wanderwege mit Naturbelag von rund 71 auf 73 Prozent erhöht werden. «Auch wenn der Bund nicht mehr als 10 Prozent Asphaltbeläge möchte, wären schon 2 Prozent ein Erfolg», sagt Hans Ulrich von Gunten. Denn grundsätzlich würden die geteerten Strassen tendenziell mehr und nicht weniger.

«Schon 2 Prozent mehr Wanderwege auf Naturstrassen wären ein Erfolg.»Hans Ulrich von GuntenVerein Berner Wanderwege

Vor allem im Mittelland sei der Anteil an asphaltierten Strassen höher als an anderen Orten im Kanton. «Dort werden die Strassen häufig nicht nur als Wanderwege, sondern auch als Landwirtschafts-, Forstwege oder als Erschliessungsstrassen zu bewohnten Häusern gebraucht», so von Gunten. Im Oberland und im Jura sei das weniger der Fall. «Dort ist der Wanderweg an sich höher gewichtet, weil man extra dafür an einen solchen Ort fährt.» Ausserdem habe er eine höhere touristische Bedeutung. Im Mittelland hingegen würden die Wege eher zur Naherholung gebraucht.

Stark betroffen von den Neuerungen ist der Wanderbezirk Ballenbühl. Dieser umfasst die Gebiete Münsingen, Kiesen, Grosshöchstetten, Worb und Rubigen. Dort werden gemäss Hans Ulrich von Gunten zahlreiche Wanderwege aus der Karte gestrichen. «Das Netz zu verdünnen, ist die einfachste Option, die wir haben. Dafür wird die Qualität der Wege an diesen Orten erhöht.»

Bis letzte Woche lief die öffentliche Mitwirkung zum neuen Sachplan Wanderroutennetz. Nun haben die Adressaten bis zum 18. August Zeit, ihre Vorschläge einzugeben. Diese werden anschliessend geprüft und dem Regierungsrat vorgelegt.

Berner Zeitung

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